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Gibt es ein Video vom Germanwings-Absturz?

1. April 2015

Es klingt unglaublich: Die "Bild"-Zeitung und das Magazin "Paris Match" wollen ein Handyvideo gesehen haben, das die letzten Sekunden im abstürzenden Airbus in Südfrankreich zeigt. Eine Bestätigung steht aus.

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Ein französischer Bergungshelfer im Einsatz an der Absturzstelle (Foto: Reuters)
Bild: Reuters/Gonzalo Fuentes

Ein Video aus der Germanwings-Unglücksmaschine soll Bilder von den letzten Sekunden an Bord des Flugs 4U9525 zeigen. Die "Bild"-Zeitung und das französische Magazin "Paris Match" schreiben, Mitarbeiter hätten die Sequenz ansehen können. Das Speichermedium mit dem sekundenlangen Video sei auf einem Mobiltelefon am Unglücksort von einer Person gefunden worden, die zum Kreis der Ermittler gehöre. Der "Bild"-Zeitung zufolge ist die Szenerie an Bord chaotisch. Die Bilder seien verwackelt, einzelne Personen seien nicht identifizierbar. Die Echtheit des Videos sei jedoch unzweifelhaft. Die Sequenz sei ganz hinten im Flugzeug gefilmt worden. Zu hören seien Schreie und der Ausruf "Mein Gott!" in mehreren Sprachen. Mindestens drei Mal seien auch metallische Schläge zu hören. Offenbar habe der ausgesperrte Pilot bis zum Aufprall versucht, die Tür zum Cockpit aufzubrechen.

Zwischen Schockstarre und Trauer

Der Marseiller Staatsanwalt Brice Robin erklärte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dagegen, er wisse nichts von einem solchen Fund. Es seien eine Reihe von Handys gefunden worden, die noch ausgewertet würden. Sie seien aufgrund des Aufpralls aber in einem sehr schlechten Zustand. "Ich weiß nicht, ob sie ausgewertet werden können."

Lufthansa kannte Depression

Am Dienstag teilte die Lufthansa mit, dass ihre Verkehrsfliegerschule während der Ausbildung des Copiloten des Germanwings-Flugzeugs von einer früheren Depression des Mannes wusste. In einer E-Mail habe der damalige Flugschüler 2009 im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme seiner Ausbildung die Fliegerschule über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert.

Zum Gesundheitszustand des Unglückspiloten war bereits bekannt gewesen, dass er in seiner Ausbildung in der Verkehrsfliegerschule eine Unterbrechung von mehreren Monaten gehabt hatte. "Im Anschluss wurde dem Copiloten die erforderliche ärztliche Flugtauglichkeit bestätigt", betonte die Lufthansa. Während seines Einsatzes am 24. März habe der Copilot ein "voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1" gehabt.

Der Airbus war am 24. März auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf an einer Felswand in den französischen Alpen zerschellt. Der 27 Jahre alte Copilot wird verdächtigt, seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit Absicht in die Katastrophe gesteuert zu haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler war er vor Jahren suizidgefährdet. In seiner Wohnung wurden zerrissene Krankschreibungen auch für den Tag des Absturzes gefunden.

Bergung der Opfer beendet

Eine Woche nach dem Absturz des Flugzeugs schloss die Polizei die Bergung der Opfer ab. "Es gibt keine Körper mehr in der Absturzzone", sagte der Gendarm Jean-Marc Ménichini der Nachrichtenagentur AFP. Am Mittwoch sollten nun persönliche Gegenstände der Toten geborgen werden. Zudem geht die Suche nach dem Flugdatenschreiber weiter. Die Ermittler können seit Dienstag über eine eigens errichtete Behelfsstraße zu der Absturzstelle gelangen.

Diese Planierraupe half beim Bau der Behelfsstraße zur Absturzstelle (Foto: Reuters)
Diese Planierraupe half beim Bau der Behelfsstraße zur AbsturzstelleBild: REUTERS/C. Paris/Pool

Die Bundeswehr kündigte an, sie werde die Bergungsarbeiten in den Alpen mit zwei Hubschraubern unterstützen. Diese seien mit Winden ausgerüstet, um Helfer im steilen Gelände bei Seyne-les-Alpes abseilen zu können, erklärte das Verteidigungsministerium. Deutschland entspreche damit einer Bitte der französischen Behörden.

Merkel dankt Hollande

Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte Frankreich bei einem Besuch von Präsident François Hollande und dessen Kabinett in Berlin für die Unterstützung nach dem Unglück, bei dem auch 75 Deutsche starben. Hollande stellte die Identifizierung aller Opfer "bis spätestens Ende der Woche" in Aussicht. Zuvor hatte das Kriminalinstitut der Gendarmerie in Pontoise erklärt, die eigentliche Identifizierung, also die Zuordnung zu den Vergleichsdaten der Angehörigen, könne zwei bis vier Monate dauern. Die Experten hatten allerdings erklärt, dass die Entnahme von DNA-Proben bis Ende der Woche abgeschlossen werden könnte.

Die Chefs von Lufthansa und Germanwings wollen an diesem Mittwoch erneut an der Absturzstelle der Opfer gedenken. Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Germanwings-Chef Thomas Winkelmann hätten ferner geplant, in Marseille erneut mit Angehörigen Opfer zusammenzukommen, sagte ein Konzernsprecher. Germanwings ist eine Tochter der Lufthansa.

kle/qu (dpa, afp, ape, rtrd)