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Staunen und Wundern

Esst mehr Mehlwürmer!

Wer etwas für die Umwelt tun möchte, sollte anfangen, Mehlwürmer statt Fleisch zu essen, sagen niederländische Forscher. Denn Mehlwurmfarmen produzieren viel nachhaltiges Eiweiß auf kleiner Fläche.

Hunderte Mehlwürmer liegen in einer Kiste in Berlin. 
(Foto: Arno Burgi)

Hunderte Mehlwürmer

Sie sind etwa ein bis zwei Zentimeter groß: Mehlwürmer, die Larven der Mehlkäfer. In den deutschen Zoo-Fachgeschäften lassen sie sich bereits bewundern, dort kann man sie in durchsichtigen Plastikschachteln als Lebendfutter für Terrarientiere kaufen. So manch einen überkommt beim Anblick des Gewusels großer Ekel.

Aber abgesehen davon sind Mehlwürmer hervorragend für die menschliche Ernährung geeignet. Sie sind vollgepackt mit Eiweiß. Außerdem ist ihre Herstellung sehr nachhaltig, haben jetzt zwei Forscher an der Universität im niederländischen Wageningen gezeigt.

Würmer vom Fließband

Untersuchungsobjekt der Forscher war der "van de Ven Insektenzuchtbetrieb" im niederländischen Deurne. Der Betrieb züchtet Mehlwürmer, Heuschrecken, Büffelwürmer und Moriowürmer. Moriowürmer ähneln dem Mehlwurm, sind aber doppelt so groß und werden daher "Riesen-Mehlwürmer" genannt.

Kellnerin mit Insekten auf dem Teller. 
(Foto: ChinaFotoPress/He Wenbing/MAXPPP dpa - Report)

In China gelten Insekten bereits als Delikatesse

Die Forscher haben erstmals den gesamten Zyklus einer Mehlwurm- und Riesen-Mehlwurmproduktion nach ökologischen Gesichtspunkten analysiert, in punkto Landfläche, Energieverbrauch und Treibhausgasausstoß. Und zwar "bis zu dem Moment, wo das frische Produkt die Farmtore verlässt", heißt es in der Studie im Fachmagazin Plos One. Beispielsweise haben sie auch den Energieverbrauch und die Treibhausgasemissionen mit eingerechnet, die bei Herstellung und Transport des Mehlwurmfutters entstehen.

Besser als Hähnchen, Rind und Schwein

Die Forscher haben die ökologischen Daten der Mehlwurmproduktion dann mit der Herstellung von Hühner-, Schweine- und Rindfleisch und von Milch verglichen und alles auf die jeweils erzeugte Menge an essbarem Eiweiß bezogen.

Das Ergebnis: Mehlwürmer sind eine nachhaltigere Eiweißquelle für den Menschen als alle anderen. Mehlwurmfarmen  benötigen für die gleiche Eiweißmenge sehr viel weniger Landfläche als  fleischproduzierende Betriebe. Sie stoßen auch weniger Treibhausgase aus. Im Gegensatz zu Kühen produzieren Mehlwürmer selber  kein Methan, ein Treibhausgas, das für das Klima viel schädlicher ist als Kohlendioxid.

Grüner Leguan
(Foto: Wolfgang Kumm dpa/lbn)

Bisher halten Mehlwürmer in Deutschland nur als Futter für Terrarientiere her.

Insekten sind im Gegensatz zu Säugetieren und Vögeln zudem sehr geschwind in der Fortpflanzung: "Ein Mehlwurmweibchen produziert 160 Eier in ihrem dreimonatigem Leben", schreiben die Forscher. "Der Riesenmehlwurm sogar 1500 Eier in einem Jahr."

Vor allem aber brauchen Mehlwurmfarmen sehr wenig Platz - und Land sei nun mal das Gut, das auf der Erde mit wachsender Weltbevölkerung besonders knapp werde, betonen die Wissenschaftler.

Für die Herstellung von einem Kilogramm essbarem Eiweiß benötigen Mehlwurmfarmen etwa 20 Quadratmeter, Hähnchenfarmen und Milchbetriebe 50 Quadratmeter und die Rinderaufzucht zwischen 150 und 250 Quadratmeter.

Nur im Energieverbrauch schneidet die Insektenproduktion lediglich mittelmäßig ab: Mehlwürmer mögen es gerne warm, daher muss man in der niederländischen Farm recht  viel heizen.

"Unsere Studie zeigt, dass Mehlwürmer als Quelle für essbares Eiweiß und damit als Alternative für Milch und Fleisch in Betracht gezogen werden sollten", schreiben die Forscher.

Mehlwürmer wachsen mit Karotten

In der niederländischen Mehlwurmfarm stehen täglich frische Möhren auf dem Speiseplan: Pro Jahr verfüttert der Zuchtbetrieb 260.000 Kilogramm Möhren. Außerdem laben sich die Würmer an einem Mix aus Hafer, Soja, Roggen, Weizenkleie und Bierhefe. Die genaue Zusammensetzung sei allerdings ein Geschäftsgeheimnis, heißt es.

Die Käferlarven wachsen in beheizten und gut belüfteten Aufzuchtstationen. Sie werden regelmäßig gesiebt und sortiert: Das fertige Mehlwurmprodukt wird verpackt und verkauft, die noch zu kleinen Larven wandern zurück in die Aufzuchtstation.

Solche, die sich bereits verpuppt haben, um zum Käfer zu werden, landen in einer separaten Abteilung für Zuchttiere: Zum Käfer geworden, müssen sie fleißig Eier legen - damit die Mehlwurmproduktion immer schön weiter läuft.

DW.DE

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