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Sie ist die berühmteste deutsche Filmregisseurin des Jahrhunderts, vor allem auch im Ausland: Leni Riefenstahl. Die inzwischen 98-Jährige drehte ihren letzten Film vor sechzig Jahren. Als Fotoreporterin ist sie heute nicht minder bekannt. Noch immer sorgt Leni Riefenstahl für Diskussionen.

Das hat einen einzigen Grund: Sie war - neben Veit Harlan - wichtigste Film-Repräsentantin der Nationalsozialisten. Gleichzeitig hat sie sich - Zeit ihres Lebens - nie zu ihrer Mitverantwortung bekannt, sondern beharrte stets auf dem Standpunkt, nur ´dokumentarisch´ und ´künstlerisch´ gearbeitet zu haben.

Nun hätten die Filmhistoriker schon lange zum eindeutigen Urteil kommen können, die Riefenstahl sei lediglich der verlängerte Arm der braunen Filmpolitik eines Joseph Goebbels gewesen, ihre Filme nichts weiter als pure Propaganda. Doch der ausgeprägte Stilwillen der Regisseurin, mit dem sie internationale Anerkennung erwarb und Preise im In- und Ausland gewann, hat die Bewertung ihrer Arbeit nicht immer leicht gemacht.

Propagandistische Kraft

Anders als etwa Veit Harlan, der in "Jud Süß" eindeutig antisemitische Propaganda betrieb, sind die Spuren der nationalsozialistischen Ideologie in den Filmen der Riefenstahl nicht ganz so einfach aufzuspüren. Den Versuch hat jetzt Rainer Rother unternommen, Filmpublizist und Programmleiter des Kinos im Deutschen Historischen Museum in Berlin.

Rother hat sich in seinem Buch, dessen Titel "Die Verführung des Talents" den komplexen Zusammenhang zwischen Form und Inhalt andeutet, ganz auf die Werkbeschreibung beschränkt. Zwar erfährt der Leser auch etwas über die vielen Rechtfertigungsversuche der Filmemacherin nach dem Zweiten Weltkrieg, doch indem sich der Autor vor allem mit den Filmen beschäftigt, gelingt es ihm, die Regisseurin mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.

Das Handwerkszeug des Kinos, das die Riefenstahl ohne Zweifel meisterhaft beherrschte, wird dezidiert beschrieben und analysiert. Ihre berühmtesten Filme waren "Triumph des Willens" über den Nürnberger Reichsparteitag von 1934 und der zweiteilige "Olympia"-Film über die Spiele von 1936 in Berlin. Rother gelingt es, die propagandistische Kraft dieser Filme zu entlarven, indem er analysiert, wie die Regisseurin mit ihrem Material umgegangen ist.

NS-Regisseurin par excellence

Also: Wie wurden einzelne Bilder montiert? Welche Kameraperspektiven sorgten für Akzente? Wie wurde mit dem Licht umgegangen? Wie mit Massenszenen? Und der Hervorhebung einzelner Personen? Rother bestreitet nicht den effektsicheren Umgang mit dem filmischen Handwerkszeug, entlarvt die Ästhetik der Riefenstahl-Filme aber als allzu "harmonisch" und "gestylt".

Rother beschreibt das nüchtern und sachlich. Doch sein Resümee fällt eindeutig aus: Leni Riefenstahl war die NS-Regisseurin par excellence. Ein Sonderfall in der deutschen Filmgeschichte, weil sie einerseits die absolute künstlerische Kontrolle über ihre Filme hatte, andererseits diese aber hundertprozentig den Zwecken des Regimes unterordnete.

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