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Norbert Horst arbeitet als Verhaltenstrainer für Stressbewältigung und Rhetorik bei der Polizei in Bielefeld. Aber Norbert Horst ist kein Psychologe, sondern Polizeibeamter von der Pieke auf.

"Ich bin Polizist seit 29 Jahren und habe bei der Polizei eigentlich alles gemacht, was man so machen kann. Angefangen ganz jung, bin Streifenwagen gefahren im Rheinland. Habe meine Ausbildung zum Kommissar gemacht, danach beim Landeskriminalamt gearbeitet. Habe dann Wirtschaftskriminalität bearbeitet - und in dieser Zeit auch in zahlreichen Mordkommissionen ermittelt."

"Unglaubliches Engagement"

Eine Studentin wurde in ihrer Wohnung vergewaltigt und ermordet; die Mitbewohnerin hat den Täter in die Flucht geschlagen, das ist der Fall, um den es in "Leichensache" geht. Minutiös und genau verfolgt der Roman nun, wie eine eigens gebildete Sonderkommission den Täter mit Hilfe modernster Ermittlungstechnik im Millionenland Nordrhein Westfalen zu ermitteln versucht. Die Arbeitsweise und die spezielle Arbeitsstimmung in einer solchen Sonderkommission sind dabei das eigentliche Thema der Geschichte.

"Man ist unglaublich involviert! Wenn Sie in einer Mordkommission arbeiten, dann machen Sie das mit einem unglaublichen Engagement. Das machen alle. Das ist fast nicht vorstellbar: (...) Wenn wir dann 16 Stunden mit den Kollegen arbeiten, dann wird in diesen 16 Stunden über nichts anderes geredet als über diesen Fall. Über eine Spur, wie könnte es gewesen sein, was sagt die Mutter von dem und und und. Und dieses unglaubliche Involviertsein, das wollte ich so ein bisschen rüberbringen ..."

Konstruktion von Realität

"Leichensache" ist ein plausibel konstruierter Polizeiroman auf solidem Tatort-Niveau, so weit also nichts Neues. Zwei Aspekte machen dieses Buch allerdings zu etwas ganz besonderem: Zum einen Norbert Horsts sprachliches Talent. Der Autor ist ein Meister der Reduktion; seine Sprache ist nüchtern und verknappt, seine Geschichte aufs notwendige konzentriert - und gerade durch seine karge Erzählweise erschafft er einige schöne, literarische Momente.

Zum anderen ist da die Tatsache, dass dieser Autor als praktizierender Polizist der deutsche Kriminalautor ist, der so gut wie wenig andere weiß, wie Denk- und Handlungsweisen von Polizisten ablaufen. Das macht seinen Roman zu einem hoch spannenden Dokument; mit relativ großer Sicherheit kann man beim Lesen dieses Buches davon ausgehen, authentische Polizeiarbeit zu verfolgen, sich in realitätsnaher Arbeitsatmosphäre zu bewegen. Und die, so zeigt sich, ist der Literatur ähnlicher als man denkt: Sie hat zuallererst mit der Konstruktion von Realität, weniger mit beweisbaren Gewissheiten zu tun.

"Es ist ein abgenutztes Bild, aber es stimmt: Wie fügen sich Mosaiksteinchen aneinander. Wie werden diese Bilder umgeworfen, die ich habe. Ich habe ja immer nur eine Realität, die auf einem gewissen Informationsstand fußt. (...) Da können wir ganz sicher sein: Der wars! Die und die und die Indizien, die sprechen dafür. Und kann kriegen wir eine Zeugenaussage - und alles fällt ineinander. Und dann müssen wir uns wieder eine neue Realität aufbauen ..."

Eines der interessantesten Talente

Natürlich ist Fiktion niemals Realität, und Norbert Horst wird sich schon aus dienstrechtlichen Gründen hüten, zuviel Erfahrung ungefiltert in seine Erfindung einfließen zu lassen. Aber Analogien sind in diesem Fall natürlich nicht wegzudenken. Wer "Leichensache" liest, darf spekulieren, was denn nun echt und was erfunden ist; besonders bei den spöttisch-liebevoll gezeichneten Charakteren, die zum Teil ganz offensichtlich Hommage an lebende Zeitgenossen sind.

Zwischen Realität und Fiktion ist eines jedenfalls ganz sicher: Norbert Horst ist eines der interessantesten Talente der deutschen Krimiszene.

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