Umweltbelastung durch Kohleabbau
Bis dahin verpesten die Kohlekraftwerke weiter die Umwelt. Die Probleme sind seit Jahrzehnten bekannt: Smog, Feinstaub und saurer Regen gehören ebenso dazu wie das besonders gefährliche Quecksilber, das sich in Fischen ablagert, erklärt Umweltschützer Tom Fitzgerald: "Es gibt keinen See in Kentucky, an dem nicht ein Schild steht, auf dem die Bevölkerung gewarnt wird, die Menge an Fisch, die sie essen, zu begrenzen."
Tom Fitzgerald engagiert sich für die Umwelt
Fitzgerald bietet für die Umweltorganisation Kentucky Resources Council kostenlose Rechtsberatung in Sachen Umweltschutz an. In manchen Gegenden im Westen Kentuckys ist zum Beispiel das Trinkwasser belastet. Und im Osten des Bundesstaates sorgen sich Umweltschützer und Naturliebhaber wegen des umstrittenen Mountaintop Minings. Dabei werden keine Stollen mehr in den Berg geschlagen, sondern das Bergmassiv, das auf der Kohle liegt, wird einfach weggesprengt.
Gardener geklärt im Auftrag der Kohleindustrie, das Mountaintop Mining kein Problem für die Natur sei
Doch die Kohleindustrie lässt Kritik nicht gelten. In der Vergangenheit habe es Probleme gegeben, aber man habe daraus gelernt, heißt es. Jetzt sei das Gebiet auf den früheren Minen sogar wertvoller und besser als vorher, erklärt J. Steven Gardener, Berater der Kohleindustrie, ohne eine Spur von Ironie. Der Ingenieur zeigt auf Bilder von friedlich grasenden Elchen inmitten einer üppig grünen Landschaft. Man habe herausgefunden, "dass Bäume auf dem wieder aufgeschütteten Land besser wachsen als vorher". Dass der Bergbau im Westen Kentuckys zu Problemen mit dem Wasser geführt hat, gibt er zu. Aber nach umfangreichen Untersuchungen habe man im Osten Kentuckys keine erhöhte Schwermetallbelastung feststellen können.
Mächtige Lobby
Ben Chandler setzt auf "saubere Kohle"
Ein Politiker der sich in Kentucky für den Umweltschutz einsetzt, hat es nicht leicht in dem Bundesstaat der Kohle. Der Abgeordnete Ben Chandler ist Mitglied der Demokratischen Partei und sitzt seit sechs Jahren im Repräsentantenhaus in Washington. Der 50jährige, der in Kentucky geboren wurde, ist für ein Emissionshandelsgesetz und sieht das Mountaintop Mining kritisch. Doch auch er glaubt, dass Kentucky für viele Jahre nicht von der Kohle loskommt, wenn es überhaupt davon loskommt.
Daher findet Chandler, die "saubere Kohle" sei "eine gute Sache für uns". Und er unterstütze die Kohleindustrie in vielen Bereichen, schließlich bringe sie Arbeitsplätze. Beispielsweise habe sich wegen des niedrigen Strompreises die energieintensive Aluminiumindustrie in Kentucky niedergelassen, auch Autos würden hier gebaut. In Kentucky wird Strom zu 92 Prozent aus Kohle gewonnen. Man könne ja trotzdem alternative Energien fördern, versucht Chandler vermittelnd zu erklären, und so die Umwelt schützen. Doch er räumt ein, die Kohleindustrie "kooperiert in gewissem Maße, aber nur, wenn es unbedingt sein muss."
Keine Alternative
Francis Scott Howard ist da wesentlich deutlicher. Die Kohleindustrie sei wie die Mafia, die auch Kinder und Kindeskinder in Sippenhaft nehme, erklärt der Mann, für den Sicherheit im Bergbau oberste Priorität hat. Er schließt schon mal einen Stollen, weil die Belüftung nicht ordnungsgemäß funktioniert. Freunde hat er sich dabei nicht gemacht. Seine Kollegen sehen ihn als Verräter. Sie fürchten um ihre Arbeitsplätze. Seinen Wagen haben sie ihm zerkratzt, und seine Frau hat Angst, dass noch schlimmeres passiert, dass sie die Bremsen seines Autos manipulieren oder das Haus anzünden.
Nachdem der Berg weggesprengt wurde, bleibt eine zerstörte verseuchte Landschaft zurück
Doch Wegziehen kommt für ihn nicht in Frage, auch wenn die vier Kinder längst erwachsen sein. Scott liebt seine Heimat und die Berge Kentuckys. Hier sitze er am liebsten nach der Schicht auf der Veranda und erhole sich, erzählt der Fünfzigjährige und muss husten. So fit wie früher sei er längst nicht mehr. Er würde sich gerne einen anderen Job suchen, aber er habe nichts anderes gelernt: "Ich bin zu alt, um noch einmal von vorne anzufangen. Ich glaube, ich hoffe einfach, dass ich das so lange überlebe, bis ich in Rente gehen kann."
Autorin: Christina Bergmann
Redaktion: Insa Wrede
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