DW-TV: Wolfgang Gerke ist jetzt bei uns im Studio. Er ist Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums. Herzlich willkommen, Herr Gerke. Welche von unseren kreativen Ideen halten Sie am ehesten für umsetzbar?
Wolfgang Gerke: Frau Heyde, diese Satire zeigt sehr gut, dass manche Ideen verrückt sind. Wie wäre unser Nationalstolz verletzt, wenn jemand kommt und sagt "Verkauft mal Sylt und Helgoland". Das sind die falschen Wege. Nein, wir müssen Griechenland richtig helfen und da gehen wir leider auch den falschen Weg.
DW-TV: Da gehen wir auch den falschen Weg?! das heißt, das, was wir im Moment vorhaben, das Sparen, das wir von den Griechen verlangen, dass sie die Mehrwertsteuer zum zweiten Mal erhöhen müssen, dass die Löhne und Gehälter nochmal gekürzt werden müssen, ist der falsche Weg?
Wolfgang Gerke: Ja, das ist der falsche Weg. Vieles ist richtig, was gemacht wird, das heißt, den Staat effizienter aufstellen ist richtig, die Steuer auch eintreiben, sie nicht nur in Paragraphen stehen lassen, das ist richtig, das Pensionssystem überarbeiten, da gibt es viele richtige Dinge. Aber man kann ein Land auch kaputt sparen und das hilft Griechenland nicht, wenn der Terror auf der Straße dann hinterher zum Marktversagen dort führt. wir hätten ehrlicher hingehen müssen und sagen müssen, wir wollen die Kreditwirtschaft in Frankreich retten, wir wollen die deutschen staatlichen oder auch verstaatlichten Banken retten und Griechenland helfen wir, indem wir wieder zurück zur Drachme gehen und über den Internationalen Währungsfond dafür sorgen, dass die Schulden Griechenlands abgewertet werden. Das trifft natürlich dann die Kreditwirtschaft.
DW-TV: Mit anderen Worten, wir hätten die Schuld gleich auf die Banken abschieben müssen. Sprich auch das, was gerade an Hilfspaketen geschnürt wird, hätten wir uns ganz woanders holen sollen, wenn ich Sie richtig verstehe?!
Wolfgang Gerke: Das ist der richtige Weg. So ist es in anderen Ländern auch gemacht worden. Hier verstoßen wir gegen die Euro-Verträge. Das, was wir jetzt machen, sit eine eindeutige Subventionierung. Das ist letzten Endes vom Bundesverfassungsgericht, wenn die Richter keine Diplomaten, sondern Richter sind, auch nicht haltbar. Wir tun auch dem Bürger letzten Endes an der Nase herumführen, denn wir kleistern Probleme zu mit ganz anderen Interessen und tun so, als wenn wir Griechenland retten.
DW-TV: Aber wie kann man denn die Banken zur Verantwortung ziehen?
Wolfgang Gerke: Das ist sehr einfach. Ich meine, das schafft natürlich Probleme, weil es auch der Steuerzahler bezahlt, soweit es staatliche Banken sind. Aber, wer Griechenland-Anleihen gezeichnet hat, die nicht mehr hundert wert sind, der muss eben auf 20-3o Prozent verzichten dann. das ist eine Art Insolvenz hier auf staatlicher Ebene.
DW-TV: Glauben Sie denn, dass wir unser Geld irgendwann wieder bekommen?
Wolfgang Gerke: Wir werden einen Teil des Geldes wiedersehen, das ist klar. Davon gehe ich aus. Aber wir werden wahrscheinlich nicht alles Geld wiedersehen und vor allen Dingen werden wir Griechenland nicht geholfen haben.
DW-TV: Und werden wir jetzt eine Lawine losgetreten haben? Das ist die andere Frage, denn es folgen ja Portugal, Spanien, Italien.
Wolfgang Gerke: Nein, damit rechne ich nicht. Aber ich glaube, es wäre besser gewesen, den ehrlichen Weg zu gehen, dann wäre auch diesen Ländern mehr geholfen gewesen. Sie hätten sich sehr schnell umgestellt. Hätten gesehen, dass es keinen Sinn macht, zu warten, dass die Solidargemeinschaft kommt. Aber diese Länder sind besser aufgestellt, haben eine andere Dynamik. Spanien schafft das alleine und ist nicht der Fall Griechenland.
DW-TV: Vielen Dank, Wolfgang Gerke, Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums, dass Sie da waren.
Interview: Anja Heyde