Ein klassisches Sachbuch ist das wahrlich nicht. Es ist ein Pamphlet. Eine Anklageschrift. Eine Abrechnung. Ein "J'accuse" - gegen die UN. Nicht gegen die UN als Forum der Weltgemeinschaft. Nicht gegen ihre allzu offensichtliche Ratlosigkeit gegenüber den Krisenherden der Erde - von Nahost bis nach Afrika, von Europa bis nach Asien. Nicht gegen ihre Konzeptlosigkeit, auch nicht gegen ihre Reformunfähigkeit. Nein es ist eine bittere, eine zornige, eine enragierte Abrechnung mit dem Alltag der Vereinten Nationen, mit der Organisation selbst.
Völlig korrumpierter Alltag
Geschrieben hat sie Pedro A. Sanjuan, ein ehemaliger amerikanischer Beamter, der verschiedenen amerikanischen Regierungen gedient hat - auch der CIA, man soll es erst gar nicht verschwiegen - und der jahrelang in den Vereinten Nationen am East River in New York tätig war. Es ist also die Bilanz eines ehemaligen Insiders. Und sein Buch heißt, so lakonisch wie bitter: "Die UN-Gang", womit schon klar ist: Sanjuan hält die UN für eine Straßenbande. Und der Untertitel beschreibt, was er anklagt: "Über Korruption, Spionage, Antisemitismus, Inkompetenz und islamischen Extremismus in der Zentrale der Vereinten Nationen".
Denn genauso sieht Sanjuan die UN: Es ist ein Haufen korrupter Funktionäre, die in einem Raumschiff leben, wie Maden im Speck, unkontrolliert, leicht und schnell beleidigt, bei dem die Russen - jedenfalls zur Zeit als die Sowjetunion noch existierte - ganz offensichtlich Spione des KGBs waren, in dem der generelle Umgangston antisemitisch ist und in der Tiefgarage Drogen gegen Bargeld getauscht werden. In den Außenstellen wiederum herrschen wie in der Zentrale völlig korrumpierte Alltagszustände - die von Betrügereien beim Umzug bis hin zu gemieteten und völlig überzahlten Flugzeugen für Hilfstransporte reichen. Mit einem bösen Wort: Die Vereinten Nationen sind ein Sauhaufen.
Ein Buch, das wütend macht
Erschreckend dabei - bei der wilden, bei der ungezügelten Abrechnung, die sicher auch übers Ziel hinausschießt: - wie selbstverständlich Sanjuan von UN-Beamten, Funktonären, ja selbst vom Generalsekretär als Jude gesehen wird, wie ein blasierter britischer UN-Direktor sein Judentum auf seine spanischen Vorfahren herunterspekuliert und dass selbst reputierte Beamte wie der Finne Ahtissari - später immerhin Staatspräsident, heute angesehener Kosovovermittler - im antisemitischen und antiisraelischen Morast herumwühlen. Fazit: Das ist kein Sachbuch, sondern ein Pamphlet, das aber wütend macht und nachdenklich stimmt über die mögliche Rolle der UN in der Weltpolitik.