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Interview

"Gleiche Liebe, gleiche Rechte"

Die Öffnung der Ehe baue Diskriminierung innerhalb Europas ab, meint Klaus Jetz, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland. Im DW-Interview warnt er, dass Homophobie in Osteuropa zunimmt.

Deutsche Welle: Herr Jetz, als in Frankreich die Debatte um die Öffnung der Ehe für homosexuelle Paare entbrannte, drehte sich die ausländische Berichterstattung hauptsächlich um die Angriffe vonseiten der Gegner. Nimmt die Homophobie in Europa zu?

Klaus Jetz: Umfrageergebnisse zeigen, dass die Mehrheit in Frankreich für die Ehe-Öffnung ist. Der Durchschnittsbürger hat kein Problem damit, dass Homosexuelle heiraten können und damit Verantwortung übernehmen, auch für das Großziehen von Kindern. Das ist ein konservativer Gedanke. In Frankreich geht es weniger um Homophobie oder Abneigung gegen Homosexuelle, sondern vielmehr darum, gegen die Regierung Hollande mobil zu machen.

Solche Übergriffe sind in Europa keine Ausnahmen. Wo stoßen Sie als international tätiger Verband auf besonders starke Intoleranz?

Wir haben aggressive Übergriffe und Gewalt in Polen oder Litauen erfahren, als wir den Christopher-Street-Day (CSD) unterstützten - das war geballter Hass. So was kennen wir hier nicht. Diese Aggression seitens der Gegendemonstranten, mit der wir konfrontiert wurden, hat uns erschüttert. Es kommt immer wieder zum Verbot von CSD-Paraden. Es kommt auch zu Hassreden seitens religiöser Führer. Wo Gesellschaften in wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Umbruchsituationen sind, richten sich Proteste und Ängste gegen Minderheiten.

Die Europäische Union drängt auf Antidiskriminierungsgesetze, die Mitgliedsstaaten in ihre Verfassung aufnehmen müssen. Weitere Sicherungen der Rechte Homosexueller gibt es aber kaum. Warum engagiert sich Deutschland nicht für weitere Initiativen innerhalb der EU? 

Die EU war immer Motor für die Gleichstellung in den Mitgliedsstaaten, besonders für eine Politik der Nicht-Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität. Auch Deutschland hat ein solches Gleichstellungsgesetz dank der EU. Uns ärgert es, dass Deutschland eine weitere Richtlinie zur Diskriminierung verhindert hat. Im Koalitionsvertrag ist festgeschrieben, dass keine weiteren Initiativen der Antidiskriminierung unterstützt werden. So bremst Deutschland die Kommission. Das verurteilen wir, weil Deutschland Lesben und Schwulen und auch anderen Minderheiten in Osteuropa etwas vorenthält, was die Bundesregierung hier schon geregelt hat.

Wann wird Deutschland die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare öffnen?

In homosexuellen Beziehungen werden konservative Werte gelebt. Wir fordern gleiche Rechte für gleiche Liebe. Immer mehr Länder öffnen die Ehe für Schwule und Lesben. Da ist Frankreich ein Meilenstein. Und nach Großbritannien wird Deutschland folgen, das ist nur eine Frage der Zeit. Aber es dauert nicht mehr lange. Je mehr Länder eine eingetragene Partnerschaft oder eine Ehe für gleichgeschlechtliche Paare verwirklichen, umso mehr weitere werden folgen. In zehn Jahren wird eine Mehrzahl der Staaten der EU die Ehe auch für Lesben und Schwule geöffnet haben.

Klaus Jetz ist Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland (LSVD) und der Hirschfeld-Eddy-Stiftung, eine Stiftung für die Menschrechte von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Transgender.

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