Der Deutsche Bundestag beschloss am 25. Juni 1999, in Berlin ein "Denkmal für die ermordeten Juden Europas" zu errichten.
US-Architekt Peter Eisenmann vor einem Foto des Denkmals
Unter dem Motto "Zukunft braucht Erinnerung" soll das Denkmal ein zentraler Ort der Erinnerung und Mahnung sein. Den Anstoß zu dem Vorhaben gab 1988 ein Kreis um die Publizistin Lea Rosh.
Die Realisierung wurde der selbständigen "Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas" übertragen. Sie hat sich verpflichtet, "die Erinnerung an alle Opfer des Nationalsozialismus und ihre Würdigung in geeigneter Weise sicherzustellen." Dennoch lehnte es der Förderkreis um Rosh ab, das Denkmal gemeinsam mit den Opfer-Verbänden von Sinti und Roma, Homosexuellen oder Behinderten zu planen, so wie es diese vorgeschlagen hatten. Daraufhin entstand eine breite Diskussion, ob ein Denkmal für alle Opfer des nationalsozialistischen Terrors sinnvoll sei oder eines, das der größten Opfergruppe der Juden gedenkt.
Das Denkmal reiht sich ein in eine Vielzahl von Gedenkstätten und Dokumentationszentren weltweit. Die bekanntesten sind die Gedenkstätte "Yad Vashem" in Jerusalem und das Holocaust-Museum in New York, das im Januar sein hundertjähriges Bestehen beging. In diesem Jahr neu eröffnet wird das Holocaust Museum in Budapest, das in einer leerstehenden Synagoge entsteht.
Mit dem Bau des "Denkmals für die ermordeten Juden Europas" in Berlin wurde im April 2003 begonnen. Das Einzigartige an dem Berliner Denkmal im Vergleich zu anderen Mahnmalen im Ausland sei die Größenordnung, so Reinhard Rürup von der Stiftung "Topographie des Terrors". Bei dem Vergleich der Diskussionen um Holocaust-Gedenkstätten im In- und Ausland gibt Rürup zu Bedenken, dass die Situation in Deutschland eine andere sei als im Ausland.
In anderen Ländern stehe das Gedenken an die Opfer im Vordergrund, während es in Deutschland auch darum gehe, über die Täter und ihre Gesellschaft aufzuklären. Rürup ist der Auffassung, dass es eine Hierarchisierung der Opfer nicht geben sollte. Der Mord an den Juden sei weltgeschichtlich einzigartig, aber es gebe viele andere Opfer und "jedes Opfer muss für sich ernst genommen werden".
GLOSSAR:
den Anstoß zu etwas geben – bewirken, dass etwas entsteht / gemacht wird
der Kreis – eine Gruppe von Personen, die ein gemeinsames Interesse oder Merkmal haben
selbständig – in Entscheidungen von anderen Personen oder Institutionen unabhängig
die Stiftung – eine Organisation, die mit dem Geld, das ihr jemand gegeben hat, soziale Aufgaben wahrnimmt
etwas sicherstellen – etwas gewährleisten, garantieren
eine breite Diskussion – eine große Diskussion mit vielen Diskussionsteilnehmern und Argumenten
sich in etwas einreihen – einen Platz in einer Reihe oder einer Menge von etwas einnehmen
etwas begehen – ein bedeutendes Fest (z.B. ein Jubiläum) feiern
das Mahnmal – ein Denkmal, das an etwas Schlimmes erinnert, von dem man möchte, dass es nicht wieder passiert
die Größenordnung – das Ausmaß; die Größe
zu Bedenken geben – jemanden auf etwas hinweisen, das berücksichtigt werden muss
jemanden über etwas aufklären – jemanden über etwas informieren; ihm etwas Kompliziertes erklären
der Auffassung sein, dass – die Meinung haben / denken, dass
die Hierarchisierung – das Aufstellen einer Rangordnung