DW-TV: Frau Schönherr, das Radioteleskop ALMA ist ein riesiges Projekt hoch in den chilenischen Anden mit vielen dutzenden von Einzelteleskopen. Wird es denn eigentlich nie aufhören, wollen die Astronomen immer mehr und immer größer?
Gabriele Schönherr: Natürlich, es wird nie aufhören. Denn immer größer heißt ja auch, ich kann immer mehr Licht sammeln und eine immer größere Auflösung erreichen. In dem Fall ist größer wirklich besser.
Was ist das Größte, was es bisher gibt?
Das kommt darauf an, in welchem Wellenlängenbereich Sie denken. Der größte Einzelspiegel, ein einziger Spiegel geschliffen, das sind 8,4 Meter momentan.
Beim Radioteleskop ALMA werden 66 Antennen zusammengeschaltet - für den tiefsten Blick ins junge Universum.
Das ist schon eine ganze Menge. Und dann haben gibt es ja die Möglichkeit, dass man einzelne Teleskope zusammenschalten kann. Auf welche Größe ist man da schon gekommen?
Prinzipiell können sie so groß werden wie der Erddurchmesser, wenn sie alle auf der Erde vorhandenen Teleskope zusammenschalten im Radiobereich. Es gab aber auch schon Experimente, wo eben noch Satelliten dazugeschaltet wurden. Das heißt, dann sind sie nicht mal mehr auf die Erde limitiert.
Es gibt kein Ende, es wird immer größer und größer. Bei Alma guckt man ja schon zurück bis fast an den Urknall heran über 13 Milliarden Jahre. Wird man eigentlich noch näher rankommen?
Irgendwann werden sie dann Gravitationswellen brauchen, weil das das Einzige ist, was noch rauskommt. Aber auch da gibt es ja schon Projekte, die zu messen.
Und Detektoren, die da schon gebaut werden.
Genau.
Die Astronomin Gabriele Schönherr ist begeistert von großen Teleskopen.
Sie selbst arbeiten an einem Projekt mit Namen LOFAR. Erzählen Sie uns, was Sie damit eigentlich machen.
LOFAR ist wie ALMA ein Radioteleskop der ganz neuen Generation. Es misst Radiowellen und Sie werden jetzt vielleicht sagen, dieses Ding, das ist doch unspektakulär, das kann ich mir aufs Hausdach bauen. Aber nein, das ist wirklich eine ganz neue Technologie, denn hier digitalisieren sie die Radiowellen direkt. Sie haben hier Masten, die sind vielleicht 1,40 Meter hoch, davon haben sie dann aber auf jedem Feld 200 Stück, 44 Felder über ganz Europa verteilt, mit Abständen von 100 bis 1000 Kilometern und können da ganz lange Wellen wirklich im Meterbereich messen.
Was kann man damit herausfinden, was man heute noch nicht weiß?
Man kann natürlich auch ganz weit zurück schauen, aber man kann auch ganz nah bleiben. Wir können zum Beispiel die Sonnenkorona und die Aktivität der Sonne beobachten.
Haben sie vielen Dank für das Gespräch, Frau Schönherr!
Interview: Ingolf Baur