Sein Name ist Haas. Wolf Haas. Sein Alter: 43. Sein Status: Kult. 1996 hat der von der Werbebranche desillusionierte Reklametexter seinen ersten Roman herausgebracht, "Auferstehung der Toten". Vom vornehmen Feuilleton weitgehend unbeachtet erschien das Buch. Seither ist viel Wasser die Donau hinuntergeflossen, und Wolf Haas hat sich in dieser Zeit in lichte Auflagenhöhen emporgeschrieben. 600.000 mal haben sich seine Krimis bisher verkauft.
Der typische Haas-Sound
Wolf Haas
Krimi Nummer sechs heißt "Das ewige Leben". Einmal mehr steht der kauzige Detektiv Simon Brenner im Mittelpunkt der Handlung - aber um Handlung gehts bei Wolf Haas am allerwenigsten, bei ihm geht es um die Sprache. Alle Brenner-Krimis sind in einem originellen Kunst-Kauderwelsch geschrieben, in einem skurrilen, süchtig machenden Idiom, das sich eng an die gesprochene Sprache anlehnt. Und alle Brenner-Romane beginnen mit dem selben Satz: "Jetzt ist schon wieder was passiert". Auch der jüngste.
"Jetzt ist schon wieder was passiert. Und ob du es glaubst oder nicht. Zur Abwechslung einmal etwas Gutes. Weil erlebst du auf einer Intensivstation auch nicht jeden Tag, dass dir ein Hoffnungsloser noch einmal wird."
Das ist er, der typische Wolf-Haas-Sound. Zehntausende Österreicher und eine wachsende Zahl von Bundesbürgern sind bereits süchtig danach. Wolf Haas ist ein stiller, ein eher introvertierter junger Mann. Witz und hinterfotzige Melancholie verbinden sich in seinen Büchern zu einer unwiderstehlichen, ausgesprochen österreichischen Mischung.
Hundsgemein und herrlich infam
"Das ewige Leben" - Wolf Haas' sechster Brenner-Roman spielt in Graz. Es handelt sich in gewisser Weise um eine Auftragsarbeit: Wolfgang Lorenz, der Intendant des Europäischen Kulturhauptstadtjahrs 2003, hat dem Schriftsteller Ende der 90er Jahre ein stattliches Stipendium angetragen für den Fall, dass er seinen nächsten Krimi in Graz spielen lasse.
Der Uhrturm in der Kulturhauptstadt Graz
Da ließ sich Wolf Haas nicht lange bitten. Er lieferte einen Krimi ab, der sich nach Kräften lustig macht über die Bewohner der steirischen Hauptstadt und ihre Schrullen: Die Arnold-Schwarzenegger-Begeisterung der Grazer wird ebenso veräppelt wie eine gewisse Anfälligkeit für Haiders fremdenfeindliche Parolen. Auch der Grazer Minderwertigkeitskomplex gegenüber Wien kommt zur Sprache.
Bei eher schlichteren Gemütern in Graz könnte Wolf Haas neuer Roman durchaus für Aufregung sorgen. Denn sie werden alles andere als schmeichelhaft gezeichnet, die Grazer. Aber jetzt pass einmal auf, würde Brenner sagen: Das haben auch schon die Salzburger und die Wiener aushalten müssen, dass sie in den hundsgemeinen Krimis von Haas, Wolf Haas, auf infame Weise durch den Kakao gezogen werden.
Dabei will sich der Schriftsteller durchaus nicht auf die Rolle des Krimiautors festlegen lassen. Tatsache ist: Mit Simon Brenner hat Wolf Haas den verschrobensten und skurrilsten Ermittler seit Polizeimajor Kottan erfunden. "Das ewige Leben" soll nach Auskunft des Autors der defintiv letzte Brenner-Krimi sein. Schade eigentlich.