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Die Professorin untersucht die Frage: Wie viel Strom lässt sich produzieren, wenn auf allen geeigneten Dächer einer Stadt eine Photovoltaik-Anlage steht? Bislang ist die Sonnenstrom-Bilanz in Deutschland eher ernüchternd. Gerade mal 0,3 % des elektrischen Stroms stammen aus Photovoltaik-Anlagen. Die Forscherin hat deshalb das gesamte Stadtgebiet von Osnabrück inspiziert, vom Flugzeug aus, mit einer Kamera an Bord. Zentimeter für Zentimeter hat sie die Stadt abgetastet. Jeder Schattenwurf eines Schornsteins wurde erfasst und einberechnet. So entstand eine sehr genaue Karte von allen Dächern der Stadt. Für die anschließende Berechnung hat Martina Klärle nur Dächer berücksichtigt, auf denen sich mindestens 20 qm Solarzellen unterbringen lassen. Das Ergebnis: 70 % des privaten Strombedarfs in Osnabrück könnte man durch Photovoltaikzellen abdecken. Die Investition, so die Forscherin, hätte sich nach 10 Jahren amortisiert. Und dann gibt es den Strom, bis auf die Wartungskosten, gratis und ganz ohne CO2-Ausstoß. Die Stadtväter scheint das überzeugt zu haben. Öffentliche Gebäude sollen noch in diesem Jahr mit Photovoltaik-Anlagen bestückt werden.

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Flughafen Münster-Osnabrück. Der Weg zu einer wirklichen Energiewende hat begonnen. Martina Klärle, Professorin für Geoinformatik auf einem Vermessungsflug. Laserscanner sollen jeden Quadratmeter der Stadt Osnabrück und des Umlandes genau erfassen. Der Grund: Die 40-jährige will die großen Kraftwerke überflüssig machen, dazu sammelt sie Daten über Osnabrücks Dächer und wie stark die Sonne auf diese Dächer scheint: "Meine Vision ist es, dass alle sehr gut geeigneten Dachflächen zur Gewinnung des Solarstroms genutzt werden."

Der Schlüssel dafür ist eine komplizierte mathematische Formel, die im Projekt SUN AREA an der Fachhochschule Osnabrück ausgetüftelt wurde. Sie erlaubt die ermittelten Laserscannerdaten auszuwerten und exakt zu errechnen wie groß das Potenzial eines jeden erfassten Daches zur Gewinnung von Solarenergie ist. Die Wanderung der Sonne wird dabei genauso mit einberechnet, wie der Schattenwurf eines Schornsteines zu verschiedenen Tageszeiten. Und auch die jahreszeitlich unterschiedliche Anzahl der Sonnenstunden fand Eingang in die Rechnung. Ausgewertet wurde zunächst die Stadt Osnabrück. Vermessungsingenieurin Klärle: "Das Projekt SUNA-AREA hat bewiesen, dass 70 % des kompletten Strombedarfs gedeckt werden kann. Und zwar ausschließlich auf den vorhandenen Dächern Osnabrücks. Wenn also alle vorhandenen Dächer die sich sehr gut eignen mit Photovoltaik-Anlagen bestückt werden würden, dann könnte man 70 % des Strombedarfs von Gesamt-Osnabrück decken."

Gerade mal 20 % der Dachflächen wären dann mit einer Photovoltaik-Anlage bedeckt, denn diese wurden als sehr gut geeignete Standorte gekennzeichnet. Investitionsvolumen: 3 Milliarden Euro. Ökologisch und ökonomisch ist eine solche Ausgabe absolut sinnvoll erklärt uns Martina Klärle: "Ob sich eine Photovoltaikanlage rechnet oder nicht muss ich immer zwei Antworten geben: Aus ökologischer Sicht rechnet sich eine solche Photovoltaikanlage nach einem Jahr schon. Aus ökonomischer Sicht rechnet sich für den Betreiber eine solche Photovoltaikanlage nach etwa zehn Jahren."

Danach gibt es für die Stadt den Strom umsonst, abgesehen von den Wartungskosten für die Anlagen. Martina Klärle arbeitet jetzt an der Umsetzung ihrer Vision. Den Behörden der Stadt präsentierte sie eine Karte von Osnabrück mit einem exakten Verzeichnis aller sehr gut geeigneten Dächer. Die Daten sollen jetzt an die Öffentlichkeit. Erste Erfolge kann die Geoinformatikerin vorweisen. Auf den Dächern öffentlicher Gebäude ist die Ausstattung schon in vollem Gange, so wie bei einer Osnabrücker Gesamtschule. Die Stadt verdoppelt allein in diesem Jahr ihre installierte Leistung für Solarenergie. Doch das kann nur der Anfang sein.

Denn noch herrscht dieses Bild von den Dächern vor: Noch beträgt der Anteil von Solarstrom an der Stromproduktion in Deutschland unter 1%. Und das, obwohl die Preise für fossile Energieträger wie Kohle ständig steigen. Professorin Klärle: "Wir kommen jetzt auch an eine Stelle, wo wir uns den Strom aus den Kohlekraftwerken nicht mehr leisten können und den Strom aus Kernkraftwerken nicht mehr leisten wollen. Und dann will ich einfach nicht akzeptieren, dass wir so viel Potenzial auf den Dächern haben und die einfach nicht nutzen."

Kaum ein Land ist besser für die Stromproduktion durch Photovoltaik geeignet als Deutschland. Das mag verblüffen, aber dafür gibt es Gründe: Nicht in den engen Ballungszentren leben die meisten Menschen, sondern in ländlichen Gebieten. Das bedeutet: mehr Platz pro Person und auch mehr Dachfläche. Es bietet sich also förmlich an die Kraft der Sonne intensiv zu nutzen sagt Martina Klärle: "Im ländlichen Raum wäre das Verhältnis sogar so gut, dass man eine Ausbeute der Sonnenenergie von 100 % hat. Das heißt: Wir könnten 100 % des Stromenergiebedarfs durch die Photovoltaikanlagen decken."

Mit den Laserscannern und ihrer Formel hat Martina Klärle eindrucksvoll nachgewiesen, dass eine Energiewende möglich ist. Bislang galt die Vision einer Vollversorgung mit regenerativen Energieträgern als schöner Traum. Jetzt aber könnte der Traum bald wahr werden.

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