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Dr. Isabel Dziobek, Emotionsforscherin an der Freien Universität Berlin.
Quelle: DW-TV

Isabel Dziobek ist Emotionsforscherin an der Freien Universität Berlin. Ihr Spezialgebiet ist eine milde Form des Autismus, das sogenannte Asperger-Syndrom.

DW-TV: Frau Dziobek, was macht eigentlich einen Avatar menschlich und für uns sympathisch?

Isabel Dziobek: Es gibt Studien, die zeigen, dass wir Avatare sympathisch finden. Je menschlicher sie sind, desto sympathischer finden wir sie. Interessanterweise kehrt sich dieser Effekt aber auch um. Wenn die Avatare dem Menschen so ähnlich sehen, dass sie was zombiehaftes bekommen. Dann fühlen wir uns eher abgestoßen.

Wie echt dürfen sie dann erscheinen?

Das ist eine gute Frage. Mittlerweile ist die Technik schon sehr gut ausgereift. Aber noch nicht so, dass es menschlich aussieht.

Woran erkennt unser Gehirn denn ein echtes Gesicht, im Gegensatz zum Gesicht eines Avatars?

Es gibt mehrere Areale im Gehirn, die für die Gesichterverarbeitung zuständig sind. Einige gucken eher oder verarbeiten den emotionalen Ausdruck, andere verarbeiten eher die Identität. Das Gehirn registriert ganz genau, ob es ein Avatar ist, den ich sehe oder ein menschliches Gesicht.

Avatare im Gespräch vor dem Brandenburger Tor in Berlin

Avatare sollen einmal kommunizieren können wie Menschen. Durch die Computertechnik werden sie zwar immer besser, sie unterscheiden sich aber immer noch deutlich von realen Menschen.

Avatare können auch Autisten helfen. Was können sie denn besser als menschliche Therapeuten?

Nicht viel natürlich. Dadurch, dass sie technisch sind und über einen Computer vermittelt werden, sind sie natürlich sehr viel besser kontrollierbar und berechenbar. Außerdem können sie auf einen Avatar oder so ein Programm jeden Tag zurückgreifen. Es ist somit sehr viel billiger als eine gängige Psychotherapie.

In Ihrer Arbeit ist das richtige Zusammensetzen eines Gesichts sehr wichtig. Was kann man da falsch machen, wenn man ein Gesicht zusammensetzt?

Hier geht es ja darum, dass man ein und dieselbe Person mit einem unterschiedlichen Emotionsausdruck richtig zusammenpuzzelt. Und man kann natürlich die traurigen Augen mit dem lustigen Mund zusammensetzen oder umgekehrt. Das wäre falsch. Die Aufgabe ist es, richtig zusammenzusetzen. Gesichter haben natürlich eine ganz entscheidende Rolle im wahren Leben, weil sie eigentlich die Quelle sind, um herauszufinden, was andere Menschen gerade fühlen. Deswegen versuchen wir mit einer Software, die wir gerade entwickeln, dass bei Menschen, die Probleme haben, zu trainieren.

Wer kann davon profitieren, außer Menschen, die Probleme haben? Gibt es auch etwas, was gesunde Menschen davon haben könnten?

Ja natürlich. Jeder Mensch kann ja eigentlich davon profitieren, besser zu lesen, was in jemand anderem gerade vor sich geht. Besonders verschiedene Berufsgruppen, wie z.B. Detektive oder Polizeibeamte profitieren davon, wenn sie sehen, ob jemand gerade lügt oder nicht. Oder zum Beispiel für Vertreter ist es toll, wenn sie an dem Gesicht eines Kunden genau erkennen, ob er jetzt grade dabei ist, was zu kaufen oder nicht.

Können Sie denn mit ihrer ganzen Fachkompetenz besser erkennen, ob mein Lächeln z.B. gerade echt ist oder gekünstelt?

Das wäre schön. Nein, das kann ich leider nicht. Ich mache ab und zu Mal solche Tests, aber schneide immer höchst mittelmäßig ab. Obwohl man das schon erlernen kann. Es werden nämlich andere Muskelgruppen benutzt, wenn sie willkürlich lachen, als wenn sie das einfach nur natürlich tun. Wenn man natürlich lacht, dann bewegen sich auch die Augen, dann gibt es diese schönen Lachfältchen. Die gibt es nicht so, wenn man gekünstelt lächelt.

Naja, das kann man natürlich auch alles trainieren. Welche Rolle spielen Emotionen in unserem Leben, wenn wir zum Beispiel Sachentscheidungen treffen?

Interessanterweise auch eine ganz zentrale Rolle. Also in allen Lebensbereichen, selbst in nüchternen oder Vernunftentscheidungen. Die Arbeiten von Antonio Damasio zum Beispiel sind da ganz bekannt. Sie zeigen, dass Menschen, die keine Emotionen haben, auch keine rationalen Entscheidungen treffen können.

Interview: Daniela Levy

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