Bekannt wurde er durch seine Leidensgeschichte. Stephen Hawking ist an ALS erkrankt, einer unheilbaren Muskelschwäche, die ihn früh an den Rollstuhl fesselte und die selbst das Sprechen unmöglich macht. Sein erstes Buch, "Eine kurze Geschichte der Zeit", hat es mit zehn Millionen verkauften Exemplaren zum absoluten Kultobjekt gebracht. Ob sich die zehn Millionen tatsächlich durch die schwer verdauliche Materie quälten, darf jedoch bezweifelt werden. Die meisten mögen das Werk an eine gut einsehbare Stelle im heimischen Bücherbord positioniert haben - als ein intellektuelles Statussymbol.
Stephen Hawking (Archivbild 1998)
Offensichtlich bemerkte auch Hawking die Sperrigkeit seines Bestsellers. Einige Leser seien nie bis zu den interessanten Dingen vorgedrungen, schreibt der 55jährige Cambridge-Professor im Vorwort. Deshalb gleiche das neue Buch in seinem Aufbau eher einem Baum: Kapitel 1 und 2 bilden den Stamm, alle weiteren Kapitel zweigen davon ab. Zudem ist das neue Werk mit über 200 Abbildungen wesentlich opulenter illustriert als der Vorgänger.
Auf der Suche nach der Weltformel
Der thematische Ausgangspunkt von "Das Universum in der Nußschale" ist derselbe wie beim erfolgreichen Erstling. Es geht um die Suche nach der Weltformel der Physik. Diese Weltformel würde sowohl das Treiben der kleinsten Materieteilchen trefflich beschreiben als auch die Dinge im Großen, sprich: das Schicksal des gesamten Universums. Nur: Gefunden haben die Forscher diese famose Weltformel bis heute nicht.
Doch nun gibt's eine heiße Spur - glaubt Stephen Hawking. Er setzt seine Hoffnung auf die M-Theorie. Sie geht davon aus, dass die Urbausteine der Materie so genannte Strings sind - winzigste Fädchen, die ähnlich wie Violinsaiten schwingen und dadurch alle anderen Teilchen bilden, Elektronen etwa und Quarks. Denkbar ist auch, dass sich so genannte Brans als die Bausteine der Welt herausstellen. Das sind mehrdimensionale Urgebilde, die sich wie zitternde Membranen durch Raum und Zeit bewegen.
Es bleibt nur ein ehrfürchtiges Staunen
Hier tritt das Problem des Buchs zu Tage: Die zeitgenössische theoretische Physik ist dermaßen formal und unanschaulich, dass dem Laien oft nur ehrfürchtiges Staunen bleibt. Voll und ganz durchdringen kann er das Feld nicht - da helfen auch die hübsch anzuschauenden Illustrationen manchmal nur bedingt. Immerhin gelingt es Hawking, die Leser an der Faszination teilhaben zu lassen, die sein Forschungsgebiet zweifelsohne ausstrahlt.
Eine Ausnahme bildet das Kapitel "Unsere Zukunft - Star Trek oder nicht". Hier verlässt Hawking seine Kompetenzen, um mit blühender Fantasie über die Zukunft der Menschheit zu spekulieren. Wohl oder übel werden wir uns damit abfinden, dass man den Homo sapiens in absehbarer Zeit veredeln werde, und zwar mit Hilfe der Gentechnik, meint Hawking. Er geht davon aus, dass man in 100 Jahren Embryonen außerhalb des Mutterleibs heranreifen lassen kann und ihnen per Gentechnik ein größeres Gehirn verpasst - und damit eine höhere Intelligenz. Vielleicht vermögen diese hyperintelligenten Zukunftsmenschen ja dann das Rätsel der Weltformel zu lösen - weshalb derartige Visionen für Hawking ihren Reiz zu haben scheinen.