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Studiogast Ellis Huber. (Foto:DW-TV)

Gast im Studio: Gesundheitsexperte Ellis Huber vom Mannheimer Institut für Public Health

DW-TV: Herr Doktor Ellis Huber ist bei uns. Er ist Gesundheitsexperte, er ist Mediziner, er ist ein streitbarer Geist für ein besseres Gesundheitssystem. Hallo Herr Huber!

Ellis Huber: Guten Tag Herr Baur.

Nun haben wir gerade gesehen, es gibt ja fantastische Wirkungen, was Placebo erreichen kann. Bedeutet das vielleicht, dass wir überhaupt keinen Arzt mehr brauchen, keinen Gott in Weiß mehr, sondern dass wir auch zu einem Schamanen gehen können mit Federboa, der uns genauso heilt?

Selbstverständlich gibt es dort auch gewisse Wege der Heilung. Placebos zeigen doch, welche Selbstheilungskräfte in den Menschen, in den natürlichen Bedingungen, schlummern. Und Leben ist keine Maschine, deswegen müssen wir bereit sein, uns respekt- und ehrfurchtsvoll zu wundern, über das, was alles möglich ist. Das können wir auch als neues Heilmittel einsetzen.

Wir setzen ja hierzulande sehr stark auf Pillen, auf Spritzen, auf heftige pharmazeutische Substanzen. Heißt das, wir überschätzen möglicherweise deren Effekt?

Es ist heute ziemlich eindeutig, dass die Wirkung von Pillen überschätzt, und die Wirkung von mentalen und emotionalen Kräften unterschätzt wird. Psychopharmaka haben oftmals eine Wirkung, die mit einem Schamanenritual ebenso erreicht werden kann. Das anzunehmen und zu erkennen ist nicht schlimm, sondern zeigen uns neue Chancen.

Aber Placebo wird mit Sicherheit nicht alles können? Krebs heilen mit einem Placebopräparat zum Beispiel, funktioniert das?

Nein! Ich glaube, wir dürfen nicht denken, dass man heilen kann indem man etwas gibt. Sondern wir können Lebensprozesse modellieren. Wir können etwas steuern, aber wir sind nicht die Herren über das Leben, sondern wir dienen eher Entwicklungsprozessen. Auch bei Krebs wissen wir, dass es Spontanremissionen gibt. Wir wissen oft nicht warum, aber es macht doch Sinn hinzugucken, was bei diesen Menschen geschieht, die ihren Krebs verlieren.

Kann man denn verstehen, wie Placebo eigentlich abläuft, wie es funktioniert? In unserem Gehirn muss es eine Art von Steuerung geben, die dann eine Art körpereigener Apotheke befehligt.

Na klar! Die Apotheke des einzelnen Menschen ist sein Gehirn, und das Gehirn ist in der Lage, alle möglichen chemischen Substanzen oder auch physikalische Bedingungen zu schaffen, zu modifizieren im eigenen Körper. Und klar: der Glaube versetzt Berge, und der richtige Glaube kann körperliche Kräfte verstärken, das ist so!

Reagieren da die Menschen überall gleich eigentlich?

Nein, es gibt unterschiedliche Kulturen, wo man unterschiedlich reagiert. Die Brasilianer sind relativ unempfindlich bei Tablettenplacebos. Andere Kulturen sind sehr sensibel bei Operationsplacebos. Von Leistungssportlern wissen wir, dass sie mit mentalen Kräften, mit autosuggestiven Methoden Spitzenleistung erreichen; auch das sind Kräfte...

... aber auch mit der Spritze natürlich...

Ich finde, wenn man mit der körpereigenen Chemie heilsame Wege geht, ist das besser, als wenn von außen chemische Stoffe zugeführt werden müssen.

Ganz kurz! Wie kann man diesen Placeboeffekt denn gezielt nutzen? Ankurbeln sozusagen? Gibt es da eine Möglichkeit?

Da gibt es viele Möglichkeiten! Klar ist, dass die Zuwendung von Arzt zum Patienten Bedeutung hat. Und wir können auch experimentieren, wir können dem Menschen auch beibringen, dass ihre Selbstheilungskraft sinnvoll und wirksam eingesetzt werden kann.

Haben Sie vielen Dank für das Gespräch, Herr Huber!

Interview: Ingolf Baur

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