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Forschung

Genug Wasser und Energie für Mega-Städte

Immer mehr Menschen leben in Riesenstädten. Die Infrastruktur kann mit dem Wachstum der Bevölkerung nicht Schritt halten. Müll und Abwasser sind ein großes Problem. Nun haben Darmstädter Forscher eine Lösung gefunden.

Müllberg in Hanoi (Foto: DW)

Mehr Einwohner - und deutlich mehr Müll

Moped reiht sich an Moped, der Lärm ist kaum zu ertragen, die Luft so verpestet, dass der Hals nach einer Stunde in der Rushhour schmerzt. Das ist die Megastadt Hanoi an einem ganz normalen Wochentag. Eine Szene, die sich auch in vielen anderen Metropolen in Schwellenländern abspielen könnte. Denn in diesen Ländern sprießen die Megacities dieser Welt. Sie wachsen rasant und nahezu unkontrollierbar - um 160.000 Menschen, jeden Tag.

Belebte Straße in Hanoi bei Nacht (Foto: DW)

Überlastete Infrastruktur, Krach und Abgase

Die Infrastruktur dieser Städte kann meist nicht so schnell mitwachsen: Es wird immer schwerer, alle Menschen mit Wasser zu versorgen, das Abwasser zu reinigen und den Müll zu entsorgen. Die Einwohnerzahl von Vietnams Hauptstadt Hanoi ist in den letzten Jahren auf fast sieben Millionen hochgeschnellt. Aber in der ganzen Stadt gibt es nicht eine einzige Kläranlage - das Wasser aus Toiletten und Duschen landet über einige Umwege in den Flüssen der Region - und irgendwann auch im Grundwasser. Völlig ungeklärt.

Deutsche Lösungen fürs Ausland

Chemieingenieur Peter Cornel (Foto: DW)

Will flexible Systeme entwickeln: Peter Cornel

Die Technische Universität Darmstadt hat ein Konzept entwickelt, das dieses Problem lösen soll: Ein Abwassersystem, das mit einer Mega-Stadt wie Hanoi mitwachsen kann. Es recycelt dreckiges Wasser und erzeugt dann auch noch aus Exkrementen Strom. "Semizentral" nennt sich das Ganze. In ein paar Jahren sollen in Hanoi mehr als 100 parkhausgroße Anlagen entstehen, die mehr können, als dreckiges Wasser einfach nur zu entsorgen.

Schwarzes, schmutziges Wasser soll wieder aufbereitet werden und glasklar in die Häuser der Stadt zurückfließen. Und aus Klärschlamm und Biomüll wird in der Biogasanlage Strom. Was übrig bleibt, landet als Dünger auf den Feldern der Region. "Abwasser ist für uns nicht einfach Abfall", sagt Professor Peter Cornel, der das Projekt in Hanoi leitet. "Es ist eine Ressource." Vor allem die Megacities können es sich nicht leisten, Wasser nur einmal zu benutzen, meint Cornel. Denn das Grundwasser in der Umgebung kann dafür oft nicht ausreichen.

Kluges System, das sich anpasst

Frauen in Hanoi sammeln Papiermüll ein (Foto: DW)

Viel zu tun für die Müllsammler in Hanoi

Das Besondere am Projekt "Semizentral" ist aber nicht nur das Wasser-Recycling. Die semizentralen Systeme können außerdem mit der Stadt mitwachsen: Wenn Hanoi wieder einmal 100.000 Einwohner mehr hat, kommt einfach eine neue kleine Anlage ins neue Stadtviertel - das System wächst mit den Einwohnern. "Wo Städte derart schnell wachsen, muss man neu überlegen und die Probleme der Menschen mit ganz anderen Systemen lösen, als die, die wir hier bei uns in Europa haben", ist Peter Cornels Credo.

Autor: Manfred Götzke
Redaktion: Andreas Ziemons/ Nicole Scherschun

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