DW-TV: Herr Jörß, Zeolithe - das scheint ja wirklich eine tolle Geschichte zu sein. Könnten die uns vielleicht dazu verhelfen, eines Tages sogar in Privathaushalten energieautark und somit selbständig zu werden?
Wolfram Jörß: Energieautark ist natürlich ein bisschen hoch gegriffen, aber ich denke Zeolithe - sowie auch andere Formen der Wärmespeicher - haben eine große Zukunft. Forschung an Wärmespeichern ist in den letzten zwanzig Jahren nicht so großgeschrieben worden und ist jetzt wieder stark im Kommen - auch durch die zunehmende Bedeutung erneuerbarer Energien. Da ist noch viel technischer Spielraum möglich. Und ich denke, da ist etwas zu machen.
DW-TV: Wir wissen, dass Energie nicht beliebig verfügbar ist. Wir müssen sparen - und da spielen die Speicher eine wichtige Rolle. Sie sagen, da gibt es noch andere Ideen, was gibt es denn da noch auf dem Markt?
Wolfram Jörß: Andere Möglichkeiten von Wärmespeichern wären zum Beispiel sogenannte Phasenwechselmaterialien. Das sind im Prinzip Paraffine, die ihre Konsistenz von fest nach flüssig wechseln.
DW-TV: Paraffine sind so etwas wie Wachse?
Wolfram Jörß: Genau. Durch diesen Prozess wird die Wärme gespeichert. Das kann man dann hinterher wieder abrufen und entsprechend auch Wärme speichern. Das ist ein ähnlicher Forschungsstand wie bei Zeolithe. Auch davon erwarte ich etwas. Eine andere Ebene ist die normale Warmwasserspeicherung, wie wir sie alle von unserem Boiler Zuhause kennen. Das wird auch in anderen Dimensionen gemacht, um ganze Wohnsiedlungen davon mit Solarenergie vom Sommer auch im Winter zu versorgen. In den ganzen Bereichen der Wärmespeicherung ist noch viel Zukunftsmusik.
DW-TV: Warum ist das überhaupt so wichtig, Wärme zu speichern?
Wolfram Jörß: Energie ist ja eigentlich genügend vorhanden. Das klingt jetzt vielleicht ein bisschen banal, aber die Sonne scheint immer irgendwo auf der Welt und das, was da an Energie von der Sonne kommt, reicht um unseren ganzen Energiehaushalt mehrfach zu decken. Das Problem ist nur, wie man die Energie nutzbar macht. Wir haben ein paar Techniken, das zu tun und leider ist das immer von Tageszeit zu Tageszeit und von Jahreszeit zu Jahreszeit sehr verschieden. Das Bindeglied dafür ist eben der Speicher, der macht die Energie außerdem auch noch mobil.
DW-TV: Wenn man das Thema erweitert von der Wärmespeicherung hin zur Energiespeicherung, dann gibt es natürlich etwas, womit wir alle alltäglich umgehen, nämlich die Batterien. Reichen Batterien prinzipiell nicht aus, um Energie zu speichern?
Wolfram Jörß: Batterien so wie wir sie alle kennen, die wir in einem Handy oder Laptop haben, sind schon einigermaßen auf den Zweck optimiert. Sie werden immer leistungsfähiger, haben eine immer längere Akkuzeit. Aber für den Zweck, des gesamten Energiesystems -sei es jetzt national oder global - sind das eher Peanuts. Wo Musik drin ist energetisch, da sind es die Energien, die wir in unseren Fahrzeugen verbrauchen, die wir durch das Stromnetz schicken oder wie wir sie in großen Mengen in unseren Häusern verheizen.
DW-TV: Und die absolut lauteste Musik ist natürlich momentan in den regenerativen Energien. Können Energiespeicher den regenerativen Energien Wind, Wasser, Sonne zum Durchbruch verhelfen?
Wolfram Jörß: Sie werden sicherlich ein wichtiger Punkt sein, wenn die erneuerbaren Energien noch größeren Einfluss erreichen.
Interview: Ingolf Baur