Europa – das sind nicht nur die glänzenden Metropolen, in denen sich die Touristen drängen. Europa – das ist auch das Leben in den Dörfern. Trotz Landflucht: Etwa jeder vierte Europäer lebt in kleinen Gemeinden. Hier hat das Leben seinen eigenen Rhythmus. Europa Aktuell stellt in den kommenden Wochen einige ganz besondere Dörfer vor.
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Serie: Dorfszenen - Geschichten aus der europäischen Provinz
Folge 1: Türkei - Kusköy, das pfeifende Dorf
Laut, schrill und spitz - ein Pfiff ist nicht zu überhören. Trotzdem sind Pfeifsprachen vom Aussterben bedroht. Doch in Kusköy am Schwarzen Meer setzen die Bewohner weiter auf pfiffige Botschaften.
Ein "i" klingt höher als ein "a", für Konsonanten wird der Pfiff kürzer oder länger nach oben oder unten gezogen. Eskimo pfeifen sich eins, Indianer schlagen mit Pfiffen Schneisen durch den Regenwald und in Europa überwinden Hirten pfeifend ihre Einsamkeit und zerklüftete Berghänge, um über weite Entfernungen zu plaudern. Doch die weltweit 70 Pfeifsprachen sterben langsam aus. Das türkische Kusköy mag auf die Tradition noch nicht verzichten.
Portugal: Der ganz spezielle Wein
Am trägen Douro-Fluss liegt eines der feinsten Weinhäuser Portugals. Die weltweite Wirtschaftskrise ist hier kein Thema: Allein die Jahresproduktion von 450.000 Flaschen Portwein ist innerhalb weniger Tage verkauft.
Dirk van der Niepoort hat geschafft, was nur mit wenigen portugiesischen Produkten bisher möglich war: weltweit einen Kult zu etablieren. Er setzt auf ganz alte Reben. Dafür musste er die Traubenlieferanten regelrecht beschwören, ihre alten Pflanzen nicht heraus zu reißen, nur um dafür Subventionen aus Brüssel zu kassieren. Inzwischen pilgern Weinkenner aus aller Welt in den nordöstlichen Zipfel Portugals, um Niepoorts Kreationen zu probieren. Und in der Region macht sein Beispiel Schule.
Serbien: Polit-Wunderkind
Drohungen gegen unliebsame Internet-Blogger sind in vielen Ländern verbreitet. In Serbien gibt es nun einen ganz ungewöhnlichen Fall, den des 12-jährigen Rastko Pocesta.
Der junge Serbe mischt sich in die politischen Debatten um NATO- und EU-Beitritt ein, den Völkermord von Srebrenica, die Rechte von Homosexuellen oder um die Rechtmäßigkeit der Unabhängigkeit des Kosovo. Damit hat er sich nicht nur bei serbischen Nationalisten unbeliebt gemacht. Mittlerweile erhält er sogar Morddrohungen. Rastko spricht fließend Englisch und Französisch, trägt gerne Anzug und schwärmt für Barack Obama. An seiner Schule steht er unter Polizeischutz.
Frankreich: Algenpest in der Bretagne
Zehntausende von Tonnen grüner Algen werden im Sommer an die Küste der Bretagne geschwemmt und verfaulen. Die Gase sind vermutlich viel gefährlicher als bislang offiziell bekannt.
Experten zufolge starb ein Arbeiter an den gesundheitsschädlichen Gasen des Algenteppichs. Viele Gemeinden versuchen jetzt mit immensem Aufwand, die Algen von den Stränden zu schaffen. Eine Sisyphusarbeit, die solange ohne durchgreifenden Erfolg bleiben wird, solange die Ursache der Plage nicht beseitigt ist: Die Güllemassen der intensiven Landwirtschaft.
Deutschland/Belgien: Drama auf der Loveparade
Über 20 Jahre lang war es das Megaevent für junge Raver aus aller Herren Länder: die Loveparade in Deutschland, bei der jedes Jahr Hunderttausende tanzend durch die Strassen zogen. Jetzt nach der Tragödie von Duisburg haben die Veranstalter das Ende der Loveparade ausgerufen.
Wie viele hunderttausend Jugendliche nach Duisburg gekommen waren, steht immer noch nicht ganz fest. Es waren mehr als auf das Gelände passten, das die Stadt für die Party bereit gestellt hatte. In einem engen Tunnel kam es zu einer Massenpanik, aus der viele zu entkommen versuchten. Ein fataler Fehler. Mindestens 20 Menschen stürzten sich dabei zu Tode oder wurden überrannt. Hunderte weitere erlitten Verletzungen. Das Sicherheitskonzept der Loveparade steht in der Kritik, aber auch die Veranstalter anderer europäischer Megaevents müssen wohl Lehren daraus ziehen.