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Eurozone

Eurokrise - Anfang, Ende oder Wende?

Für die einen ist die Staatsschuldenkrise so gut wie überstanden, die anderen sehen das dicke Ende erst noch kommen: Zum Jahreswechsel lassen sich für die Optimisten und die Pessimisten Kronzeugen finden.

"Ich glaube, wir haben das Schlimmste hinter uns", hatte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kurz nach Weihnachten der Bild-Zeitung gesagt - und damit eine rege Diskussion entfacht. Selten waren die Ökonomen in Deutschland so gespalten wie zum Jahresende 2012: Die einen halten die Eurokrise im Wesentlichen für abgehakt, die anderen warnen vor den Spätfolgen der Staatsanleihen-Käufe durch die Europäische Zentralbank (EZB), die wie ein Bumerang auf die Währungsunion zurückfallen und die Krise noch verschärfen könnten.

Zu den Warnern gehört Jens Weidmann, Chef der Deutschen Bundesbank. "Die Ursachen sind noch lange nicht beseitigt", sagte Deutschlands oberster Währungshüter am Wochenende der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er sieht die Gefahr, dass "die Politik nichts mehr mit der Krise zu tun haben will und erwartet, dass die Notenbank die Kastanien aus dem Feuer holt".

Gefahr der Inflation?

Jens Weidmann (Foto: dapd)

Kritiker der EZB-Politik: Bundesbankpräsident Jens Weidmann

Nach wie vor ist Weidmann der prominenteste Kritiker der EZB-Politik, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen. Sein Dissens mit EZB-Chef Mario Draghi in dieser Frage gelte weiter: "Ich befürchte stabilitätspolitische Risiken und die Gefahr der Vermischung von Geld- und Fiskalpolitik." Die Notenbank könne lediglich Risiken zwischen den Euroländern umverteilen, was eine Art Versicherung sei. "Aber eine Versicherung macht das System noch nicht stabiler."

Vor allem an der Frage, ob die Politik der EZB langfristig die Stabilität des Euro gefährdet und Inflationsgefahren heraufbeschwört, scheiden sich die Geister. Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gert Wagner, hält die Inflationsgefahr derzeit für gering: "Inflation kann entstehen, wenn die Reallöhne viel stärker als die Produktivität steigen. So weit sind wir aber noch lange nicht - nicht in Deutschland und erst recht nicht im Euroraum."

Anzeichen für ein Abebben der Krise

Wagner verweist darauf, dass sich auch die Rettungsprogramme der Europäischen Zentralbank bisher nicht in den Preisen niederschlagen - "und die EZB hat hinreichende Instrumente zur Verfügung, um eine Teuerung im Zaum zu halten." Im Übrigen müsse man auch nicht sofort in Panik verfallen, "wenn die Inflation mal über die Zwei-Prozent-Marke klettert".

Spanische Flagge mit Schatten des Euro-Zeichen im Vordergrund (Foto: dapd)

Zeichen der Entspannung? Zinsen für spanische und italienische Staatsanleihen sind gesunken

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank, stört sich trotzdem an der Rettungspolitik der EZB: "Die EZB nimmt mit der Notenpresse Reformdruck von den Peripherieländern und zementiert damit viele ihrer Probleme, was langfristig das Wirtschaftswachstum im Euroraum dämpft." Ähnlich argumentiert EZB-Chefvolkswirt Jörg Asmussen: "Die Konstruktionsfehler der Währungsunion sind noch nicht beseitigt", sagte er den Stuttgarter Nachrichten. Er sei zwar insgesamt vorsichtig optimistisch, "aber der Reformeifer in der Eurozone darf nicht nachlassen".

Indes sieht auch Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer erste Anzeichen für ein Abebben der Eurokrise. So seien die Renditen für spanische und italienische Staatsanleihen seit Sommer um rund zwei Prozentpunkte gefallen, die Kapitalflucht aus den südlichen Peripherieländern sei gestoppt und teilweise sogar umgekehrt worden. " Wir lehnen eine Rettung der Währungsunion mit der Notenpresse ab, glauben aber trotzdem, dass die Staatsschuldenkrise abebbt", schreibt Krämer. Denn "die wenigsten Anleger wollen sich gegen eine EZB stellen, die Geld in jeder beliebigen Höhe zum Kauf von Staatsanleihen mobilisieren kann".

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