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Buchcover

Dieses Buch ist relativ gesehen - nämlich dafür, dass es ein Buch und kein Turm ist - genau so hoch wie der Eiffelturm selbst: über einen halben Meter. Für ein Buch sehr ungewöhnlich, wie überhaupt der ganze Titel ein ungewöhnliches Lese- und Sehvergnügen bereitet. Zumindest für Menschen, die sich für den Eiffelturm, Technik oder Architektur interessieren. Die aber dürften hier eine wahre Fundgrube vorfinden.

Heute sind die höchsten Wolkenkratzer der Welt über 500 Meter hoch und der Trend geht zu immer höheren Gebäuden. Von Projekten bis zu 1000 Meter Höhe ist die Rede und fast kann man es nicht glauben, dass dies möglich ist. Der Eiffelturm wurde ein Jahrhundert nach der Französischen Revolution im Jahre 1889 vollendet - zur Weltausstellung, die deren Jubiläum feierte.

Geplanter Abriss

Rot angestrahlter Eiffelturm

Der Eiffelturm in Rot - zu Ehren des chinesischen Neujahrs

Und war damals nicht nur das höchste Bauwerk der Welt, sondern rief ein ebensolches Staunen und ebensolche Faszination bei den Menschen hervor wie heute die Wolkenkratzer von über 500 Meter. Aber selbst heute noch ist der gewaltige Eindruck dieses Bauwerks nicht geringer. Erst Recht für alle diejenigen, die sich trauen, entweder zu Fuß oder mit dem Aufzug die oberste Plattform zu besteigen. Ein luftig-spannendes Unterfangen, das nicht für jeden ganz angstfrei ist.

Nach den ursprünglichen Plänen wäre das heute gar nicht mehr möglich: Nur 20 Jahre lang sollte der Turm stehen bleiben, um dann abgerissen zu werden. Eine weise Entscheidung, am ursprünglichen Beschluss nicht festzuhalten: Mehr als sechs Millionen Besucher jährlich besuchen den Turm heute, der Paris als Wahrzeichen in der ganzen Welt repräsentiert.

Koechlin? Nougier?

Nun aber zum Buch selbst: Herausgegeben vom Architektur-Historiker Bertrand Lemoine erzählt es die Geschichte des einzigartigen Bauwerks, und zwar anhand originaler Dokumente: Der Bauherr des Turms selbst, Gustave Eiffel, war im Juni 1900 Autor und Herausgeber des Titels "La tour de 300 mètres" - Der 300-Meter-Turm. Eine exklusive Ausgabe: Hergestellt wurden nur 500 Titel des Werks, das der Kölner Taschen Verlag nun in einem Nachdruck vorlegt.

Im Gegensatz zum Original, das Eiffel an Freunde, Bibliotheken usw. verschenkte, ist der Nachdruck frei käuflich. Zu einem nicht ganz geringen Preis zwar, aber es geht ja auch um einen hohen Turm. Und seinen Preis wert ist das Buch allemal. Bertrand Lemoine erzählt in der Einleitung zunächst die Geschichte des Turms und seines Erfinders Gustave Eiffel.

Blau angestrahlter Eiffelturm

... und in Blau - aus Anlass des Europa-Tags

Wobei man ganz erstaunt erfährt, dass Eiffel selbst den Turm gar nicht entworfen hat, sondern seine Mitarbeiter Maurice Koechlin und Emile Nougier. Deren Namen man wohl noch nie gehört hat, ganz im Gegensatz zum Namen gebenden Inhaber der verantwortlichen Firma: Gustave Eiffel. Der immerhin in seinem Buch alle 326 Ingenieure, Vorarbeiter und Arbeiter namentlich erwähnt.

Große Zahlen und schöne Bilder

Lemoine schildert den Protest der Künstler, die den Turm als hässlichen Schandfleck empfanden, und direkt nach Baubeginn dagegen protestierten. Der Protest verstummte allerdings nach Fertigstellung des Turms - zu groß war laut Lemoine die Begeisterung in der Bevölkerung.

Zahlen zum Turm gibt’s natürlich auch und auch die beeindrucken: Er besteht aus 18.038 Metallteilen und 2.500.000 Nieten, wiegt 10.100 Tonnen, hat seit 1889 mehr als 200.000.000 Besucher empfangen und wird alle sieben Jahre mit ca. 60 Tonnen Farbe neu gestrichen. Auf 200.000 qm Fläche.

Fotos der verschiedenen Bauphasen zeigen eindrucksvoll die unterschiedlichen Etappen des Baus, durch das große Format des Buches wirkt das ganz besonders schön und anschaulich. Bei den Bildern aus fortgeschritteneren Stadien könnte man fast meinen, es seien Schwarz-Weiß-Aufnahmen von heute. Bis man bei genauerer Betrachtung ganz weit im Hintergrund eine Kutsche entdeckt …

Bilder von Bauarbeitern, die seelenruhig in luftiger Höhe fürs Foto posieren, erinnern an entsprechende Bilder aus New York. Auch in Paris also eine völlig unverständliche Resistenz gegen Höhenangst. Zu Tode gekommen ist laut Überlieferung bei den Arbeiten übrigens niemand.

Lust auf Paris

Schließlich der Hauptteil: die originalen Konstruktionszeichnungen. Auch für Nicht-Architekten interessant zu erkunden, aus wie vielen Einzelschritten der Bau eines solchen Turms besteht, welche Berechnungen alle angestellt werden mussten usw. und so fort. Auch reizvoll sicherlich: Das Augenmerk des Betrachters wird auf bestimmte Einzelaspekte gerichtet, die man sicher nicht wahrnimmt, wenn man live in Paris vorm Original steht. So wird der Blick aufs Original sicher ein anderer sein, wenn man das nächste Mal staunend vorm ehemaligen höchsten Gebäude der Welt steht. Und das schafft dieses Buch auch: Sehnsucht nach Paris.

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