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Kultur

Geduldet: wenig Rechte, viele Pflichten

Im Jugendzentrum trifft Fayssal seine Freunde und chattet im Netz

Vor einem Jahr hat Fayssal die Hauptschule abgeschlossen. Seitdem hat er viel freie Zeit. Fast täglich ist er im Jugendzentrum der Arbeiterwohlfahrt in Essen-Schonnebeck. Stefan Hoeps leitet das Zentrum. Er kennt viele Kinder und Jugendliche, die die gleichen Probleme haben wie Fayssal - Perspektivlosigkeit: "Die haben enormen Frust. Die sagen, was soll ich mich in der Schule anstrengen, es bringt doch nichts, ich sehe das an meinem großen Bruder, der bekommt auch keinen Job. Und die Grundmotivation fehlt dann."

Dennoch nutzt Fayssal seine wenigen Chancen. Er will sich für ein Arbeits- und Beschäftigungsprojekt der Jugendberufshilfe anmelden. Solche Projekte sind gut - aber sie packen das Problem nicht an der Wurzel. Langfristig fehlt geduldeten Jugendlichen dennoch die Perspektive.

Stefan Hoeps versucht die Jugendlichen zu motivieren

Und das nur, weil seine Mutter keine Dokumente vorlegen kann, die ihre libanesische Herkunft bestätigen, sagt Stefan Hoeps vom Jugendzentrum und nimmt die Ausländerbehörde gleichzeitig in Schutz. Die könne aufgrund der Rechtslage auch nicht anders handeln. "Irgendwann sind auch dem wohlwollensten Mitarbeiter da die Hände gebunden. Und das ist genau der Punkt. Es ist einfach ein Teufelskreis: es gibt keine Papiere, es gibt keine Chancen", sagt Hoeps.

Sprachtest statt Stammbaum

Fayssal wohnt mit Mutter, Schwester und zwei Brüdern in einer 3,5 Zimmer-Wohnung in einer alten Bergarbeitersiedlung. Sie leben von 700 Euro Sozialhilfe im Monat. Der Fernseher läuft, Al Dschasira, Nachrichten aus Nahost. Fayssals Mutter Terkia spricht kaum Deutsch, seine Schwester Zeinab übersetzt: "Wir können nichts vorlegen, weil wir keine Papiere im Libanon haben. Wir sind Flüchtlinge und wir haben nichts mitgebracht. Wir haben ja versucht, Papiere zu bekommen, aber da ist halt nichts zu machen. Mein Onkel war im Libanon und hat es versucht, aber es ging nicht. Und wir können ja keine gefälschten Papiere vorlegen oder so."

Bleiberecht, fordert Bernd Brack von Pro Asly Essen

In ganz Deutschland leben rund 5500 Menschen libanesischer Herkunft, deren Status ungeklärt ist. Die meisten in Berlin, Hamburg und Essen. Bernd Brack von Pro Asyl Essen ärgert sich über die rechtlichen Regelungen in Deutschland. Es sei tragisch, dass die Behörden so weit zurückgingen in der Familiengeschichte, um festzustellen, wo die Personen hergekommen. Kaum ein Deutscher wisse, wo vier Generationen zuvor seine Vorfahren gelebt hätten.

Brack schlägt einen Sprachtest vor, um zu klären, ob die Flüchtlinge wirklich aus dem Land kommen, das sie angeben. Und zumindest die Kinder der Flüchtlinge, die in Deutschland aufgewachsen und geboren seien, sollten ein Bleiberecht bekommen. er setzt seine Hoffnungen auf die anstehende Innenministerkonferenz im November. Und Fayssal könnte den Ministern auch genau sagen, warum er ein Bleiberecht bekommen soll: "Weil ich mich hier angepasst habe, integriert habe, weil ich hier nicht straffällig geworden bin und weil ich ein normaler Mensch bin wie die anderen auch. Warum soll ich kein Aufenthaltsrecht haben?"