Viel Handarbeit
Wegen der niedrigen Löhne werden bei Solon noch viele Tätigkeiten von Hand erledigt: vom Verlöten der Verbindungen zwischen den einzelnen Solarzellen bis zum Abwischen des überflüssigen Silikons auf den fertigen Sonnenkollektoren. "Wir haben automatisiert, wo es die Qualität steigert, wo man nicht manuell fertigen kann und wo es den Produktionsfluss optimiert. Aber bestimmte Arbeitsplätze muss man nicht automatisieren", sagt Köster. Bei einem Lohn von elf bis zwölf Dollar die Stunde sei es wirtschaftlicher, auch manuelle Tätigkeiten in der Produktionslinie mit einzubinden.
Auch Schletter hat sich in Tuscon niedergelassen - dort werden Gestelle für Sonnenkollektoren hergestellt
Ausländische Firmen sind in Tucson gern gesehen. Denn sie zahlen 17 Prozent höhere Löhne als die einheimischen Firmen, erklärt Joe Snell von der Wirtschaftsfördergemeinschaft. Auch Ed Grover ist mit seinem Job bei den Deutschen zufrieden. Der 57jährige entwirft bei der Firma Schletter Trägersysteme für Sonnenkollektoren und ist auch für deren Vermarktung zuständig. "Grundsätzlich hat man einfach mehr Freiheiten, eigene Entscheidungen zu treffen, und trotzdem passt am Ende alles zusammen. Niemand sagt hier: Dafür bin ich nicht zuständig." Amerikanische Firmen, so Grover, hätten weniger Vertrauen in ihre Angestellten und würden sich viel mehr in die tägliche Arbeit einmischen. "Micromanaging" nennt man das hier.
Konjunkturpaket half der Solarbranche
Schletter, ein renommierter deutscher Betrieb mit weltweit über 1000 Mitarbeitern, hat sich im Februar 2007 in Tucson niedergelassen. Produziert wird seit August 2007. Für die inzwischen über 85 Mitarbeiter und die wachsende Auftragslage ist die Fertigungshalle zu klein, sagt Vertriebschef Sven Künzel: "Letztens hatten wir drei Großaufträge und da konnten wir die Sachen im Hof nicht mehr richtig platzieren, wir mussten alles fünf Mal hin und her fahren."
Sven Künzel ist Vertriebschef bei der Schletter-Filiale in Tuscon
Vor allem, nachdem die US-Regierung in Washington das Konjunkturpaket verabschiedet hatte, hätten viele Kunden nicht länger gezögert und Bestellungen aufgegeben. Genauso wie Solon legt auch Schletter Wert darauf, so Künzel, Arbeiter aus der Gegend einzustellen. Denn ebenso wie das angesehene technische Know-how aus Deutschland ist es ein starkes Verkaufsargument, den Menschen in der Region Arbeitsplätze zu bringen. Dabei liegen die Löhne in den USA noch immer weit über den Billiglöhnen in China, dem aufstrebenden Konkurrenten auf dem Solarmarkt. Konkurrenzfähig sei man trotzdem, glaubt Künzel. Und Dumpinglöhne kämen sowieso nicht in Frage: "Jeder, der bei uns arbeitet, sollte sich ein normales Leben leisten können."
Dass China mit seinen niedrigen Löhnen und den hohen staatlichen Subventionen der deutschen und der amerikanischen Solarindustrie Sorgen bereitet, steht außer Frage. Für Tim Teich, stellvertretender Verkaufsleiter von Global Solar, ist klar: "Es ist ein Wettrennen, ich bin mir nicht sicher, wer gewinnt. Aber wenn Sie mich fragen, dann werden wir die Sieger sein."
Biegsam wie Plastikfolie
Sonnenkollektoren sind vielfältig einsetzbar, hier zum Beispiel sorgen sie für Licht auf dem Parkplatz des Arizona-Sonora Wüstenmuseums
Denn Global Solar, an dem Solon zu 19 Prozent Solon beteiligt ist - die restlichen 81 Prozent gehören einer deutschen Investmentfirma, die anonym bleiben will - setzt auf die Dünnschichttechnologie. Mit diesen Solarzellen, die biegsam wie ein Stück Plastikfolie sind, kann Solon seine gläsernen Sonnenkollektoren herstellen. Man kann sie aber auch direkt in Dachschindeln einarbeiten. "Wir arbeiten an einer Lösung, bei der man die Technologie direkt in die Teile einarbeitet, die man zum Hausbau benutzt." Tim Teich ist fest davon überzeugt, dass in zehn Jahren die Solarzellen auf dem Dach zum Standard werden.
Fest steht: Die Solartechnologie bietet noch viele Entwicklungsmöglichkeiten, auch wenn das Grundprinzip das gleiche bleibt. An der Universität von Arizona gibt es deswegen ein eigenes Institut. AzRise erforscht, wie Solarstrom möglichst ökonomisch erzeugt werden kann. Die Forscher sind auf der Suche nach billigeren Materialien, die die Umwelt weniger belasten. Schon bald, ist man bei AzRise überzeugt, wird es Sonnenkollektoren geben, die man nach Gebrauch einfach wegwerfen kann. Vor allem aber wird ein Speicher gesucht, der mit möglichst geringem Verlust den Solarstrom für die dunkle Tageszeit aufhebt. Denn auch im sonnenverwöhnten Arizona geht die Sonne am Abend unter. Ganz wichtig sei es, so die stellvertretende Direktorin von AzRise, Ardeth Barnhart, mit den Vorurteilen gegenüber dem Solarstrom aufzuräumen.: "Die Immobiliengesellschaften fangen gerade erst an, sich mit dem Thema Solarstrom zu beschäftigen. Am Anfang dachten sie, dass es ihre Kosten so sehr in die Höhe treibt, dass sich eine Investition nicht lohnt. Jetzt sehen sie, dass es längerfristig den Wert der Häuser erhöht." Die Wissenschaftlerin glaubt daher an ein weiteres Wachstum der Solarbranche in den nächsten Jahren in Arizona.
Blackouts wird es bei Solarkraftwerken nicht geben
Das veralterte Leitungsnetz in den USA führen häufig zu Stromausfällen
Es gibt noch einen anderen Grund, der Solarstrom für die USA ganz allgemein attraktiver macht: Das völlig veraltete Leitungsnetz. In den letzten Jahren häufen sich die Stromausfälle. Im Jahr 2003 standen Millionen Menschen im Nordosten der USA und Kanadas für viele Stunden im Dunkeln. Die Ursache Blackouts: Überhängende Bäume hatten an den Leitungen Spannungsschwankungen verursacht. Das führte zu Sicherheitsabschaltungen. Andere Leitungen, die die Last übernehmen sollten, brachen ebenfalls zusammen. Eine Kettenreaktion. Strom wird in den USA vor allem überirdisch transportiert, über lange Wege. Nicht nur wild wuchernde Bäume, jeder Eisregen oder Sturm kann zum Problem werden. Mit Solarstrom funktioniert das anders, erklärt Solon-Geschäftsführer Olaf Köster: "Und zwar speist man immer lokal ein und belastet das Netz nicht mit einem Riesenkraftwerk, was irgendwo hunderte Kilometer entfernt vom Verbraucher steht, da braucht man immer viel stärkere Leitungen." Und wenn man viele kleine Solarkraftwerke an lokalen Orten installiere, müsste auch kein Geld investiert werden, um das Netzwerk auszubauen oder zu stabilisieren, sagt Köster weiter.
"Beim Geld hört die Umweltfreundlichkeit auf"
Gute Nachrichten also für deutsche Firmen wie Solon und Schletter, die genau auf diesen Trend setzen. Angesichts niedriger Strompreise von rund 10 Cent pro Kilowattstunde scheuen viele Hausbesitzer allerdings noch immer, in Sonnenkollektoren zu investieren. Und Strom aus Solarkraftwerken ist zumindest in Arizona noch teurer als der herkömmliche Strom aus Kohlekraftwerken. Olaf Köster: "Alle wollen sicherlich grün sein und umweltfreundlich, aber wenn sie dann den Strom bezahlen müssen, der viel, viel höher ist als der andere, dann hört die Umweltfreundlichkeit auf."
Solarstrom ist für den Verbraucher also nur dann attraktiv, wenn er damit Geld sparen kann. Und dabei können, neben der ständigen technischen Weiterentwicklung, finanzielle Anreize durch den Staat den entscheidenden Impuls geben. Auch das lehrt die Erfahrung aus Deutschland.
Autorin: Christina Bergmann
Redaktion: Zhang Danhong
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