Hunderte von Fischen können sich wie ein einziger, großer Organismus bewegen. Dabei gibt es unter ihnen keinen Fisch, der die Richtung bestimmt. Wissenschaftler untersuchen, wie die Intelligenz der Masse funktioniert.
Fischschwärme - was ist ihr Geheimnis?
Wie auf Kommando wechseln hunderte oder tausende von Fischen plötzlich gemeinsam die Richtung, in die sie schwimmen. Doch es gibt kein Leittier, dem der Rest folgt: Jedes Tier entscheidet für sich. Trotzdem entstehen kollektive Entscheidungen. Wie das geschieht, untersucht der Wissenschaftler Jens Krause mit Hilfe eines Roboterfisches. "Den Robofish haben wir entwickelt, um die Möglichkeit zu haben, eine totale Kontrolle über einen einzelnen Fisch im Schwarm zu haben", erklärt der Forscher vom Leibniz-Institut in Berlin.
Die Wissenschaftler können bestimmen, wann der Robofish nach rechts oder links abbiegt. Dann beobachten sie, wie der Rest des Schwarms auf die Entscheidung dieses einzelnen Fischs reagiert. Im Test soll der Robofish die anderen Fische zu einem Verhalten anstacheln, das ihnen normalerweise fremd ist: Er soll von der Nahrung wegschwimmen. Zunächst sind nur zwei Fische mit dem Robofish im Aquarium. Das Ergebnis: Die beiden Fische folgen ihm und entfernen sich vom Futter.
Im zweiten Teil des Tests besteht der Schwarm aus zehn Fischen. Wird sich der größere Schwarm genauso leicht manipulieren lassen wie der kleinere? Dieses Mal funktioniert es nicht: Die anderen Fische setzen sich über den Robofish hinweg und schwimmen zum Futter hin. Die Forscher begründen dieses Verhalten damit, dass ein bestimmter Prozentsatz des Schwarms ein Verhalten ausführen muss, damit der Rest folgt.
Jens Krause erklärt, dass es nicht immer ausreicht, wenn ein Individuum etwas vormacht. Er sagt: "In einer Situation, wo ein Führerfisch zum Beispiel eine schlechte Entscheidung fällt, wird der Schwarm sie nicht unbedingt übernehmen. Es sei denn, diese Entscheidung wird von weiteren Fischen mitgetragen."
Glossar
Organismus, der – der Körper; das Lebewesen
wie auf Kommando – so, als hätte jemand einen Befehl gegeben
Leittier, das – das Tier, das über die anderen bestimmt
kollektiv – gemeinsam
Roboter, der – eine Maschine, die vom Menschen gesteuert werden kann
Schwarm, der – eine große Zahl an Tieren an einem Ort
jemanden zu etwas anstacheln – jemanden so beeinflussen, dass er etwas tut
etwas ist jemandem fremd – hier: etwas ist für jemanden nicht natürlich
Aquarium, das – ein Behälter aus Glas, in dem Fische schwimmen
Futter, das – die Nahrung
sich manipulieren lassen – sich (auf negative Art) beeinflussen lassen
sich über jemanden hinwegsetzen – hier: etwas anderes tun als jemand
Prozentsatz, der – ein Teil des Ganzen
etwas ausführen – etwas machen
Individuum, das (Plural: Individuen) – der/die/das Einzelne
etwas vormachen – etwas tun, das die anderen dann auch machen
eine Entscheidung fällen – etwas entscheiden
eine Entscheidung mittragen – hier: die gleiche Entscheidung → fällen
Fragen zum Text
1. Ein Fischschwarm bewegt sich immer in die Richtung, in die …schwimmt.
a) ein gewisser Prozentsatz an Individuen
b) der Robofisch
c) das Leittier
2. Wie reagieren die zwei Fische im Test auf das Verhalten des Robofischs?
a) Jeder Fisch schwimmt in eine andere Richtung.
b) Die Fische lassen sich nicht vom Robofisch manipulieren.
c) Sie schwimmen ihm hinterher.
3. Der große Schwarm folgt dem Robofisch(,) …
a) nicht, weil der die Richtung wechselt.
b) nicht, weil er als einziger vom Futter wegschwimmt.
c) weil er der Leitfisch ist.
4. Kann ein Schwarm auch eine falsche Entscheidung treffen?
a) Nein, das hält Forscher Jens Krause nicht für möglich.
b) Ja. Krause sagt, dass es immer darauf ankommt, was der Führerfisch macht.
c) Ja, erklärt Krause: wenn mehrere Fische eine falsche Entscheidung mittragen.
5. Was bedeutet die Aussage "es sei denn, diese Entscheidung wird von den Fischen mitgetragen"?
a) obwohl diese Entscheidung mitgetragen wird
b) da diese Entscheidung mitgetragen wird
c) außer, wenn diese Entscheidung mitgetragen wird
Arbeitsauftrag
Schauen Sie sich das Video zu den Versuchen "Der Robofish und die Schwarmintelligenz" an (http://www.youtube.com/watch?v=w6TBPDWvbps). Dabei ist es nicht wichtig, dass Sie alles verstehen. Doch einige Wörter und Sätze im Text des Top-Themas stimmen mit denen des Videos überein. Unterstreichen Sie die Stellen im Text, die Sie auch im Video hören.
Autoren: Jakob Kneser/Andreas Neuhaus/Anne Gassen
Redaktion: Raphaela Häuser