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Buchcover

Es ist ein Leben extremer Kontraste, auf das Asfa-Wossen Asserate zurückblickt. 1948 geboren als Großneffe des letzten äthiopischen Kaisers Haile Selassie wächst er mit den Privilegien des Adels in einer weit verzweigten Großfamilie auf. Er besucht die deutsche Schule in Äthiopiens Hauptstadt Addis Abeba und studiert anschließend in Tübingen und Cambridge.

Lust am Detail

Von Deutschland aus verfolgt er, wie im September 1974 der Militärchef und spätere Diktator Mengistu Kaiser Haile Selassie entmachtet. Am 23. November des Jahres werden viele Mitglieder seiner Familie, darunter sein Vater und ein großer Teil der äthiopischen Führungsschicht, von Soldaten des Mengistu-Regimes umgebracht. Seine Mutter und die überlebenden Geschwister kommen erst nach vielen Jahren Gefängnis wieder frei.

Asfa-Wossen Asserate

Asfa-Wossen Asserate (Archivbild)

Tragischer Teil eines Lebens, das so glücklich begonnen hatte. Asserate schildert seine behütete Kindheit, die innigen Beziehungen zwischen den Familienmitgliedern, beschreibt den Vater als einen gerechten, bescheidenen und gütigen Mann, eine erhabene Instanz. Mit großer Detaillust führt Asfa-Wossen Asserate die Leser durch das Protokoll bei Hofe, erzählt, wer wen wie anreden durfte, wie die festliche Kleidung aussah, was gegessen und getrunken wurde.

Weltpolitische Verflechtungen

Der Standard des äthiopischen Hofkomforts verwundert Asserates spätere Studienkollegen. Nicht ohne Stolz bemerkt er, dass in den äthiopischen Palästen Wasserleitungen vorhanden waren, während in Altmecklenburg noch Aborte geleert wurden. Sein erstes Pferd bekam Asserate mit 11 Jahren, zum 18. Geburtstag schenkte ihm der Vater einen amerikanischen Sportwagen, einen Thunderbird, mit dem er durch die damals noch leeren Straßen Asmaras, der Hauptstadt von Eritrea braust.

Analysen und Kritik des feudalen Systems in Äthiopien finden sich in Asserates Erinnerungen nur selten und wenn, dann nur in äußerst zurückhaltender Form. Lernen kann man hier trotzdem einiges, zum Beispiel über die weltpolitischen Verflechtungen und Machtverschiebungen, von denen das Land betroffen war: die Besetzung durch das faschistische Italien, die Befreiung mit Hilfe der Engländer, die Unterstützung des Mengistu-Regimes durch die DDR und die massiven Manipulationen durch Sowjetunion und USA. So wird am Beispiel Äthiopien deutlich, wie sehr die Interessen der Großmächte das Schicksal vieler Staaten beeinflussen, wenn nicht gar bestimmen.

Allzu unkritisch

Anderes wird demgegenüber allzu unkritisch dargestellt, wie der Alltag am äthiopischen Hof oder das Studentenleben in einer schlagenden Verbindung in Tübingen. Wenn Asserate beschreibt, dass es in seiner Schule üblich war, Kindern mit dem Lineal auf die Finger zu schlagen und betont, das habe niemandem geschadet, wirkt diese Haltung auf heutige Westeuropäer befremdlich.

Dennoch, es überwiegt die Betroffenheit gegenüber dem schweren Schicksal des Autors. Und es ist das Verdienst Asserates, dass er mit diesem Buch vielen die weitgehend unbekannte Geschichte Äthiopiens näher bringt. Ein großer Gewinn auch deshalb, weil dadurch deutlich wird, wie sehr unser Bild der Welt von den Bildern der Medien bestimmt wird.

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