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DW-TV: Herr Peters, glauben Sie daran, dass Fleisch irgendwann aus der Retorte kommt?

Kurt-Johannes Peters: Ob es so kommen wird, wissen wir noch nicht. Aber jeder Beitrag, die Welternährung zu sichern, ist natürlich willkommen.

DW-TV: Glauben Sie denn wirklich, dass künstliches Fleisch Hunger in der Welt bekämpfen kann?

Kurt-Johannes Peters: Hunger ist verbunden - dort, wo Hunger noch auftritt - mit der fehlenden Kaufkraft der Menschen, also fehlenden Einkommensmöglichkeiten. Und wenn diese nicht beseitigt werden, dann wird vermutlich auch ein Kunstfleisch nicht viel an einer Verbesserung der Ernährungsbedingungen in diesen Regionen ändern.

DW-TV: Was ist es dann?

Kurt-Johannes Peters: Wir sagen, dass Hunger grundsätzlich zu überwinden ist, indem Menschen in Lohn und Brot kommen und sich Tätigkeiten verschaffen können, die marktfähig sind. Und gerade da leistet die Tierhaltung in Entwicklungsländern einen hohen Beitrag, weil sie Zugang zur Arbeit und zum Einkommen bringt.

DW-TV: Ich habe vorhin in der Moderation gesagt, dass der Fleischkonsum sich weltweit in den kommenden 10 Jahren verdoppeln wird. Sie sagten im Vorgespräch, in Europa stagniert der Fleischkonsum bzw. nimmt ab. Warum?

Kurt-Johannes Peters: Wir haben ein sehr hohes Konsumniveau, das liegt bei 80-100 kg Fleisch pro Kopf der Bevölkerung. Und das ist an sich nicht mehr gesundheitsfördernd, sondern eher sogar schädlich. Die Skandale im Kontext der Fleischgesundheit haben dazu beigetragen, dass die Verbraucher langsam ein anderes Bewusstsein bekommen und Ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen. Dagegen: In den Schwellenländern - China, Südostasien, Brasilien - erhöht sich die Kaufkraft, und die Menschen wollen jetzt das schmackhafte Fleisch verstärkt essen.

DW-TV: Glauben Sie denn, dass künstliches Fleisch sich auf dem Markt durchsetzen würde? Es soll ja sogar gesünder gemacht werden?

Kurt-Johannes Peters: Grundsätzlich kann man sagen: Fleisch ist gesund, wenn es in Maßen gegessen wird. Und dazu gibt es genügend Informationen. Leider werden die nicht in der Bevölkerung direkt verstreut. Kunstfleisch könnte natürlich so designed werden, dass es genau abgestimmt ist auf die menschlichen Bedürfnisse. Ein Zuviel von Kunstfleisch wäre auch schädlich, aber das eigentliche Problem ist die Akzeptanz beim Verbraucher. Und das wissen wir nicht, wie sich dieses Produkt tatsächlich am Markt behaupten wird

DW-TV: Würden Sie es denn essen, das Kunstfleisch?

Kurt-Johannes Peters: Ich habe Kunstfleisch aus dem Produkt Soja mal genossen und habe eigentlich keinen großen Genuss dabei verspürt.

DW-TV: Ist denn künstliches Fleisch wirklich eine Lösung - also jetzt nicht nur um den Hunger in der Welt zu bekämpfen - sondern auch um gesünder zu werden und auch um die Nutztierhaltung vielleicht ein bisschen zu verbessern? Oder müssen wir an uns selber gehen und sagen: wir essen weniger Fleisch?

Kurt-Johannes Peters: Ich glaube, das Problem ist zusammenhängend zu diskutieren mit der Massentierhaltung: Das heißt also, große Einheiten, die dann nicht mehr unbedingt artgerecht und ethisch verträglich erzeugt werden können, daran baut sich das auf. Das ist in den Industrieländern so und auch in den Schwellenländern, muss ich sagen, während in vielen anderen Regionen im Grunde Viehhaltung gemacht wird wie zu Großvaters Zeiten, nämlich mehr in Harmonie mit einer Kreislaufwirtschaft innerhalb des landwirtschaftlichen Systems und dort erhebliche Beiträge überhaupt zur Broterzeugung auch gehabt haben, das verlieren wir aus dem Auge in unseren Industrieländern und haben natürlich hier große Umweltprobleme, das müssen wir uns ganz klar eingestehen.

Interview: Daniela Levy

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