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Berührende Kollisionen in Los Angeles

Hollywood hat eine Überraschung. Die Independent-Produktion "L.A. Crash" spielte bereits 50 Millionen Dollar ein. Das Thema Rassismus ist aktuell und gekonnt in Szenen gesetzt.

36 Stunden in L.A.

"L.A. Crash" ist das Regiedebüt von Drehbuchautor Paul Haggis, bekannt durch sein Drehbuch zu dem Oscar gekrönten Film "Million Dollar Baby". Jetzt hat Paul Haggis nicht nur das Drehbuch geschrieben (zusammen mit Robert Moresco), sondern erstmals auch Regie geführt. "L.A. Crash" handelt von verschiedenen Menschen, die in Los Angeles leben und deren Wege sich über einen Zeitraum von 36 Stunden kreuzen.

Staatsanwalt Rick Cabot, ein liberaler Weißer, und seine Frau werden von zwei schwarzen Jugendlichen überfallen, dabei wird ihr Auto geklaut. Doch die Ermittlungen gegen ethnische Minderheiten könnten Cabots Karriere behindern. Also sucht er nach Alternativen.

Carjacking: Anthony (Chris 'Ludacris' Bridges) bedroht Cameron Thayer (Terrence Dashon Howard)

Die Geschichte des Staatsanwaltes und seiner Frau ist nur eine Episode von vielen. Aber sie war für Regisseur und Autor Paul Haggis die Initialzündung, das Drehbuch zu "L.A. Crash" zu schreiben: "1991 wurde ich in meinem Auto überfallen und der Wagen wurde gestohlen. Ich musste immer über diese Jugendlichen nachdenken. Es war nicht so sehr Wut, sondern Neugier: Ich wollte wissen, wer diese Typen waren. Ob es sich um uralte Freunde handelte oder ob sie sich gerade erst getroffen hatten. Ob sie sich selbst als Kriminelle betrachteten, wie ihr Weltbild aussah."

Doch erst nach dem 11. September konnte Paul Haggis das Drehbuch schreiben, als die Angst vor dem Unbekannten neue Formen annahm.

"Short Cuts" auf politisch

"L. A. Crash" erzählt von einem Dutzend Menschen, deren Wege sich alle irgendwo kreuzen: Neu ist das nicht. Gleiches haben wir schon in Filmen wie "Short Cuts", "Traffic" oder "Grand Canyon". Neu ist, dass all diese Menschen durch ein Thema verbunden sind - Rassismus. Und "L. A. Crash" könnte auch in Madrid, Rom, Berlin oder dem Ruhrgebiet spielen. Schließlich gibt es überall da, wo viele verschiedene Kulturen zusammenkommen, Vorbehalte und Ablehnung dem Fremden gegenüber.

Und doch nimmt Los Angeles eine Sonderstellung ein. Denn dort befindet sich die größte mexikanische Gemeinde außerhalb Mexikos, leben die meisten Thailänder außerhalb Thailands und die meisten Koreaner außerhalb Koreas. Und im Gegensatz zu anderen Städten gibt es wenig Berührungspunkte im normalen Leben. Denn alle sitzen isoliert in ihren Autos.

Mit Überraschungen überraschen

Doch unabhängig von der Geographie des Geschehens ist die Herangehensweise von Paul Haggis wirklich ungewöhnlich und überzeugend. Denn es geht ihm nie um plakative Vorurteile, sondern um das, was wir denken, wenn wir im täglichen Leben mit anderen Kulturen konfrontiert werden. Zum Beispiel wenn sich Matt Dillon als Officer John Ryan bei der Krankenversicherung dafür einsetzt, dass sein Vater von einem anderen Arzt behandelt wird.

Matt Dillon als Officer John Ryan hält Thandie Newton als Christine Thayer in seinen Armen

In vielen Momenten überrascht der Film den Zuschauer, weil alle Klischees auf den Kopf gestellt werden: Ein armer Ladenbesitzer persischer Herkunft wird zum potentiellen Mörder, ein rassistischer Polizist rettet unter Einsatz seines Lebens eine schwarze Frau, ein Räuber und Autodieb befreit illegale asiatische Einwanderer, ein schwarzer liberaler Detective, der immer ernsthaft seine Ermittlungen durchführt, inhaftiert einen Unschuldigen, um seinen kriminellen Bruder aus den Fängen der Justiz zu eisen.

Für Hauptdarsteller Don Cheadle fordert der Film auch die Zuschauer heraus. "Du willst über Dinge lachen, über die man nicht lachen sollte, aber du willst darüber lachen. Also los, lache darüber! Und dann fragen dich: Warum fand ich das komisch?"

"L.A. Crash" ist der seit langem beste Film, der aus Hollywood kommt. Vielleicht auch deshalb, weil kein großes Studios dahinter stand, sondern viele enthusiastische Beteiligte gute Geschichten mit wenig Geld und fast ohne Spezialeffekte zu einem Gesamtkunstwerk machten.

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