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Dann stellte er, das Instrument noch in der Hand, die neuen Autos vor. Die Japaner waren begeistert, die Konkurrenten rieben sich verblüfft die Augen. Dieter Zetsche, der Mann mit dem markanten Schnauzbart, gibt der zuletzt angeschlagenen Marke Mercedes wieder ein Gesicht. Durch seine erfolgreiche Sanierung bei Chrysler hat er sich für den Chefsessel empfohlen. In Detroit hat er bewiesen, dass er harte Schnitte machen kann, zugleich aber die Mitarbeiter mit ins Boot holt – durch absolute Offenheit und dadurch, dass er Perspektiven aufzeigt. Bei Mercedes muss er nun die gravierenden Qualitätsmängel in den Griff bekommen und die Kosten senken. Eine Maßnahme: Rund

16 000 Stellen sollen abgebaut werden. Zetsche will auch eine enge Verzahnung zwischen den Marken Mercedes und Chrysler durchsetzen, was bisher als undenkbar galt. Die größte Baustelle ist der kleine Smart, der nur Verluste einfährt. Auf Dieter Zetsche wartet also viel Arbeit – und manchmal wird er statt eines Violinbogens wohl eher eine Axt brauchen. Christian Uhlig porträtiert den Tabubrecher.

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Internationale Automobilausstellung in Frankfurt in diesem September. Erster Auftritt von Dieter Zetsche als neuer Mercedes-Chef. Der Auftritt ist perfekt inszeniert. Eine Zirkusshow, bei der Artisten durch die Luft fliegen. Das ist nicht ohne unfreiwillige Ironie: Auch Mercedes hing zuletzt öfters mal in der Luft. Qualitätsmängel haben das Image der Edelmarke angekratzt. Mit neuen Modellen will Zetsche die Probleme vergessen machen.

Zum Beispiel mit der neuen S-Klasse. Das Mercedes-Flaggschiff trumpft auf: Es ist noch größer und leistungsfähiger als sein Vorgänger. Dieter Zetsche: "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir in sehr überschaubarer Zukunft Mercedes aus der Außensicht von unseren Kunden, und das ist das Entscheidende, wieder ganz klar an der Spitze des Automobilbaus sehen."

Vorher muss Zetsche im Konzern ein paar Baustellen aufräumen. Die größte heißt Smart. Die Marke schreibt nur Verluste. Letzte Chance: Der Kleine wird in den Mega-Cities in den USA eingeführt. Made in Germany ist den Smart im Big Apple schon mal Probe gefahren - und da kam er gut an. Die Entscheidung über die Zukunft des Smart steht noch aus.

Als Chrysler-Sanierer in Detroit setzte Zetsche eher auf die großen Autos und traf damit den amerikanischen Geschmack. Seine Management-Philosophie hat er damals schon auf den Punkt gebracht: "Stillstand in dieser Industrie ist Rückschritt, weil der Wettbewerb sich weiterbewegt. Wir haben nach wie vor in einzelnen Teilen aufzuholen. Insofern müssen wir uns schneller entwickeln als die Wettbewerber. Das tun wir zur Zeit, und das haben wir vor so lange zu tun, bis wir an der Spitze stehen."

Für dieses Ziel schwingt Zetsche notfalls auch die Axt: 25.000 Chrysler-Mitarbeiter hat er entlassen. Und trotzdem mögen die Amerikaner ihren Dieter - er hat den Konzern gerettet. Tom La Sorda ist Zetsches Nachfolger bei Chrysler. Er spricht dem Manager mit dem Riesenschnauzbart echtes Charisma zu: "Er ist unser Held, weil er die Sanierung geschafft hat. Wenn er sagen würde, springt aus dem Fenster, würden wir das glatt machen. Ein toller Chef."

Zetsches Geheimnis: Er ist offen, geht auf die Leute zu, spricht mit Arbeitern und Managern und ist absolut schnörkellos im Umgang. Ganz anders als sein Rivale Eckard Cordes (Bildmitte), den er ausgestochen hat im Kampf um den Chefsessel. Der wirkte oft etwas zugeknöpft und steif. Zetsche - immer locker - ließ ihn gern mal auflaufen.

Zetsche will und muss die Hausmarke wieder auf Vordermann bringen: Mercedes - das Herzstück des Konzerns. Dafür sollen mehr als 16 000 Mitarbeiter gehen. Zetsches Vision: Die Autos sollen bei höchster Qualität eben wesentlich kostengünstiger gefertigt werden als bisher. Mercedes und Chrysler sollen dafür künftig eng zusammenarbeiten.

Das ist ein echter Tabubruch. Der Stern wird deshalb aber nicht aufhören sich zu drehen. Zetsche, der anscheinend alles kann, sogar Geige spielen, kann das Kunststück gelingen - gerade weil er sich nicht als Ein-Mann-Show versteht: "Ich glaube, dass tolle Autos genauso entstehen wie große Musik: Durch Disziplin, Teamarbeit und Harmonie", sagt er.

Bei den Besuchern der Tokio Motor Show kam das schon gut an. Bei allem Harmoniestreben: Am Ende entscheiden doch die Verkaufszahlen, ob Dieter Zetsche einen guten Job gemacht hat.

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