Der Mode-Almanach "Fashion Now 2" erzählt die Geschichte von 160 verschiedenen Modemarken der Gegenwart. Da stehen Underground-Labels neben Luxusmarken, Sportswearfirmen neben Designerpersönlichkeiten. Herausgeber Terry Jones schreibt in seinem Vorwort: "Weil sich die Mode ständig neu definiert, können wir nur eine Momentaufnahme liefern und ein paar Saisons abdecken – diese individuellen Impressionen machen die Erinnerung an jenen Tag, jenen Monat, jenes Jahr aus, als sicheren Beweis dafür, dass wir die Augen offen gehalten haben, zumindest für einen Sekundenbruchteil."
Der Wandel der Mode
In der Mode ist nichts für die Ewigkeit. Noch im 20. Jahrhundert gab es etwa alle zehn Jahre einen grundlegenden Trendwechsel: Christian Diors "New Look" zum Beispiel begründete mit Wespentaille und schwingendem Rock die Mode der 1950er Jahre. Ein Jahrzehnt später löste Mary Quants Minirock diese weibchenhafte Mode ab und sorgte für mehr Beinfreiheit in den "Swinging Sixties".
Individualisierung statt Globalisierung
So kann man bis in die 1990er Jahre jedem Jahrzehnt eine überschaubare Menge an Trends zuordnen. Im 21. Jahrhundert dagegen funktioniert Mode anders. Der Wandel bleibt. Doch die Zyklen, in denen dieser Wandel sich vollzieht, haben sich verändert. Andreas Hoyer, Modeliebhaber und Besitzer des Ladens "Heimat" in Köln, weiß, wie die Trends kommen und gehen. "Es gibt heute ganz viele Parallelwelten, sozusagen eine Gegenbewegung zur Idee der Globalisierung des letzten Jahrhunderts. Die heißt 'Individualisierung’", erklärt er. "Zum Beispiel der Minirock. Der kommt immer wieder. Nichtsdestotrotz kann man heute parallel auch einen Maxirock tragen."
Der zeitgenössische Mensch ist ein Individualist, der sich nicht mehr jedem Modediktat unterwirft, meint Hoyer. "Da ist diese Idee des Nischendenkens, diese Exklusivität", hat er festgestellt. "Das sagt viel mehr über die Persönlichkeit aus als die Marketing-Mode, die man sich aneignet, um dazu zu gehören oder zu zeigen, dass man anerkannt ist im Sinne der Gesellschaft." Erlaubt ist, was jedem persönlich gefällt und die Persönlichkeit unterstreicht. "Wenn man weiß, wo man steht, muss man nicht mehr unbedingt den Look haben, der in den Zeitungen propagiert wird", ist Hoyer überzeugt.
Mode als Spiegel der Gesellschaft
Modedesigner orientieren sich in ihrer Arbeit bewusst und unbewusst an gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Trends. Wie es um eine Gesellschaft steht, kann man deshalb an der Mode ablesen, die sie hervorbringt, wie Gerd Müller-Tomkins, Geschäftsführer des Deutschen Mode-Instituts, erklärt. "Die Mode spiegelt den Individualisierungsgrad von Gesellschaften und auch die politischen und wirtschaftlichen Strömungen innerhalb von Gesellschaften wider", ist er überzeugt. "Das sind Gradmesser für Menschen, die sich für die Entwicklungen von Gesellschaften interessieren."
Im Januar 2006 auf den Mailänder Herren-Modenschauen waren beispielsweise überall Hüte zu sehen. Müller-Tomkins spricht in diesem Zusammenhang von einem Trend zum sogenannten "Shelter-Design“. "Der Mensch fühlt sich schutzbedürftig bei all den Naturkatastrophen und politischen Katastrophen, die bis in die Wohnstube hinein kommuniziert werden." Da kann schon ein fescher Hut Abhilfe schaffen.