"Der Iran lässt sich nicht isolieren"
Der Handel mit dem Iran ist schwierig geworden - unmöglich ist er nicht. "Die Geldgeschäfte gehen über Drittländer", erklärt Daniel Bernbeck, "und vieles läuft jetzt eben in Bargeld". Da werde der Zeitschriftenhändler in Teheran zum Kontaktmann, der die großen Summen im Koffer annehme, nach Kanada schaffe und dort an den US-amerikanischen Unterhändler weitergebe.
Straßenverkäufer werden Teheran zu Unterhändlern für die Geldbeschaffung
"Das sind schon mittelalterliche Geschäftsmethoden", sagt Bernbeck, der selbst in Teheran lebt und es genauso macht. "Wenn ich meiner Vermieterin in Teheran die Jahresmiete zahlen muss, hebe ich sie in Deutschland ab und bringe sie mit schweißnassem Hemd in bar in den Iran", sagt er. Das mache jeder so, jeder habe Geld im Koffer. "Sollte mal ein Flugzeug von Deutschland nach Teheran abstürzen, wäre der Schaden im Fluggepäck höher als am Flugzeug."
Iran-Geschäfte sind Tabu
Paranoia gepaart mit Hysterie - so nennen Unternehmensverbände die aktuelle Iran-Politik. Immerhin steigt der deutsche Exportanteil in diesem Jahr wieder leicht an. Langfristig aber könne das wieder anders aussehen, denn der Iran orientiere sich um, sagt Henner Fürtig vom Leibniz-Institut für Globale und Regionale Studien. "Deutschland hat in diesem Bereich eindeutig etwas zu verlieren." Derzeit stünden die Vereinigten Arabischen Emirate bei den Iranern hoch im Kurs. Saudi-Arabien habe Russland umfangreiche Rüstungsgeschäfte angeboten, wenn Russland im Gegenzug wieder mehr mit dem Iran zusammenarbeite.
Was bringen die Sanktionen?
"Man sollte sich nicht der Hoffnung hingeben, dass der Iran allein aufgrund der Sanktionen einlenkt", sagt Johannes Reissner von der Stiftung Wissenschaft und Politik. Es müsse wieder eine ernsthafte Debatte über und mit dem Iran begonnen werden - ohne das übliche politische Säbelrasseln. Das fordern auch viele andere Experten und wollen weg von den Sanktionen, hin zu einer Diplomatie gestützten Politik ohne Drohungen.
"Es ist ja nicht so, als würden wir nicht mit dem Iran reden", heißt es zur Verteidigung aus westlichen Diplomatiekreisen. Aber man räumt ein: Das Prinzip mit Zuckerbrot und Peitsche habe bis jetzt noch nicht gewirkt. "Deshalb haben wir jetzt auf beiden Seiten nochmal nachgelegt", erklärt ein Diplomat im Gespräch mit DW-WORLD.DE. "Ein besseres Angebot für die iranische Wirtschaft machen, aber eben auch die Daumenschrauben noch ein wenig fester drehen, nur so wird der Iran einlenken." Aber natürlich seien wirtschaftliche Sanktionen einzelner Länder immer nur die zweitbeste Lösung, räumen selbst Diplomaten ein.
Heimlicher Handel
Der Handel blüht versteckt: Sogar Coca-Cola gibt es im Iran zu kaufen
Der Handel mit dem Iran blüht derweil versteckt weiter. Die Industrieteile, die Deutschland sich weigert zu liefern, kommen jetzt aus England. Coca-Cola kann man im Iran auch kaufen: Die Export-Geschäfte der USA mit dem Iran haben während der Bush-Regierung drastisch zugenommen, so stark wie unter keiner anderen US-Regierung zuvor. US-Waren im Wert von 150 Millionen Dollar wurden allein im vergangenen Jahr in den Iran verschifft. Asien bemüht sich, mit westlichen Ländern auch beim industriellen Know-How gleichzuziehen.
In Deutschland herrsche dagegen die Angst vor Geschäften mit dem "Schurkenstaat", kritisiert Bernbeck. Sogar ein deutscher Hersteller von Wasserhähnen für Badewannen habe jetzt seine langjährige Freundschaft mit einem iranischen Kunden gekündigt - aus Angst, die USA könnten herausfinden, dass er Handel mit dem Iran betreibt. Das sei doch absurd. "Was haben Wasserhähne mit Atombomben zu tun?"
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