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Zu Besuch bei einem ehemaligen Devisenhändler der Deutschen Bank. Das Geschäft mit Währungen ist die Königsdisziplin, denn hier müssen Entscheidungen blitzschnell fallen. Der frühere Trader weiß, wie aufreibend der Job ist: Ein Händler muss viele Dinge gleichzeitig tun können, er muss reaktionsschnell sein und diszipliniert. Nur der Erfolg beflügelt, doch der ist nicht berechenbar. Psychologen sprechen von einer Kontrollillusion. Denn Handeln bleibt ein Spekulationsgeschäft. Risiken abmindern könnte nur ein besserer Umgang mit Fehlern in den Banken. Da aber ist noch viel zu tun.

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Die Türme der Welt des Geldes in Frankfurt am Main. Hohe Gipfel aber haben tiefe Schluchten. Und freundlich ist es nicht, das raue Klima der Finanzbergwelt. Es ist ein Pokerspiel um Anteile, Devisen und Wertpapiere. Und seine Zocker, sie sitzen hier in den Handelsräumen der Banken. Hunderte, Tausende Händler kämpfen allein in Frankfurt darum, anderen Geld wegzunehmen und sich selbst möglichst wenig Geld abknöpfen zu lassen. Viel Gewinn, wenig Verlust. Ein globaler Verteilungskampf. In den Banken fallen Entscheidungen über Millionen in Sekundenschnelle. Joachim Goldberg ist ehemaliger Devisenhändler: "Man erlebt als Händler letzten Endes Dinge im Zeitraffer. Händlerleben ist letzten Endes Leben im Zeitraffer. Das was normale Menschen – möchte ich mal sagen – in einem Monat erleben, kann ein Händler an einem Tag erleben an Gefühlswallungen."

Joachim Goldberg war selbst Händler bei der deutschen Bank, 21 Jahre lang. Er weiß, wie sie ticken. Sie müssen extrem belastbar sein und viele Dinge gleichzeitig erfassen. Denn die Finanzwelt wird überflutet von Informationen. Nicht selten müssen Banker intuitiv entscheiden. Das geht oft genug gut. Doch wenn es zu oft gut geht, wird es gefährlich: "Man hat das Gefühl, ‘ich habe die Welt im Griff‘. Wenn Sie sieben, acht Mal hintereinander richtig gelegen sind, da haben Sie schon sehr leicht die Tendenz, sich wie der liebe Gott zu fühlen. Und da fängt die ganze Crux an."

Es ist wie im Kasino. Wie ein Spieler glaubt der Händler das Spiel im Griff zu haben. Eine böse Falle. Denn seine Entscheidungen sind immer eine Spekulation, eine Zukunftsprognose. Vor solchen Fallen will Monika Müller Händler bewahren. In kleinem Kreis trainiert die Finanzpsychologin Händler, nicht zu emotional zu werden. Denn das kann schnell außer Kontrolle geraten: "Wenn jemand mehrere Verluste in Folge macht, dass dann plötzlich unser Gehirn einen Schalter umlegt und auf Risikofreude stellt. Das klingt ein bisschen komisch, ist aber so. Und wir können das auch nachvollziehen an einigen Studien, die sagen, dass Händler, die am Vormittag mit Verlust aus dem Markt gehen, tendenziell am Nachmittag risikofreudiger handeln, unabhängig was der Markt sagt."

Das Auf und Ab der Kurse ist eben nicht so leicht zu verkraften. Ging es wider Erwarten nach unten, will der Händler so schnell wie möglich ausgleichen. Verluste sind immer auch ein Gesichtsverlust. Noch mehr Stress für die Händler. Es drohen Fehler und die Banken tun wenig, um solch falsches Verhalten zu vermeiden. Finanzpsychologin Monika Müller: "Es gibt auf jeden Fall hier Nachholbedarf und ein Manko an Fehlerkommunikation. Das ist für mich eine gute Risikokommunikation. Zur Risikokommunikation, zum Risikomanagement gehört über Fehler zu reden und darüber, wann Verluste entstanden sind. Und Verluste können aus Fehlern entstehen, aber Verluste sind manchmal auch ein ganz, ganz normales Produkt eines Tradingtages."

Emotionsloses Handeln also ist gefragt. Händler aber sind Menschen. Ganz ohne Emotionen kommt nur einer aus, der Computer. Der ehemalige Devisenhändler Joachim Goldberg kennt das: "Die Tendenz ist natürlich dahin gehend, dass der Computer immer stärker den Händler ersetzen wird. Diese Tendenz sehen wir jetzt schon. Aber eines sehe ich eben nicht, dass der Händler komplett ersetzt werden kann. Ich sehe nicht, dass die Computer gegeneinander antreten. Dann haben im Prinzip die Computer diese Psyche nicht, die ja für einen Markt erforderlich ist. Und wenn alle Computer gleich gut sind und gegen einander antreten, gibt es keinen Markt mehr." Nur mit Menschen ist also genug Bewegung im Spiel. Und Menschen machen lieber Fehler als kein Geschäft.

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