Wenn die schon nicht kandidieren, meint ein Teehaus-Besitzer, was werden dann die anderen im Madschlis anfangen? Der Mann erwartet keine Antwort. Er ist einer der vielen, die in diesen Tagen enttäuscht sind und bestenfalls im letzten Moment dann doch wählen gehen, weil sie dann den Stempel in den Ausweis bekommen, dessen Fehlen einem eines Tages ja vielleicht Unannehmlichkeiten bereiten könnte.
Frauen auf dem Vormarsch
Frauen sind im Iran auf dem Vormarsch - nicht nur auf dem Fußballfeld
Wer sich offenbar aber mehr ins Zeug legt, das sind die Frauen: Im jetzigen Parlament sind sie mit nur knapp acht Prozent vertreten und das soll sich ändern. In Teheran tritt sogar eine Frauenliste an. Im Iran sind die Frauen ohnehin in der Mehrheit und ihre Rolle in der Gesellschaft wird immer wichtiger: Sie sind längst die Mehrheit der Hochschulabsolventen, stellen auch immer mehr Universitätsdozenten und während sie deswegen zusehends Probleme bei der Suche nach einem adäquaten Partner haben, fühlen sich die Männer langsam selbst benachteiligt.
Kürzlich wurde eine "Männerquote" an den Universitäten eingeführt, aber auch sonst sind die Frauen im Alltag "auf dem Vormarsch": So gibt es in der modernen Teheraner Metro zum Beispiel Wagen "nur für Frauen". Die sind aber nur für Frauen, die unter sich sein wollen. Die anderen sitzen in den anderen Abteilen neben Männern - als wäre dies in Berlin, London oder Paris. Der verstärkte Drang ins Parlament ist ein weiteres Zeichen dieser Emanzipation. Wobei Religiosität keine Rolle zu spielen scheint: Religiös-Konservative kandidieren genau so wie reform-orientierte Liberale.
Ob sie dann im Parlament etwas ausrichten können, ist eine andere Frage. Der Macht des Madschlis sind enge Grenzen gesetzt. Gesetze werden vom Wächterrat oder vom "Obersten Führer" kassiert, wenn sie angeblich nicht den islamischen Prinzipien des Staates entsprechen. Aber letztlich ist es natürlich auch im Iran eine Prestigefrage, im Parlament vertreten zu sein. So geben sich die "Profis" dieser Tage gerne volksnah: Einer lässt sich im Eingang zur Metro interviewen, die er sonst wahrscheinlich nicht benützt. Und Parlamentspräsident Gholam Ali Haddad-Adel zog es gar mit Familie ins Theater: Nach der Aufführung vom "Besuch der alten Dame" von Dürrenmatt zeigte er sich beeindruckt, fügte dann aber hinzu, dies sei ein "schwieriges Stück - das muss man besser zweimal sehen".