Kosmetikkonzerne werben massiv für Hautaufheller. Die sind allerdings nicht nur teuer, sondern auch gefährlich. Sie greifen die Haut an, um sie heller zu machen. Neben großen Unternehmen tummeln sich auf dem Markt unzählige namenlose Hersteller, die wahllos Mittel zusammenpanschen und sie billig anbieten. Eine Sparsamkeit, die die Kundinnen teuer zu stehen kommen kann. Zerstörte Gesichter und zerstörte Leben bleiben zurück.
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Schön sein – weiß sein. Das war ihr Traum. Deswegen hat Khun Panya immer wieder weißmachende Cremes benutzt, Gesicht, Ausschnitt, Arme damit eingerieben. Doch die aggressiven Kosmetika haben ihre Haut ruiniert, ihr Gesicht entstellt. Lange schon ist sie in ärztlicher Behandlung, aber bisher hat keine Salbe geholfen. Und auch die Ärzte machen ihr nicht viel Hoffnung. Diese Creme war ihr Verderben. "Es ist so schrecklich," erzählt Khun Panya. "Ich traue mich nicht mehr rauszugehen. Ich mag mich nicht im Spiegel angucken. Ich habe kein Selbstvertrauen mehr. Ich hoffe, dass irgendein Arzt mir eine Salbe gibt, die mir hilft. Warum bloß habe ich diese Creme benutzt? Warum nur?"
Khun Panya kommt aus Rayong, ein kleines Städtchen etwa zwei Stunden südlich von Bangkok. Weil sie sich die teueren Cremes der etablierten Kosmetikhersteller nicht leisten konnte, kaufte sie ihr Produkt auf einem der lokalen Märkte. Zwischen Garküchen, Kleidungsständen und Haushaltsbedarf werden auch Kosmetika verkauft. Es sind thailändische Produkte ohne Markennamen, sie sind billig und alle versprechen einen weißmachenden Effekt. Die meisten Präparate sind illegal und verboten, die auf der Packung angegebenen Adressen der Firmen falsch. Aber wer von den Käuferinnen hier weiß das schon.
"Ich habe damit mein Gesicht eingecremt – jeden Tag," beschreibt Khun Panya. "Nach einer Woche war meine Haut ganz glatt und weich. Dann ist sie wie Dreck abgepellt – und mein Gesicht wurde weißer. Nach dem ersten Monat war ich noch zufrieden." Früher war sie Sängerin in einem Club – den Job ist sie los, seitdem sie ihr Gesicht verloren hat. Nun leben sie und ihr Freund von Gelegenheitsarbeiten und dem, was ihre erwachsenen Kinder abzweigen können.
Eigentlich wollte sie mit einem weißeren Gesicht mehr Geld verdienen. "Weiß sein ist einfach besser, viel besser als dunkel. Du wirst ganz anderes angeguckt, wenn du weiß bist. Leute, die nicht in der Öffentlichkeit arbeiten, denken vielleicht anders. Aber als Sängerin, wenn du da heller bist, dann mögen dich die Zuschauer auch lieber."
Weißmachende Produkte sind weit verbreitet, denn nur eine helle Haut gilt in Asien als edel und vornehm – mit allen Konsequenzen. Prof. Dr. Niwat Polnikorn kennt diese nur zu gut. Er ist Dermatologe bei der Thai Society of Cosmetic Dermatology and Surgery: "Hautschäden wie die von Khun Panya behandeln wir häufig. Es kommen viele Leute, die gefährliche Weiß-Cremes benutzt haben und deren Haut infiziert, irritiert und zerstört ist. Mittlerweile sind solche Fälle bei uns sogar die Mehrheit."
Die Werbung im thailändischen Fernsehen unterstützt diese irrsinnige Mode. Die Botschaft der Kosmetikindustrie: Nur wer weiß ist, ist erfolgreich. Und die meisten in Thailand glauben daran und kaufen die weißmachenden Produkte. Hautärzte hingegen warnen: selbst bei den Markencremes ist die Langzeitwirkung der aufhellenden Zutaten noch nicht ausreichend erforscht. Und trotzdem, auch die gebildeten Frauen der Mittelschicht sind dem Weißwahn verfallen. Eine Passantin auf der Straße erzählt: "Es sieht einfach besser aus. Egal was Du machst, weiß ist schöner. Dunkle Frauen sind hässlich, weiße sehen immer hübsch aus." Und eine andere mutmaßt: "Vielleicht kommt der Trend, dass Frauen weiß sind, aus Korea oder Japan. Aber ich finde auch, weiß sieht einfach gesünder aus, leuchtender – hübscher." "Thailand ist ein heißes Land," erklärt eine Dritte. "Die meisten Thai haben eine dunkle Haut – deswegen wollen sie hell sein – wie die Ausländer aus dem Westen.
Spa, Wellness, Kosmetik – in den besseren Vierteln von Bangkok wird viel Geld für die Schönheit ausgegeben. Keine Fertigcremes, schon gar keine Billigprodukte, die meisten Betreiber setzen auf Natur und mischen die Cremes selbst. Aber auch hier geht es ums "Weiß-Werden". Chawanrat Callan, Besitzerin eines Spas, erklärt: "Ich möchte ein Produkt anbieten, das die Haut so hell macht, wie unser Schönheitsideal das vorgibt. Die ganzen Medien sind voll von hellen Leuten. Es gibt zum Beispiel viele Schauspieler, die haben schöne weiße und gesunde Haut – so möchte ich auch aussehen."
Werbespots veranschaulichen die Bewunderung und gesellschaftliche Anerkennung für diejenigen, die weiß sind. Eine zutiefst rassistische Grundhaltung, die in Asien kaum infrage gestellt wird. In den Läden gibt es kaum noch Cremes ohne den weißmachenden Effekt. "Die Supermärkte sind voll von solchen Produkten, viele sind sehr teuer," berichtet Prof. Dr. Polnikorn. "Die, die sich das nicht leisten können, die kaufen auf dem Schwarzmarkt. Und das ist nicht zu kontrollieren. Kaum wird ein Produkt verboten, dann erscheint es unter einem neuen Namen wieder." Mehr als 50 Präparate sind von den Behörden schon verboten worden. Die Verantwortlichen werden selten gefasst.
Für Khun Panya kommt deren Verfolgung so oder so zu spät. Mit ihrem Beispiel will sie andere warnen und hat den Schritt in die Öffentlichkeit gewagt. Aufklärung tut Not, denn gerade im ländlichen Thailand ahnen die Menschen nichts von der Gefahr, die aus der Cremetube kommt.
"Viele Frauen haben mich im Fernsehen gesehen und sofort angerufen," erzählt Khun Panya "weil sie die gleichen Symptome hatten wie ich: Hautrötungen, Jucken. Ich habe ihnen gesagt: Hört auf, die Cremes zu benutzen. Rechtzeitig. Guckt mich an." Trotz allem – Khun Panya glaubt immer noch, dass es schöner ist, weiß zu sein. Sie habe einfach nur den falschen Weg gewählt.