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Klimawandel

Energiesparen mit Passivhaustechnologie

In Rosyth bei Edinburgh wollen deutsche Experten schottischen Handwerkern zeigen, wie man mit Hilfe der Passivhaustechnik Heizkosten sparen und den CO2-Ausstoß reduzieren kann.

Passivhaus-Siedlung in Nordrhein-Westfalen, energieeffizientes Bauen (Foto: Energieagentur NRW)

Vom Altbau zum Passivhaus

Großbritannien ist für sein wechselhaftes Wetter mit viel Regen und Wind bekannt. Die meisten Häuser sind aber nicht besonders gut für dieses Klima ausgerüstet. Das wollen einige deutsche Experten ändern. In Rosyth bei Edinburgh eröffnen sie das "Scottish Passive House Centre“. Dort wollen sie schottischen Handwerkern und Bauexperten zeigen, wie man mit Hilfe der Passivhaustechnik Heizkosten sparen und den CO2-Ausstoß reduzieren kann.

Thomas Froehlich (Foto: DW)

Thomas Froehlich will schottische Handwerker in Passivhaustechniken ausbilden

In dem ehemaligen Industriegebäude in der Fairykirk Road wird gehämmert und gebohrt. Das Dach wird neu gedämmt, die Fenster werden erneuert. Im Hafenort Rosyth, eine knappe halbe Stunde von der schottischen Hauptstadt entfernt, entsteht unter deutscher Leitung das "Scottish Passive House Centre". Auf den zukünftigen Ausstellungsflächen und in den Seminarräumen wollen die beiden Direktoren - Maurermeister und Hochbautechniker Thomas Froehlich und Unternehmer Stephen Huber - die für ihre Sparsamkeit berühmten Schotten von den Vorteilen der in Deutschland entwickelten Passivhausbauweise überzeugen.

Deutsche Handwerker im Herzen Schottlands

Altbau in Schottland (Foto: ROSS QUAILE)

Energieschleuder Altbau: 90 Prozent Energieeinsparung ist heute leicht möglich

Froehlich zeigt auf die Handwerker, die das Gebäude nachträglich energieeffizient umrüsten:"Das sind alles Deutsche – naja, die meisten“, sagt Froelich, lachend." Angus ist der einzige Schotte. Rainer und Berti sind Deutsche. Wir haben viele deutsche Unterstützung hier, um das Ganze auf den Stand zu bringen, wo wir eigentlich hin wollen." Und wo sie hinwollen, wissen die beiden Direktoren genau: „Eine Reduktion der Heizkosten um 90 Prozent durch Passivhausprinzip, also Orientierung, Dämmung und Wärmerückgewinnung“, erklärt Froehlich.

Mit seinem Kollegen Huber hofft er, die Passivhausbauweise so schnell wie möglich auf der Insel zu verbreiten. Die deutsche Idee kommt bis jetzt bei Wohnungsbaufirmen, den Herstellern von Baumaterialien und auch bei der schottischen Regierung gut an. In Schottland seien fast alle auf die CO-2 Reduktion aus, meinen die deutschen Geschäftspartner.

Ehrgeizige Klimaziele dank EU-Vorgaben

Stefan Buettner (Foto: DW)

Der Deutsche Stefan Buettner setzt sich im schottischen Parlament und bei Firmen für Passivhaustechnologie ein

Stefan Büttner beobachtet ehrgeizige Klimaziele in der schottischen Regierung. Seit zwei Jahren arbeitet der energie- und umweltbewusste Deutsche im Parlamentsbüro eines Abgeordneten der regierenden "Scottish National Party". Er unterhält gute Kontakte zur Passivhausinitiative und sorgt für die Kommunikation zwischen ihr und der Regierung. In den letzten zwei Jahren sei das Bewusstsein für Energieeffizienz im Norden Großbritanniens gewachsen, nicht zuletzt aufgrund der EU-Vorgaben, sagt Büttner. In Schottland gebe es noch ein riesiges Einsparpotential.

Passivhäuser haben viele Vorteile und sparen viel Geld

Passivhauszentrum in Rosyth, Schottland. (Foto: Passivhauszentrum Rosyth, Schottland)

Passivhauszentrum in Rosyth, Schottland.

Angus MacDonald ist der Schotte im Handwerker-Team. Der Bauingenieur sieht viele Vorteile für seine Landsleute: "Durch die bessere Dämmung spart man viel Heizkosten und durch die kontrollierte Be- und Endlüftung ist die Luft immer frisch und gesünder.“ Am liebsten würde Angus MacDonald nur noch nach den Passivhausprinzipien bauen. Ihn stört auch die Tatsache, dass bis zu einem Viertel der Bevölkerung aufgrund der hohen Energiekosten unter der sogenannten „energiebedingten Armut“ leidet.

„Das sind Leute, die eine staatliche Unterstützung brauchen, weil sie mehr als zehn Prozent ihres Einkommens ausgeben müssen, nur um ihre Häuser zu heizen", empört sich der Bauingenieur. Deren Zahl hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Bis 2016 will die Regierung diese Form der Armut beseitigen. Das schottische Passivhaus-Zentrum könnte einen wesentlichen Beitrag leisten.

Das Geld wird derzeit noch zum Fenster hinausgeblasen

Passivhäuser in Großschönau, Österreich (Foto: Großschönau GmbH)

Fünf Passivhäuser zum Probewohnen in Großschönau in Österreich

Nicht ohne stolz zeigen Fröhlich und Huber die zentrale Ausstellungsfläche für Fenster, die gerade aufgebaut wird. Dreiflache Verglasung sei ein Muss, erklären die Experten. Die sei aber in Großbritannien noch extrem selten. "Wir haben festgestellt, dass es noch 44 Millionen einfach verglaster Fenster hier in den Gebäuden gibt“, sagt Froehlich. Das bedeute ungefähr einen Energieverlust von 3,2 Milliarden Pfund (3,8 Milliarden €) pro Jahr an Heizenergie. Das Geld, sagt er, werde "im wörtlichen Sinne zum Fenster hinausgeblasen“. Auch die Wände und Fassaden seien noch stark verbesserungsbedürftig.

Schulzentrum in Neckargemünd in Passivhausstandard
(Foto: dpa )

Passivhäuser brauchen keine Heizung mehr. Auch Schulen, Kindergärten, Bürohäuser werden zunehmend in der Passivhausbauweise gebaut. Dieses Schulzentrum wurde 2008 in Neckargemünd gebaut.

Schulung, Schulung, Schulung

Ein Problem bei der Umsetzung des Passivhausprinzips in Schottland sei der Mangel an qualifizierten Handwerkern, sagt Stephen Huber, Direktor des "Scottish Passive House Centre": "Es fehlt einfach an den Leuten mit der entsprechenden handwerklichen Ausbildung, denn das ist in den letzten 20 Jahren der Deindustrialisierung nach und nach verloren gegangen, sei es Elektriker, Schreiner, Installateure. Gleichermaßen betrifft es aber auch die Ingenieure, auf höherem Niveau“, sagt Huber.

Ein Hochhaus in Freiburg wird zum Passivhaus umgebaut

Auch dieses über 40 Jahre alte Hochhaus in Freiburg wird zum Passivhaus umgebaut

Mit Kursen im neuen Zentrum wollen die deutschen Experten hier Abhilfe schaffen. Seminare, die sie bereits in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Fachorganisationen durchführen, sind weitgehend ausgebucht. Ihre Leistung wird jetzt schon an höchster Stelle anerkannt, bis hin zum schottischen Energieminister Jim Mather. Er betont das Interesse seiner Landsleute, ihre Gebäude nachträglich zu verbessern und Altbauten zu sanieren. Das Baugewerbe, sagt er, sehe in der Altbausanierung und im Neubau energieeffizienter Häuser Möglichkeiten, um besser durch die Wirtschaftskrise zu kommen. "Die deutsche Passivhausbewegung“, sagt der Minister, " findet hier durchaus bereits ihre Nachahmer."

Autor: Irene Quaile
Redaktion Gero Rueter

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