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3. Oktober 2000 - von Hamburg bis Dresden begehen die Menschen den zehnten Jahrestag der Demokratischen Republik Deutschland. Im Berliner "Palast der Republik" hat die Parteiführung der SEdDRD verdienstvolle Werktätige aus allen Teilen des Landes eingeladen, um diesen Tag zu feiern. Im Jahr zuvor hatte sich der II. Parteitag der SEdDRD zum Marxismus-Leninismus bekannt und den Aufbau des Sozialismus in Westdeutschland beschlossen.

Der Parteitag besiegelte das Ende der deutschen Sozialdemokratie, nachdem fünf Jahre zuvor die SPD der Vereinigung der deutschen Arbeiterbewegung freiwillig zugestimmt hatte. Die Nationale Volksarmee sichert die Landesgrenzen - und die reichen von Oder und Neiße bis hin zum Rhein.

Politisches Märchen

Es ist ein politisches Märchen, das Christian von Ditfurth erzählt - nach dem Motto: So hätte es auch kommen können. 1988 nämlich wird Michael Gorbatschow von Alt-Stalinisten weggeputscht. Danach drängen die Sowjets auf eine weltpolitische Neuordnung. Die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges beschließen auf der Genfer Konferenz im Jahre 1989 die Wiedervereinigung Deutschlands, allerdings unter sowjetischer Kontrolle. Von da an geht alles seinen sozialistischen Gang.

Die DDR-Mark löst die D-Mark ab, ein Fünf-Jahres-Plan ersetzt die marktwirtschaftliche Anarchie in Westdeutschland. In den Supermärkten gewinnen Ostprodukte spielend die Oberhand. BMW und Daimler-Benz werden zum "VEB Autobau Süd" vereinigt und Volkswagens Modelle heißen künftig "Baikal" und "Amur". Entsprechend lang sind die Wartezeiten.

Ein fiktives Sachbuch

1993 allerdings erheben sich die verzweifelten Menschen in den westdeutschen Städten gegen die Diktatur der Kommunisten - doch der April-Aufstand wird von der Staatsgewalt niedergeschlagen. Prominentestes Opfer der Krise ist Erich Honecker - er wird von Egon Krenz gestürzt.

"Die Mauer steht am Rhein - Deutschland nach dem Sieg des Sozialismus" ist eine gelungene Mischung aus Dichtung und Wahrheit - ein fiktives Sachbuch. Manchmal bedrückend, manchmal heiter - immer spannend und außerordentlich detailgenau. Der Historiker und Ex-Kommunist von Ditfurth rechnet schonungslos mit der alten SED-Riege ab, macht sie mit ihren eigenen Argumenten lächerlich.

Vergnügliche Geschichte

Aber auch andere kriegen ihr Fett weg: Jürgen Möllemann etwa, der sich als erster auf die Seite der "Sieger der Geschichte" geschlagen hat. Oder Peter Boenisch, unter Krenz ZK-Sekretär für Information. Gewendet hat sich auch der "Spiegel" - der mit einer Serie zur Geschichte der SED überrascht. Hingegen versuchen im schweizerischen Exil Heiner Geißler, Joschka Fischer, Björn Engholm und andere, die zersplitterten demokratischen Kräfte der Ex-Bundesrepublik zu sammeln - mit mäßigem Erfolg. Am schlimmsten trifft es Otto Graf Lambsdorff - er wird als Kopf einer finanzkapitalistischen Verschwörung verhaftet.

Alles in allem eine durchaus vergnügliche Geschichte - macht sie doch auf die ihr eigene Art und Weise deutlich, dass es viel schlimmer hätte kommen können mit der deutschen Einheit.

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