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Einen Kontinent mit mehr als 50 Staaten - erklären in 1000 Stichwörtern? Unmöglich! So mag man denken, wenn man den Untertitel des im Metzler und Peter Hammer-Verlag erschienenen "Afrika-Lexikons” liest. Ein schwieriges Unterfangen allemal. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Das Afrika-Lexikon ist im eigentlichen Sinn kein Lexikon. Es ist vielmehr aufgebaut wie eine Enzyklopädie. Lesend bewegt man sich anhand ausgewählter Begriffe durch afrikanische Politik, Geschichte und Kultur.

Der aus Kamerun stammende Autor, Philosoph und Politologe Jacob Mabe hat seiner Arbeit einen weit gefassten kulturgeschichtlichen Begriff zugrunde gelegt und einen interdisziplinären Ansatz. Eine große Kraftanstrengung folgte, um diese Grundlagenarbeit auf die Beine zu stellen: rund 200 Forscher aus Europa und Afrika haben am vorliegenden Lexikon mitgearbeitet.

Personenkult und totalitäre Politik

Doch wie soll man die Komplexität eines Kontinent der immerhin ein Fünftel der Erdoberfläche ausmacht und der immer wieder - wie jetzt im Sudan oder im Osten Kongos durch Kriege und Menschenrechtsverletzungen auf sich aufmerksam macht - in 1000 Stichworte auflösen ? Das ist kaum möglich. Und es bedingt, dass der Verfasser in seinem Afrika-Lexikon vieles auslassen muss. Vergebens sucht der Leser nach Begriffen wie Massai, Tuareg oder Herero , obwohl diese großen Volksstämme in der afrikanischen Geschichte und Gegenwart eine wichtige Rolle spielen. Personenartikel fehlen völlig, was angesichts der vielen schillernden, autoritären Herrscher und dem weit verbreiteten Personenkult um sie schwer wiegt. Auch Karten und Grafiken, welche die Texte anschaulich machen, vermisst man beim Lesen.

Mabe versucht, diesen Auslassungen entgegen zu steuern durch kluge und lange Artikel zu einzelnen Themen, in denen er Einzelaspekte zusammenführt. Ein Beispiel sind die Kapitel "autoritäre Regime” und "Menschenrechte. Teil der Negativ-Schlagzeilen über Afrika sind die Schreckensherrschaften autoritärer Herrscher - wie die eines Idi Amin und Miton Oote in Uganda, eines Hissène Habre im Tschad. In den genannten Kapiteln widmet Mabe dem Kult um ihre Personen und ihrer totalitären Politik breiten Raum.

Standardwerk zum Einstieg

Der Autor beschreibt aber auch die Bemühungen Afrikas, sich in dieser Frage selbst zu helfen. So hatte die Verabschiedung der "afrikanischen Charta für Menschrechte" sehr wohl eine Demokratisierungswelle zu Folge, blieb auch die 'Organisation für afrikanische Einheit', inzwischen abgelöst durch die Afrikanische Union, in dieser Frage nicht untätig. Finden lassen sich auch Beiträge zur Länderkunde, zur Politik und Geschichte, zur Kultur-Soziologie, zu Sprachen, Literatur und Philosophie und zum Alltag. Was wollten Sie wissen über das junge afrikanische Kino, über die Literatur im Maghreb? Bei Jacob Mabe lassen sich schlüssige und ausführliche Einführungen finden.

Diese erste lexikalische "Lesereise" durch Afrika in deutscher Sprache ist ein Standardwerk für alle, die einen Einstieg in die Kulturgeschichte und die politisch-soziale Situation des afrikanischen Kontinents suchen. Und es ist ein besonderer Dienst am Leser, dass die beiden Verlage der bereits 2001 erschienenen gebundenen Version nun eine preiswertere Paperback-Ausgabe folgen lassen. Ein Beispiel übrigens auch dafür, wie produktiv die Zusammenarbeit zweier renommierter Verlagshäuser sein kann. Der Peter Hammer Verlag ist Spezialist für afrikanische Literatur, der Metzler Verlag Garant für gute Nachschlagewerke. Im Afrika-Lexikon fließen beide Qualitäten zusammen - zum Glück für die Leser.

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