DW-TV: Im Studio darf ich Ihnen Herrn Professor Andreas Hejj vorstellen, ein Evolutionspsychologe von der Universität München. Herr Hejj wir haben gehört, dass es relativ schwierig ist und auch schwierig sein wird, einen Menschen genetisch dahingehend zu beeinflussen, dass er schöner wird. Aber de facto machen ja viele heutzutage schon genau das für ihre Schönheit, indem sie sich unter das Messer legen und Schönheits-Ops machen. Wird sich unser Bild von einem schönen Menschen verändern, weil sich immer mehr Menschen unter das Messer legen?
Andreas Hejj: Ich glaube kaum. Ich glaube, das dieses Ideal nur dadurch so populär sein kann, weil es hunderttausend Generationen lang bedeutet hatte, dass der, der so ausgesehen hat, besonders gesund war. Und die Chance mit einem solchen Partner hoch war, gesunde Kinder in die Welt zu setzten, eigene gesunde Kinder zu bekommen. Dadurch, dass diese Menschen jetzt sich einer Schönheitsoperation unterziehen, haben sie den vermeintlichen Eindruck, sie könnten immer noch bessere Partner bekommen. Das kann aber negative Auswirkungen haben, weil sie dadurch möglicherweise solange sich nicht festlegen, bis es zu spät ist.
DW-TV: Das heißt, der Mann wird vielleicht auch der Frau auf die Schliche kommen, dass die große Oberweite gar nichts mit möglicher Schwangerschaft zu tun hat?
Andreas Hejj: Männer lassen sich gerne täuschen. Sie ertragen recht viel an Täuschung und Falschheit.
DW-TV: Für die Männer ist dieses Aussehen immer noch sehr wichtig, egal wie sich dieses Bild verändern wird. Wie ist das denn für die Frauen? Entscheiden die auch nach Aussehen?
Andreas Hejj: Auch wenn Frauen angeben, sie würden zunächst mal auf den Charakter des Mannes gucken. Schneller und stärker nehmen sie wahr, wie dynamisch sich diese Männer bewegen können. Und das ist nun mal durch die Pomuskulatur bedingt. Also schätzen die Frauen unbewusst ab, war das ein Mann, der in der frühen Steinzeit schnell genug einem leicht verletzten Tier hätte nachlaufen können, um es zu fangen? Deshalb ist das auch noch etwas, was heute noch Frauenherzen höher schlagen lassen, wenn der Mann einen knackigen Po hat.DW-TV: Aber eigentlich müsste ja für Frauen sehr viel wichtiger sein, dass ein Mann - auf die heutige Zeit übertragen - sozusagen viel Geld hat. So das er die Kinder dann irgendwann auch gut versorgen kann. Denn die Frau kann sich nicht so viele Partner leisten.
Andreas Hejj: Es geht nicht nur um das Geld. Es geht um den sozialen Status. Denn wenn wir davon ausgehen, dass der Mann aufgrund seiner guten Erbanlagen, seiner Durchsetzungsfähigkeit und seiner Dominanz in diese soziale Stellung gekommen ist, dann hat die Frau die beste Aussicht, dass die gleichen Anlagen auch an die gemeinsamen Kinder vererbt werden. Geld kann entnommen werden, die Erbanlagen, die sozial erfolgreich waren, bleiben den Kindern. Damit ist die Frau besser bedient. Also ein Lottomillionär hat nicht so gute Chancen.
DW-TV: Nun sind das letztendlich Mechanismen der Evolution, die schon seit Jahrtausenden oder Jahrmillionen wirken, wie der Herr Grammer gesagt hat. Aber die Uhr ist weiter gelaufen und die Welt hat sich verändert. Wir haben eine kulturelle Evolution durchgemacht über Schiller und Einstein usw. Sind wir immer noch Sklaven dieses Steinzeiterbes?
Andreas Hejj: Wir sind keineswegs Sklaven. Wir können jederzeit bewusst bremsen und "nein" sagen, diese Partnerschaft ist beruflicher Natur und nicht sexueller Art. Da kann ich mich zurücknehmen. Hingegen kann ich nicht bewusst beschließen, mich in jemanden zu verlieben, wenn diese Person nicht jene Merkmale zur Schau trägt, die deutlich gemacht hätten, dass sie in der Steinzeit ein sehr guter Partner für gemeinsame Kinder gewesen wäre.
DW-TV: Haben Sie vielen Dank für das Gespräch Herr Hejj.