1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Babel Europa

Wie ist der "Gesundheitszustand" der Minderheitensprachen in Europa?

Medizin, Quelle: Bilderbox

Bedenklicher Gesundheitszustand: Immer mehr Sprachen sterben aus

Schlecht bis todkrank - es kommt aber darauf an. Manchmal ist eine Sprache zwar prozentual gesehen die einer Minderheit, doch von der Sprecherzahl noch immer bedeutsam. Das gilt zum Beispiel für das Katalanische in Spanien. In anderen Fällen sind Minderheitensprachen tatsächlich schon fast verschwunden. Das gilt für die friesischen Sprachen in Norddeutschland oder das Sorbische in Ostdeutschland. Gut die Hälfte der europäischen Sprachen sind bedroht oder schon am Sterben.

Muss man die Sprachenvielfalt fördern? Wenn ja, warum?

Sprachen transportieren auch das kulturelle Wissen einer Sprechergemeinschaft. Deshalb kann der Verlust gleichbedeutend mit dem Schwund an kulturellem Wissen sein.

Das Bewahren der Sprachvielfalt ist aber weniger ein Problem der Sprecher selbst, als vielmehr ein Bedürfnis der kulturellen Eliten nach Bewahrung von Vielfalt an sich. Natürlich ist das aber kein Wert an sich - sondern Ausdruck eines kulturellen oder gar politischen Bedürfnisses. In soziologischer Hinsicht kann der drohende Verlust einer Sprache aber durchaus sozialen Sprengstoff beinhalten, wie es sich unter anderem an der Frühgeschichte der ETA gezeigt hat. Ich bin der Meinung, dass die Sprachvielfalt gefördert werden muss, weil man den Menschen ihre Sprache nicht wegnehmen darf. Die Förderung muss aber mit sensibler Hand erfolgen - ohne den romantisierenden Druck einer Elite. Maßnahmen dürfen also nicht an den Sprechern vorbei geplant werden, sondern müssen sehr genau auf deren Einschätzung und Bedürfnisse eingehen. Eine Sprache zu wechseln ist weiß Gott keine Schande!

Was macht zum Beispiel die EU in dieser Hinsicht?

Die Grundrechte-Charta der EU besagt in Artikel 22: "Von der Union wird die kulturelle, religiöse und sprachliche Vielfalt geachtet." In einer Reihe von Beschlüssen wird diese Aussage konkretisiert, doch bleiben viele Punkte unklar oder nicht realisiert.

Mein persönlicher Eindruck ist, dass die EU im Grunde kein einheitliches Konzept zum Erhalt der Sprachvielfalt hat, sondern mit eher kurzatmigen Programmen auf ebensolche politischen Forderungen reagiert. Die geraten schnell wieder in Vergessenheit, wenn das Thema nicht mehr aktuell ist.

Lernen die Europäer gerne eine Fremdsprache?

Pariser Eiffelturm, Quelle: AP

Nicht nur Franzosen tun sich schwer mit dem Erlernen von Fremdsprachen

Das hängt sicherlich von der Region ab. In Deutschland ist das Sprachlernen zwar Teil des offiziellen Kulturprogramms und das wird auch in den Schulen umgesetzt. Jedoch ist die Zahl tatsächlich monolingualer Sprecher in Deutschland immer noch sehr hoch.

Andere Regionen sind diesbezüglich noch stärker gekennzeichnet, zum Beispiel Frankreich und die osteuropäischen Staaten. Hier steht die Rückbesinnung auf die eigene Sprache nach Jahren der Dominanz des Russischen im Vordergrund. Fremdsprachen haben da einen eher sekundären Stellenwert.

Gibt es Kuriositäten bezüglich der Sprachen in Europa?

Das hängt davon ab, was man unter Kuriositäten versteht. Wir Sprachwissenschaftler sehen das etwas nüchterner.

Kurios ist vielleicht die 'Kanak-Sprak' - in der viele deutsche und ausländische Jugendliche in städtischen Ghettos kommunizieren. Analog dazu finden wir in Frankreich Verlan - eine Spielsprache in, die von der Vertauschung von Silben und Konsonanten lebt. Das Wort kurios sollte letztendlich aber das bezeichnen, was es im Französischen auch bedeutet: nämlich neugierig.

dw.de