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Der Schlüssel zur Entwicklung der menschlichen Kultur könnte in der Frage liegen, wie Menschen und Affen lernen. Die Wissenschaftler haben gezeigt, dass es da einen fundamentalen Unterschied gibt: Affen lernen, indem sie ihre Artgenossen imitieren. Das reicht für ihr praktisches Leben aus, etwas Vergleichbares wie eine "Kultur" kann sich dabei aber nicht entwickeln. Der Mensch dagegen lernt vom anderen, indem er sich in dessen Situation hineinversetzt: Mitdenken und Miterleben - statt einfach nur Nachmachen. Auf diese Weise entsteht eine Art soziales Gedächtnis, eine kulturelle Tradition, die von Generation zu Generation weitergegeben und ausgebaut wird.

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Niemand ist uns so ähnlich wie sie. Doch können Schimpansen auch das Lernen so lernen wie Menschen? Das erforschen Max-Planck-Wissenschaftler in Leipzig. Sie vermuten, dass ihre Art zu Lernen die Affen im Laufe von sechs Millionen Jahren immer weiter vom Menschen entfernt hat.

Was die Schimpansen zum Beispiel niemals schaffen werden, das kann der kleine Sullivan bereits mit ein-einhalb Jahren. Er kann sprechen, täglich lernt er Neues dazu, besonders von seiner Mutter.

Malen für die Wissenschaft: In einem psychologischen Experiment wird untersucht, ob Sullivan einen heruntergefallenen Stift aufhebt, ohne dass er dazu aufgefordert wird.

Der Junge erkennt von sich aus, dass der Maler Hilfe braucht - steht also auf und gibt dem Mann den Stift zurück. Ein offenbar uraltes Verhalten, das auch Schimpansen zeigen!

Felix Warneken vom Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig erklärt:

"Die Gemeinsamkeit, die wir in unserer Studie gefunden haben, war die dass sowohl Kleinkinder wie auch Schimpansen einer Person Gegenstände gegeben haben, nach denen sie sich ohne Erfolg ausgestreckt hat. Das Besondere an unserer Studie war, dass die Kinder bereits mit anderthalb Jahren geholfen haben - das ist ein Alter, in dem sie noch kaum sprechen können, in dem sie noch mit Windeln durch die Gegend watscheln. Und es ist ein Alter, in dem so etwas wie Moralvorstellung noch nicht stattgefunden hat. Also das ist etwas, was die Kinder von sich aus entwickeln, ohne dass es hier viel Sozialisation braucht."

Eine Fähigkeit, die Menschen im Gegensatz zu anderen Primaten entwickelt haben, ist das Verstehen kommunikativer Gesten, wie zum Beispiel Zeigen. Schimpansen hingegen können den Hinweis, wo die Belohnung versteckt ist, nicht verstehen. Dennoch sind Schimpansen soziale Wesen wie wir. Sie helfen anderen, beschränken sich dabei aber nur auf ihre unmittelbare Umgebung. Aus ihren Erfahrungen, so die Forscher, entwickeln sie keine Kultur. Lernen heißt für sie immer wieder von vorne anzufangen, also: das Rad neu zu erfinden.

Menschen hingegen beobachten genau, lernen von anderen und verinnerlichen das Gelernte wie die kleine Pia.

Claudio Tennie, Evolutionsanthropologe am Max-Planck-Institut: "Der ganz große Unterschied in der Lernfähigkeit zwischen Menschenkindern - Menschen im Allgemeinen - und den Affen auf der anderen Seite scheint zu sein, dass wir Menschen eher auf soziale Komponenten Wert legen. Das heißt: wenn wir jemanden beobachten, der etwas macht, dann achten wir genau darauf, wie der das macht und warum der das macht und denken uns richtig in diese Person hinein."

Pia imitiert genau das, was ihr im Experiment vorgemacht wurde.

Ob Orang Utans das auch können? Der Test im Affenhaus:

Ein Orang Utan im Hintergrund soll beobachten, wie sein Artgenosse versucht, an die Traube in der Röhre zu gelangen. Dafür wurde die Äffin darauf trainiert, das Rohr nach unten zu drehen. Doch diesmal ohne Erfolg, denn die Forscher haben die Apparatur blockiert.

Der Orang Utan im Hintergrund soll sich die Technik aber abschauen. Hat die zweite Äffin vom Zuschauen gelernt? In Teil zwei des Versuchs ist das Plexiglasrohr wieder frei beweglich.

Jetzt darf sie ran. Wenn sie ihre Vorgängerin nachahmt, wird sie sofort versuchen, das Rohr nach unten zu drehen.

Doch ihr erster Griff geht an die Seite der Apparatur. Sie handelt also auf eigene Faust. Erst jetzt macht sie die richtige Bewegung. Absicht erkannt: doch Lerneffekt gleich null - statt dessen "learning by doing".

Claudio Tennie beschreibt das Verhalten: "Bei den Affen ist es so, dass die in der Natur Traditionen haben. Das heißt, durch eine oder andere Lernformen - ob sie nun sozial sind oder individuell mag dahin gestellt bleiben - schaffen es diese Affen, sich Traditionen aufzubauen, wie zum Beispiel Nüsse knacken: in einer Population knacken sie Nüsse, in der anderen nicht. Bei Menschen ist es jetzt so, dass, wenn irgend jemand auf eine gute Idee kommt, wie man Nüsse knackt, dann fangen die anderen an, das zu kopieren. Bis jemand eine noch bessere Idee hat und dann machen alle genau dies. Das bedeutet, dass sich die Natur immer wieder verändert und dass wir uns immer wieder auf die Schultern von unseren Vorgängern stellen können."

Das tun Affen nicht. Vielleicht, weil sie auch so bestens in ihrem Lebensraum klar kommen. Der Mensch hat einen anderen Weg eingeschlagen: er hat Kulturen und Sprachen entwickelt - vielleicht einzig, weil er gelernt hat, anders zu lernen als Affen.

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