Wie sieht eigentlich ein TV-Duell auf brasilianisch aus? Oder wie inszenieren sich chinesische oder arabische Politiker im Fernsehen? DW-WORLD wirft einen Blick um die Welt.
Sie lieferten sich das erste Duell: Richard Nixon und John F. Kennedy
USA: Das Mutterland der TV-Duelle
In den USA flimmerte das erste Duell zwischen Präsidentschaftskandidaten am 26. September 1960 über die Bildschirme. Es traten an: der demokratische Senator John F. Kennedy und US-Vizepräsident Richard M. Nixon. Das erste von vier Treffen fand in einem Fernsehstudio in Chicago statt und konzentrierte sich auf innenpolitische Themen.
Zum ersten Mal wurde dabei die Macht des Fernsehens im Wahlkampf deutlich: Der telegene und sonnengebräunte Kennedy kam bei den Zuschauer viel besser an als sein Gegenspieler. Der war ungeschminkt, blass und schlecht rasiert erschienen und war noch angeschlagen von einer Grippe. Die Wahl im November war eine der spannendsten in der amerikanischen Geschichte. Am Ende machte der Fernsehstar Kennedy das Rennen. Er erhielt 49,7 Prozent der Stimmen, während der Republikaner Nixon mit 49,6 Prozent den Kürzeren zog und noch acht Jahre auf die Präsidentschaft warten musste.
Bushs Beule
Rund 32 Jahre nach dem ersten Duell beging US-Präsident George Bush einen schwerwiegenden Fehler, der ihm möglicherweise wichtige Stimmen kostete. Während der Debatte mit seinem demokratischen Herausforderer Bill Clinton und dem parteilosen Ross Perot zeigte die Kamera den Präsidenten, wie er auf seine Armbanduhr blickte. Viele Zuschauer interpretierten dies als Geste, dass Bush eigentlich am liebsten woanders gewesen wäre.
TV-Duell zwischen Bush, Clinton und Perot
Beim jüngsten Fernsehduell zu den Präsidentschaftswahlen 2004 kam Bushs Sohn George W. in die Bredouille. Auf Fernsehbildern von der Debatte mit dem Rivalen John Kerry in Miami schienen viele einen harten Gegenstand unter dem Jackett des Präsidenten zwischen seinen Schulterblättern zu erkennen. Danach kursierte das Gerücht, Bush hätte einen Radioempfänger unter seiner Kleidung versteckt, über den er mit Antworten von Mitgliedern seines Wahlkampfteams versorgt werden konnte.
Drittes Fernsehduell zwischen Kerry und Bush
Die These verbreitete sich rasch über Weblogs und stützte sich auf die Tatsache, dass der Präsident während des Duells mehrmals plötzlich aufgehört hatte zu sprechen und mit einem eigenartigen Gesichtsausdruck geradeaus starrte. Der Schneider des präsidialen Anzugs nahm die Schuld auf sich und entschuldigte den Faltenwurf mit einem schlechten Schnitt. Ernsthafte Probleme bereitete die mysteriöse Beule Bush allerdings nicht, da er im November 2004 wieder ins Weiße Haus gewählt wurde.
(Kyle James)
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