Für die US-Regierung ist der Mann ein Sicherheitsrisiko. Julian Assange sieht sich selbst als Vorkämpfer gegen Kriegsverbrechen. Der Wikileaks-Gründer und Internetaktivist hat mehr als 90000 Dokumente über den Afghanistan-Krieg ins Netz gestellt – zum Entsetzen vieler Sicherheitspolitiker. Die Aktion sei vergleichbar mit dem Öffnen der Stasi-Archive, sagt Assange vor Reportern. Er will mit den Dokumenten die öffentliche Meinung verändern und auch die von Menschen mit politischem Einfluss. Es ist aber nicht abzusehen, dass die Nato ihre Strategie verändern wird. Dennoch stellt die Veröffentlichung eine Zäsur dar im Zeitalter des Internets.
Das Netz wird zu einer Gefahr für Krieg führende Nationen, weil geheime Informationen wichtig sind für Erfolg oder Misserfolg in einem Konflikt. Wer dieses Geheimnis bricht, beeinflusst den Krieg. Man kann das finden wie man will, man kann es allerdings nicht ignorieren. Denn diese Papiere werden sicherlich den öffentlichen Widerstand in den USA und anderswo anheizen.
Das Konzept des ehemaligen Hackers Assange ist simpel: er ermuntert Leute, seiner Internetseite Geheimdokumente anzuvertrauen. Und er verspricht, dass seine Quellen geschützt bleiben. Im Enthüllungsfall Afghanistan hat er dem Spiegel, der New York Times und dem Guardian Einblick in die Daten gegeben. Mit dieser Aktion hofft Assange auf den endgültigen Durchbruch, finanziell und bei potentiellen Informanten.
Mit zunehmender Prominenz wächst allerdings auch die Kritik. Die Frage nach Transparenz und professionellen Standards seiner Webseite bügelt er ab. Er kann – anders als Zeitungen und Fernsehsender – nicht zur Rechenschaft gezogen werden. Und es bleiben Fragen: Wer kontrolliert den selbsternannten „Chefaufklärer“? Wie verändern Angebote wie die von Wikileaks den Umgang mit sensiblen Daten? Kann man solchen Informationen wirklich trauen? Welchen Schaden richten sie an? Fragen wie diese richten sich nicht nur an Wikileaks – jeder kann im Zweifel das Internet für seine Zwecke nutzen – im Guten wie im Bösen.
Was meinen Sie: Enthüllungen im Internet – das Ende der Geheimnisse
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Die Gäste der Sendung sind:
Tom Goeller - Der Berlin-Korrespondent der "Washington Times" ist gebürtiger Deutscher. Nach einem Studium der Amerikanischen Geschichte beginnt er 1986 seine journalistische Karriere. Er arbeitete u.a. für die deutsche Zeitung "Die Welt" und den deutschen Fernsehsender ARD. Goeller ist Experte für internationale Beziehungen. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei dem Nahen Osten.
Markus Beckedahl - Er bloggt seit 2002 auf netzpolitik.org über Politik in der digitalen Gesellschaft. netzpolitik.org zählt zu den reichweitenstärksten Blogs im deutschsprachigen Raum und wurde mehrfach ausgezeichnet. Er ist Mitgründer der newthinking communications GmbH, einer Agentur für Open Source Strategien und digitale Kultur, mit Sitz in Berlin. Seit 2007 veranstaltet er die re:publica-Konferenzen über Blogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft. Er sitzt als Sachverständiger in der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages zu "Netzpolitik und digitale Gesellschaft" und ist Mitglied des Medienrates der Medienanstalt Berlin-Brandenburg. Nebenbei unterrichtet er als Lehrbeauftragter für digitale Themen an verschiedenen Hochschulen.
Paul-Anton Krüger - Nach seinem Jurastudium und seiner Ausbildung an der Journalistenschule in München geht der Journalist in die Online Redaktion der Süddeutschen Zeitung. Während mehrerer Auslandsaufenthalte in Israel, Australien und den USA arbeitet er als freier Journalist für verschiedene Zeitungen. Heute arbeitet er als Autor und Reporter im Ressort Außenpolitik der Süddeutschen Zeitung. Er koordiniert unter anderem die Zusammenarbeit mit dem News Service der New York Times. Sein Hauptinteresse gilt der Sicherheitspolitik.