Rettungspakete geschnürt
Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Sache der Banken"
Ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn das Finanzsystem insgesamt ist immer noch gefährdet, sogar mehr denn je. Denn weil keine Bank wweiß, wie viele faule Eier der Wettbewerber in seiner Bilanz hat, tendiert die Bereitschaft, sich untereinander kurzfristig Geld zu leihen, gegen Null. Der so genannte Interbankenhandel kommt zum Erliegen, das Wort von der Kreditklemme macht die Runde. Sechs große Notenbanken senken in einer gemeinsamen Aktion die Leitzinsen, nachdem sie zuvor ohne großen Erfolg Milliardenbeträge in den Geldmarkt gepumpt haben. Immer mehr Bürger machen sich Sorgen um ihre Spareinlagen. Am 13. Oktober schließlich spannt die Bundesregierung einen gigantischen Rettungsschirm im Volumen von 500 Milliarden Euro über die Banken. "Jetzt ist es an den Banken, die angebotenen Hilfen auch wirklich in Anspruch zu nehmen", sagt die Kanzlerin.
Doch die zögern erst einmal. Denn staatliche Hilfen in Anspruch zu nehmen, das käme ja dem Eingeständnis des Scheiterns gleich. Und das will zum Beispiel Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, für sein Institut auf keinen Fall eingestehen. Was Finanzminister Peer Steinbrück ziemlich ärgert: "Ich finde es sehr erstrebenswert, mehr als das, wünschenswert, wenn Herr Ackermann deutlich machen würde, auch öffentlich, dass er zu den Unterstützern dieser Konstruktion gehört. Zumal er maßgeblich daran mitgewirkt hat, auch in Gesprächen mit mir.“
Vom Saulus zum Paulus
Verärgert über Deutsche Bank Chef Ackermann: Finanzminister Peer Steinbrück
Staatshilfen gibt es natürlich nicht umsonst - sie sind an Bedingungen geknüpft. Keine Bonuszahlungen mehr, keine Dividenden für die Zeit der Sanierung, keine Kapitalspritze höher als zehn Milliarden Euro, kein Manager-Gehalt mehr über 500.000 Euro. Wenig später macht Josef Ackermann einen Rückzieher: "Ich bin heute hier absolut vom Saulus zum Paulus geworden. Ich glaube, dass Aufsichtsbehörden die Pflicht haben sollten, Geschäftsmodelle kritisch zu hinterfragen. Denn was wir gesehen haben in vielen Ländern, auch hier in Deutschland, da muss man sich eigentlich fragen, wie so solche Geschäftsmodelle über so lange Zeit möglich waren.“
Die Bankenkrise greift indes langsam, aber sicher auf die Realwirtschaft über. Als erstes melden die Autobauer Absatzeinbrüche und verordnen ihren Mitarbeitern Kurzarbeit, der Chemieriese BASF legt 80 Produktionsanlagen still, die GM-Tochter Opel bittet die Regierung um eine Bürgschaft. Die EU-Kommission beschließt ein Konjunkturpaket von rund 200 Milliarden Euro, die Bundesregierung will der Wirtschaft mit 50 Milliarden Euro unter die Arme greifen. Das Wort Konjunkturprogramm vermeidet sie allerdings. "Wir wollen jetzt sicherstellen, dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten werden können und möglichst viele Branchen ihre gute Entwicklung fortsetzen können," sagt Angela Merkel.
Robuster Arbeitsmarkt
Ford, Chrysler und GM auf Betteltour in Washington
Ein verrücktes Jahr 2008. Die Banken fallen wie die Dominosteine, der IWF korrigiert seine Wachstumsprognose nach unten, Großbritannien und die USA stehen vor einer Rezession, die Weltwirtschaft vor einer Abkühlung. In Osteuropa und Lateinamerika ziehen westliche Investoren Geld ab, weil sie es daheim zum Stopfen der Löcher brauchen, die Unternehmen verordnen sich überall drastische Sparprogramme, in den USA drohen GM, Ford und Chrysler pleite zu gehen.
Gibt es denn gar nichts Positives zu berichten? Doch, doch, denn jede Medaille hat zwei Seiten. Die sinkende Nachfrage lässt zum Beispiel den Ölpreis unter 50 Dollar fallen, der Höhenflug des Euro ist gestoppt, die Nahrungsmittelpreise geben nach, die Inflation in Europa hat ihren Höhepunkt überschritten. Und der Arbeitsmarkt in Deutschland zeigt sich erstaunlich robust: Zwei Mal, im Oktober und im November, lag die Zahl der Arbeitslosen unter drei Millionen. Das ist doch was, oder?
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