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Digitales Leben

Google macht Geschichte

Es sieht betörend gut aus: Google liefert Geschichte frei Haus. Multimedial im "Google Cultural Institute". Erreicht man damit mehr Menschen? Oder schnappt sich Google nach der Literatur nur das nächste Kultursegment?

Screenshot Google Cultural Institute, Ende der Mauer – Ein kleines Kind demontiert das Symbol der Teilung

Screenshot Google Cultural Institute

Im Jahr 2004 hatte es die Suchmaschine Google geschafft. Seitdem steht das Verb "googeln" im deutschen Duden – und ist damit "offizieller" Bestandteil der deutschen Sprache. Google hat sich inzwischen zu mehr als einer reinen Suchmaschine entwickelt.

Was bisher kaum bekannt ist: Mittlerweile ist Google auch ein digitales "Museum". 60 Geschichtsausstellungen hat das Unternehmen bislang mitgestaltet. Und es werden immer mehr. Google, so die offizielle Begründung, möchte sich in Sachen Kultur einen Namen machen. Und stellt deshalb Museen und anderen Einrichtungen seine Technik zur Verfügung. Grundlage dieser Art der Kulturförderung ist das 2010 gegründete Google Cultural Institute, das die Ausstellungen betreut. Deren Design ist beeindruckend gut gelungen; die Inhalte stehen dem kaum nach.

Was aber bewegt den Internetgiganten Google dazu, Geschichtsausstellungen zu unterstützen? Der zuständige Produkt Manager Mark Yoshitake erklärt, dass Google dabei helfen wolle, Kultur online zu erhalten und zu fördern.

Geschichte(n) im Netz

Was derzeit bei Google an historischen Ausstellungen zu besichtigen ist, umspannt annähernd den ganzen Globus. Der Spanische Bürgerkrieg, die Landung der Alliierten 1944 in der Normandie. Die Abschaffung der Apartheid in Südafrika, der Fall der Berliner Mauer. Alles jüngere Geschichte von den Anfängen des 20. Jahrhunderts bis heute.

Screenshot Google Cultural Institute. Umfassendes Menü – Quer über den Globus erstrecken sich die Themen

Umfassendes Menü – Quer über den Globus erstrecken sich die Themen

Die dunklen Kapitel der Geschichte werden nicht ausgespart, auch der Holocaust ist innerhalb der Ausstellungen ein großes Thema. Mark Yoshitake vom Google Cultural Institute schrieb dazu im offiziellen Google Produkt Blog: "Ein großer Teil des Materials ist sehr bewegend – und manches ist erstmalig im Internet zu sehen.“ Zur Verfügung gestellt werden Bilder, Dokumente und Videos von zahlreichen Institutionen und Museen weltweit. Darunter die Staatlichen Museen zu Berlin, das Anne Frank Haus in Amsterdam und die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem.

Das Ergebnis: fast überwältigend. Diese Seite könnte sich mit den Ausstellungen zu einem großen "Zeitvernichter" entwickeln. Allein das bloße Stöbern im großen Bilderpool bringt den Besucher von einer interessanten Aufnahme zur nächsten. Auch die schriftlichen Dokumente, zum Beispiel Tagebücher, bilden eine fesselnde Lektüre.

Porträtgalerie Gedenkstätte Yad Vashem Hauptsaal
(c) Kaniewski, DW

Wer die Gedenkstätte Yad Vashem nicht besuchen kann, holt sie sich auf den Bildschirm

Struktur und Design der virtuellen Ausstellungen vermitteln dem Besucher beinahe den Eindruck, tatsächlich im Museum oder sogar am Ort des damaligen Geschehens zu sein. Der Nutzer kann sich in der Zeit fortbewegen, kann Bilder groß zoomen, Zeitzeugen zuhören und eine Menge Texte lesen.

Knapp 20 Sprachen stellt das Menü zur Verfügung, die Texte der Ausstellungen sind in der Regel in englischer Sprache verfasst. Einige Ausstellungen sind aber auch in Deutsch gehalten. Ergänzt wird die Homepage durch eine Suchfunktion. Stichworte lassen sich so quer durch alle Ausstellungsabschnitte verfolgen. Bei der Eingrenzung hilft zusätzlich eine Zeitleiste.

Gefahr für die Museen?

All das können die Besucher nun bequem vom heimischen Rechner aus erkunden. An diesem Punkt stellt sich eine wichtige Frage. Kann der Besuch dieser virtuellen Ausstellungen einen Museumsbesuch in der "analogen Welt" ersetzen?

Laut Google lautet die Antwort: Ja, denn genau dies hat sich das Unternehmen zur Aufgabe gemacht. "Das Ziel von Google ist es, die Informationen der Welt zu organisieren und für alle zu jeder Zeit zugänglich und nützlich zu machen" beschreibt das Unternehmen selbst seinen Sinn. Jeder Mensch soll im Internet der Geschichte nachspüren können, die ihn interessiert.

Das Google Data Center in Oklahoma. Ein Gang mit Rechnern. (Bild: dpa)

Google Data Center in Oklahoma

Und das im Idealfall auf den Seiten von Google. Dass der Internetriese das nicht aus reiner Menschenfreundlichkeit tut, liegt auf der Hand.

Die Museen scheint's zu freuen. "Jeder kann davon profitieren“, sagt Ronald Leopold vom Anne Frank Haus. Seine Kollegin Obenewa Amponsah von der Steve Biko Foundation führt weiter aus, dass das Google Cultural Institute "Material zugänglich macht, das sonst nicht verfügbar wäre."

Denn nicht jeder Mensch hat die Möglichkeit, zum Beispiel Jerusalem und Yad Vashem oder die vielen anderen Museen zu besuchen. Die Museen ihrerseits rechnen damit, dass Google die Menschen neugierig auf mehr macht und sie wieder in ihre Häuser lockt.

Denn bei aller Ausführlichkeit, die die Ausstellungen beim Google Cultural Institute auch bieten: Den Blick auf die Originalexponate in einem Museum können sie nicht ersetzen.

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