Der "Heilige Krieg" ist schon lange in Deutschland angekommen. Am gefährlichsten sind aber nicht die ausländischen Islamisten, die nach Deutschland kommen. Es sind die, die hier aufwuchsen und radikal wurden.
Daniel Schneider: ein deutscher Dschihadist
Sie heißen Omar, Atilla oder Bekkay und haben einen Migrationshintergrund. Oder aber sie heißen Fritz, Daniel oder Peter und sind Deutsche, die zum Islam konvertiert sind. Die größte Gefahr stellen nicht mehr ausländische Terroristen dar, die nach Deutschland kommen. Es sind Menschen, die in die deutsche Gesellschaft integriert sind und – scheinbar – ein ganz normales Leben führen. Die Radikalisierung findet vor allem auf zwei Wegen statt: durch radikale Prediger und über das Internet.
Über Prediger kamen zum Beispiel Fritz Gelowicz und Daniel Schneider zum Dschihad. Die beiden jungen Männer gehören zu der kleinen Gruppe radikaler deutscher Konvertiten. Beide haben in persönlichen Lebenskrisen als Jugendliche den Islam entdeckt. Sie lernten radikale Prediger kennen – und waren bald fest davon überzeugt, dass es ihre heilige Pflicht ist, gegen die "Ungläubigen" zu kämpfen. Sie planten einen Anschlag, der aber verhindert wurde. Im Gerichtsprozess gegen sie stellte man fest: Eben weil sie keine guten Kenntnisse über den Islam hatten, war es besonders leicht, sie vom "Heiligen Krieg" zu überzeugen.
Auf Internetseiten, die zum Beispiel "Zeit der Märtyrer" heißen, verherrlichen Videos den Kampf gegen die "Ungläubigen". Diese Videos geben den – meist jungen – Männern ein Gefühl der Stärke. Das finden sie in ihrem Alltag in Deutschland sonst nicht, vermuten Fachleute der deutschen Nachrichtendienste. Schließlich gibt es noch eine weitere Gruppe islamistischer Terroristen: die so genannten "Sessel-Dschihadisten". Das sind Menschen, die sich alleine im Internet radikalisieren, ohne persönlichen Kontakt zu anderen Islamisten zu haben. Im Internet können sie alles finden, was man für einen Anschlag benötigt. Und das, so die deutschen Ermittler, sind die gefährlichsten Radikalen.
Glossar
Dschihadist, der – hier: eine Person, die für eine extremistische Form des Islam kämpft
Heilige Krieg, der – ein Krieg aus religiösen Gründen; hier: der Dschihad
Islamist/in – → Dschihadist (Adjektiv: islamistisch)
aufwachsen – groß werden; seine Kindheit verbringen
radikal – so, dass jemand gewaltbereit ist; extrem (Substantive: die Radikalisierung, der/die Radikale)
einen Migrationshintergrund haben – Einwanderer oder Kind eines Einwanderers sein
zu etwas konvertieren – zu einer Religion wechseln
Terrorist/in, der/die – jemand, der mit Gewalt für etwas kämpft
integriert sein – hier: Teil einer Gesellschaft sein
scheinbar – so, dass es anders aussieht, als es in Wirklichkeit ist
Prediger/in, der/die – eine Person, die vor vielen Menschen über ihre Religion redet, um diese davon zu überzeugen
Konvertit/in, der/die – eine Person, die zu einer anderen Religion wechselt
Anschlag, der – hier: ein Versuch, Menschen zu töten, um Angst zu verbreiten und bestimmte Ziele zu erreichen
Märtyrer/in, der/die – eine Person, die für ihren Glauben stirbt
etwas verherrlichen – etwas so darstellen, als wäre es sehr gut
Ungläubige, der/die – hier: eine Person, die nicht an den Islam glaubt
Nachrichtendienst, der – eine Organisation, die z. B. Informationen zum Schutz des Staates sammelt (z. B. KGB, CIA)
Ermittler/in, der/die – eine Person, die bei der Polizei Verbrechen untersucht
Fragen zum Text
1. Die größte Terrorismus-Gefahr in Deutschland sind …
a) Personen, die nur scheinbar in die Gesellschaft integriert sind.
b) radikale Prediger, die von der Polizei beobachtet werden.
c) Personen, die Dschihad-Videos für das Internet produzieren.
2. Im Internet gibt es Videos, die den Dschihad positiv darstellen. Diese Filme …
a) handeln oft von Personen, die zum Islam konvertiert sind.
b) werden meist von gesellschaftlich integrierten Menschen angeschaut.
c) können vor allem junge Menschen beeinflussen.
3. Warum ließen sich Fritz Gelowicz und Daniel Schneider so leicht beeinflussen?
a) Sie waren nicht in die Gesellschaft integriert.
b) Sie wussten eigentlich nicht viel über den Islam.
c) Sie haben einen Migrationshintergrund.
4. "Eine Lebenskrise haben" bedeutet, dass man …
a) von etwas sehr überzeugt ist.
b) nach einer neuen Religion für sich sucht.
c) zu einem bestimmten Zeitpunkt mit seinem Leben sehr unzufrieden ist.
5. Ein "Sessel-Dschihadist" ist jemand, der …
a) unabhängig von persönlichen Kontakten zu einem Dschihadisten wird.
b) über das Internet gemeinsam mit anderen Dschihadisten Anschläge plant.
c) Internetseiten wie "Zeit der Märtyrer" macht.
Arbeitsauftrag
Zu einigen Substantiven im Glossar gibt es ein Verb. Ein Beispiel ist: "der Konvertit - konvertieren". Suchen Sie zu den folgenden Wörtern das passende Verb. Sie dürfen dabei das Internet oder ein Wörterbuch benutzen. Schreiben Sie dann sechs Sätze. Jedes Substantiv und jedes Verb soll dabei in einem Satz vorkommen.
der Terrorist – der Prediger – der Ermittler
Autor/in: Holger Schmidt/Anne Gassen
Redaktion: Raphaela Häuser