1. Zum Inhalt springen
  2. Zur Hauptnavigation springen
  3. Zu weiteren Angeboten der DW springen

Friedlicher Protest gegen G7

Sabrina Pabst4. Juni 2015

Laute Musik, bunte Luftballons und ausgefallene Kostüme. Rund 34.000 G7-Gegner demonstrierten gegen Fracking, Gentechnologie oder das Freihandelsabkommen TTIP. 3000 Polizisten schauten zu. Sabrina Pabst aus München.

https://p.dw.com/p/1FbvT
Anti-G7-Protest in München (Foto: Reuters/W. Rattay)
Bild: Reuters/W. Rattay

"Ich finde es super, dass alle tanzen. Das ist ein Beweis dafür", sagt Mark. Er trägt eine bunte Sonnenbrille und ein gelbes T-Shirt, auf dem "Stop TTIP" gedruckt ist. Die Musik ist laut, die Sonne brennt. Ausgelassen tanzt er zur Musik. Zunächst 16.000 Menschen haben sich vor dem berühmten Stachus-Platz in München versammelt und wollen gegen den am Wochenende bevorstehenden G7-Gipfel, ein Treffen der sieben führenden westlichen Industriestaaten, im 90 Kilometer entfernten Elmau demonstrieren. Aufgerufen zu der Demonstration hatten diverse Parteien und Nichtregierungsorganisationen. "Der Protest ist fröhlich und bunt", sagt Dominik, der zusammen mit seiner Freundin aus Dachau angereist ist. "Die Menschen könnten noch mehr werden."

Lauter bunter Protest

Pappmasken von Obama, Merkel und weiteren G7-Regierungschefs (Foto: Getty Images/AFP/C. Stache)
Mit Kreativität zur DemonstrationBild: Getty Images/AFP/C. Stache

Marion steht neben einer kleinen Gruppe. Mit überdimensionalen Pappköpfen haben sie sich als Barack Obama, Angela Merkel und Co. verkleidet. "Schließt die Lücke zwischen arm und reich" steht auf dem Plakat über ihren Köpfen. "Wir möchten ein Zeichen gegen Hunger setzen", sagt Marion, die sich ehrenamtlich bei der Welthungerhilfe engagiert. "Wir fordern die G7 auf, mehr Mittel für die kleinbäuerliche Landwirtschaft bereit zu stellen. Die Rechte von Kleinbauern müssen geschützt werden, damit sie nicht von dem Land vertrieben werden, sondern dort für ihre Familien anbauen können". Dem nächsten Passanten überreicht sie einen grünen Flyer.

Auch Sophie bekommt ein Flugblatt. Sie steht alleine mit ihrer Fahne zwischen Familien mit Kinderwagen. "Ich finde als junger Mensch muss man hier auf die Straße gehen. Es geht um unsere Zukunft", sagt sie und applaudiert der Band auf der Bühne zu. "Ich finde es traurig, dass die meisten Leute in meinem Alter nicht über das G7-Treffen oder TTIP Bescheid wissen", meint sie und spricht das geplante Freihandelsabkommen zwischen EU und den USA an. Dass so viele Menschen friedlich demonstrieren, stimmt sie zufrieden. "Es sind aber trotzdem zu wenig. Es ist zu leise."

Demonstrantin Sophie (Foto: DW/Sabrina Pabst)
Sophie vermisst das Engagement ihrer AltersgenossenBild: DW/Sabrina Pabst

Die Sonne brennt auf den kargen Platz. Viele Menschen haben sich provisorische Kopfbedeckungen gebastelt oder suchen in den Bogengängen am Rand Schatten. Sie hätte sich gewünscht von einigen ihrer Freunde begleitet zu werden, doch die lägen bei 30 Grad und Sonnenschein lieber am Badesee, sagt Sophie. "Das sind die Menschen, die sich keine Gedanken machen. Für uns in Europa läuft doch alles super. München ist eine reiche Stadt. Wir kriegen hier doch nichts von Armut mit oder von verhungernden oder verdursteten Kindern."

Von Fracking bis Gentechnologie

Demonstranten mit Banner (Foto: DW/Sabrina Pabst)
Protest gegen die deutsche Politik in ÄthiopienBild: DW/Sabrina Pabst

So bunt gemischt wie die Demonstranten sind, so unterschiedlich sind auch ihre Forderungen. "Wir wollen TTIP stoppen", schallt es aus den Lautsprechern. "TTIP ist ein neo-koloniales Instrument, um die Menschen in Afrika zu unterdrücken und die Arbeitnehmerinnen in den Ländern der Industriestaaten einzuschränken", heizt ein Redner die Menge während der Kundgebung ein und fordert: "Wir wollen eine gerechte Weltwirtschaftsordnung." Es gehe um Staaten Afrikas, Südamerikas oder Asien, die für die billige Rohstofflieferung herhalten müssten. Fracking oder Gentechnologie würden von US-amerikanischen Konzernen nach Europa gebracht.

Die Sorge, dass der europäische Markt von "billigem amerikanischen Lebensmittelschrott überschwemmt" werden könnte, äußert der Bio-Bauer Lutz, der mit vielen weiteren Landwirten aus dem Allgäu angereist ist - extra für die Demo. "In den USA sind riesige landwirtschaftliche Anlagen. Unsere kleinen Bauern können da nicht mithalten. Die Landwirtschaft ist für viele Betriebe ja schon jetzt nicht mehr rentabel", sagt er.

Ein anderer Bauer, der die Unterhaltung verfolgt hat, nickt energisch. "Ich würde sonst nie mit Linken zusammen an einer Demonstration teilnehmen, aber der Protest reicht heute bis weit in die bürgerliche Gesellschaft rein", sagt Landwirt Alois. "Das Volk und wir als Landwirte werden in Zukunft von großen Konzernen ausgebeutet", wettert er.

Traktor beim G7-Protest (Foto: DW/Sabrina Pabst)
Wenn Landwirte zu Globalisierungsgegnern werden...Bild: DW/Sabrina Pabst

Die Landwirte starten ihre knatternden Traktoren und führen den Demonstrationszug an, der quer durch die Münchner Innenstadt führt. "Heute gehen wir gemeinsam auf die Straße, mit einer bunten, kreativen und vor allem mit einer friedlichen Demonstration", tönt es währenddessen aus den Lautsprechern. Zwischen den schrillen Trillerpfeifen und lauten Trommeln ist "Revolution, Revolution" oder wieder "Stop TTIP" zu hören. Dominik und seine Freundin strahlen, als sie zur Abschlusskundgebung auf dem Odeonsplatz ankommen. 34.000 Menschen haben sich dort inzwischen versammelt, um gegen G7 zu protestieren. Friedlich. Die 3000 Polizisten hatten einen ruhigen Arbeitstag

Den nächsten Abschnitt Mehr zum Thema überspringen