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Banken

Ende der One-Man-Show bei Deutscher Bank

Anshu Jain und Jürgen Fitchen wollen die Deutsche Bank verändern. Auf die beiden wartet viel Arbeit. Der Gewinn ist 2012 eingebrochen, und die Schatten der Ära Ackermann sind lang.

Vor einem Jahr saßen Anshu Jain und Jürgen Fitschen noch wie Schulbuben auf dem Podium der Deutschen Bank. Bankchef Josef Ackermann zelebrierte seine letzte Bilanzpressekonferenz - und erteilte seinen Nachfolgern nur selten das Wort. Heute haben die Jain und Fitschen selbst das Sagen und zeigen deutlich, dass sie vieles anders machen wollen als ihr Vorgänger.

Neu sind nicht nur die Zielvorgaben für die Mitarbeiter und der Umgang mit ungeliebten Geschäftsbereichen, sondern auch der Auftritt. Erstmals in der Geschichte von Deutschlands größter Bank wird auf der Bilanzpressekonferenz überwiegend englisch gesprochen.

Milliardenverlust für Deutsche Bank

Knopf im Ohr

Der gebürtige Inder Jain lernt zwar angeblich fleißig Deutsch, will von seinen Sprachfertigkeiten öffentlich aber noch keine Kostprobe geben. Wie Jain sitzen auch die Vorstände Henry Ritchotte und Stuart Lewis mit einem Knopf im Ohr auf der Bühne und lassen sich die deutschen Fragen ins Englische übersetzen.

Die neue Deutsche Bank ist internationaler, vielfältiger und keine One-Man-Show mehr. Im Gegensatz zu Ackermann, der seine Vorstandskollegen bei öffentlichen Auftritten kaum zu Wort kommen ließ, sprechen dieses mal alle Vorstände auf dem Podium zu Themen aus ihren Geschäftsbereichen. Jain delegiert die Fragen und tuschelt oft gestenreich mit Co-Chef Fitschen - zur Freude der anwesenden Fotografen, die jedes Mal wie wild auf den Auslöser drücken.

"Wir haben Hunger!"

Jain selbst spricht unter anderem über die Zukunft des Investmentbankings und die Kapitalausstattung, den Kulturwandel überlässt er Fitschen. Die Bank hatte im September und unter großem medialen Getöse angekündigt, "eine Führungsrolle für den kulturellen Wand in der Branche" zu spielen, und Gehaltsexzessen und riskanten Zockereien den Kampf angesagt. Kritiker halten das jedoch für Lippenbekenntnisse.

Dass die Bank an Derivate-Spekulationen mit Nahrungsmitteln festhalten will, hat viele in ihrer Einschätzung bestätigt. "Wie passt das zum Kulturwandel?" fragt eine Journalistin. Vor dem Hermann-Josef-Abs-Saal in der Frankfurter Innenstadt demonstrieren zwei Dutzend Kapitalismuskritiker von Attac und Occupy. "Hunger, Hunger, Hunger, wir haben Hunger", singen die Demonstranten, die inzwischen fest zu jedem Deutsche-Bank-Event gehören. "Die Bank macht mit Hunger ein Geschäft."

"Wandel zwingend erforderlich"

Fitschen verteidigt das Geschäft der Bank - und versucht, die Zweifel am Kulturwandel mit besonders drastischen Worten vom Tisch zu wischen. "Wer bei uns arbeitet und diese Werte nicht respektiert, der sollte besser gehen, das haben wir jedem gesagt", sagt Fitschen und verweist stolz auf gekürzte Boni und verbesserte Kontrollen. "Ein kultureller Wandel ist zwingend erforderlich."

In vielen Passagen schwingt Kritik an Ex-Chef Ackermann deutlich mit. Offene Kritik an dem Schweizer, den Jain und Fitschen vor acht Monaten abgelöst haben, verkneifen sich beide aber selbst dann, als sie von einem Journalisten explizit auf die Altlasten aus der Ära Ackermann angesprochen werden. Den Namen Ackermann nimmt das neue Führungsduo in zweieinhalb Stunden nicht einmal in den Mund.

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