Der 21. Februar ist der internationale "Tag der Muttersprache". Doch davon gibt es immer weniger: Alle zwei Wochen stirbt eine Sprache aus, schätzt die UNESCO. Auch in Deutschland sind derzeit 13 gefährdet.
Präzise Sprache statt Buchstabensuppe - dafür wirbt eine Iniative am Tag der Muttersprache
Bedroht sind in Deutschland zum Beispiel Nordfriesisch und Saterfriesisch, aber auch Sorbisch und Jiddisch.
Weltweit seien von den heute 6000 gesprochenen Sprachen die Hälfte vom Aussterben bedroht, teilte die deutsche UNESCO-Kommission anlässlich des Internationalen Tages der Muttersprache am 21. Februar mit. Mit dem Verschwinden einer Sprache gehe ein kulturelles Erbe von Gedichten, Legenden, Sprichwörtern und Scherzen verloren, hieß es. Die Gründe für das Aussterben von Sprachen seien Kriege und Vertreibungen, Migration und Vermischung der Sprachen.
2500 Sprachen weltweit bedroht
Auf den Andamanen ist in der vergangenen Woche die Sprache Bo ausgestorben
In der 2009 aktualisierten Ausgabe des "Atlas der bedrohten Sprachen" listet die UNESCO rund 2500 Sprachen nach Name, Bedrohungsgrad und Region auf. Der Internationale Tag der Muttersprache ist seit 2000 ein UNESCO-Gedenktag zur "Förderung sprachlicher und kultureller Vielfalt und Mehrsprachigkeit". Er macht vor allem auf die Sprachen aufmerksam, die von nur noch weniger als 10.000 Menschen gesprochen werden.
Eine dieser bedrohten Sprachen ist in der vergangenen Woche mit dem Tod der letzten Sprachkundigen ausgestorben: die Sprache Bo, die auf der indischen Inselkette Andamanen und Nikobaren gesprochen wurde. Die letzte Angehörige des Stammes der Bo ist am Donnerstag im Alter von 85 Jahren gestorben. Boa Sr war die letzte Nachfahrin des rund 65.000 Jahre alten Stammes gewesen.
1000 Gründe für die deutsche Sprache
In Deutschland haben mehrere Initiativen den Tag zum Anlass genommen, um für die deutsche Sprache zu werben. Die Zeitschrift "Deutsche Sprachwelt" aus Erlangen hat eine Aktion mit dem Namen "1000 Gründe für die deutsche Sprache" gestartet. Chefredakteur Thomas Paulwitz teilte dazu mit, es sei höchste Zeit für ein deutliches Bekenntnis zur deutschen Sprache. Ihre Verdrängung habe ein erschreckendes Ausmaß erreicht. Als Beispiele führte er den Niedergang des Deutschen als Wissenschaftssprache an und die englischen Beschriftungen an vielen Läden. "Auf Ausländer macht es den Eindruck, dass uns Deutschen unsere Sprache nichts mehr wert ist", sagte er. Wer sich an der Aktion beteiligen will, kann auf der Internet-Seite der Initiative den Satz "Ich mag die deutsche Sprache, weil ..." ergänzen. Mehr als 250 Antworten sind dort bereits aufgeführt, zum Beispiel: "weil sie sich wunderbar für Liebeserklärungen eignet".
"Aktives Gegensteuern" verlangt DW-Intendant Erik Bettermann
Auch Deutsche Welle-Intendant Erik Bettermann warnte vor der Verdrängung der deutschen Sprache und rief zu einer stärkeren Förderung von Deutsch als Fremdsprache auf. "Ein Land, das mit seiner Sprache und Kultur nicht mehr präsent ist, verliert an Attraktivität", sagte Bettermann in Bonn. Die Dominanz von Englisch als internationale Lingua franca sei das eine. "Das andere ist unsere Verpflichtung, das Kulturgut Deutsche Sprache weltweit zu pflegen und selbstbewusst zu vertreten", sagte Bettermann
"Geistreich" statt "toll"
Die "Aktion Wortpatenschaft" wirbt dafür, dass am Tag der Muttersprache "nichts als überlegtes Deutsch" gesprochen wird. Jeder Deutsch-Sprechende solle an diesem Sonntag besonderen Wert auf seine Sätze legen, heißt es in einem Appell der Organisatoren. Und die Tipps gibt es gleich dazu: "Gepflegt spricht, wer mit Adjektiven knausert und eher "redet" als "eine Rede hält" - wer also Verben Hauptwörtern vorzieht", schreibt Publizist und Aktions-Gründer Tobias Mindner.
Die Sprachfreunde warnen außerdem vor Fremdwörtern, Fachbegriffen und natürlich vor Modeausdrücken wie "toll" und "krass". Als Alternativen bieten sie an: "sinnlich, ansprechend, großartig, fein, hübsch, geschmeidig, ungeheuerlich, geistreich". Auch Anglizismen sind den Wort-Liebhabern ein Dorn im Auge. Warum "Power" sagen, wenn die deutsche Sprache auch "Energie, Kraft, Leistung, Strom und Schub" bereithält. "Das Ziel ist immer, verstanden zu werden. Und das kurzweilig", schreibt Sprachfreund Thomas Mindner.
Autor: Manfred Götzke (dpa, epd)
Redaktion: Hajo Felten
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