1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Sport

Total Global: Woher kommt eigentlich der WM-Ball?

Durchdringender Geruch nach Klebstoff

Mehr als 460.000 Menschen arbeiten weltweit in Zulieferbetrieben für Adidas. In der Firmenzentrale sind es noch gerade einmal 2.000. Noch den letzten Weltmeisterschaftsball, den "Fevernova 2002", hat Adidas zumindest teilweise in Deutschland hergestellt. Doch der jetzige wird nicht nur aus Kostengründen in Thailand produziert. Es ist auch die Technologie, die der Geschäftspartner dort zusammen mit Adidas entwickelt hat: Der High-Tech-Ball ist nicht mehr genäht, sondern geklebt.

Ein Näherin im pakistanischen Sialkot

Das geschieht in einem Industriepark gut anderthalb Autostunden südöstlich der Hauptstadt Bangkok, in den Werkstätten des japanischen Ballherstellers Molten. Insgesamt rund 1.000 Menschen arbeiten in der Fabrik, die auch Handbälle, Volley- und Basketbälle produziert. In den hinteren Werkshallen sind 130 Arbeiter ausschließlich damit beschäftigt, den WM-Ball herzustellen - die meisten von ihnen Frauen. Die Produktionshallen sind hoch und hell, alles ist peinlich sauber. Die weißen Maschinen sind modern, laut ist es trotzdem. Und es riecht durchdringend nach Klebstoffen. Hier drinnen ist es noch heißer als außerhalb der Fabrikhalle: Trotz Ventilatoren geschätzte 40 Grad.

Der wirtschaftliche Druck wächst

Knapp 1.000 Einzelteile stanzt eine Arbeiterin in gut zehn Stunden. Unter Hitzeeinwirkung werden sie später rund gebogen. Die 21jährige Yupha sortiert die ausgestanzten Teile in einzelne Boxen, bevor der Klebstoff drauf gestrichen wird. Im Schnitt arbeitet sie acht Stunden täglich, oft auch zwei Studen länger. Yupha ist froh, dass sie hier Arbeit gefunden hat: "Ja, ich bin stolz darauf, weil dieser Ball nirgendwo anders hergestellt wird als in meiner Fabrik. Wenn es geht, werde ich mir schon ein paar Fußballspiele anschauen. Aber wenn es nachts sehr spät wird, werde ich das wohl nicht tun können, denn das ist ja meine Ruhezeit."

Bei Molten bekommen selbst die Arbeiterinnen und Arbeiter, die nur Verträge auf Tagesbasis haben, mehr als den gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn: Im Schnitt, so das Unternehmen, 275 Thai-Baht pro Tag - derzeit umgerechnet 5,70 Euro. Der Druck auf die Sportartikelhersteller, faire Arbeitsbedingungen einzuhalten, ist groß, wenn sie für internationale Konzerne wie Adidas arbeiten. Allerdings gelinge das nicht immer, weil auch der wirtschaftliche Druck auf die Zulieferer zunehme, sagt Maik Pflaum von der Kampagne "Clean Clothes". Regelmäßig stellen seine und andere Organisationen Arbeitsrechtsverstöße in der Sportartikelindustrie fest.

Sorgfältige Kontrolle

"Wir wissen: In allen diesen Regionen ist es ein Riesenproblem, sich in einer Gewerkschaft zu organisieren", erklärt Pflaum. "Es steht sehr oft Entlassung auf den Versuch, sich in einer Gewerkschaft zu organisieren, wir haben das Problem mit den Mindestlöhnen, wir haben das Problem mit dem extremen Arbeitsdruck, Arbeiter und Arbeiterinnen in dieser Industrie sind mit 30, mit 35 Jahren so kaputt gearbeitet, dass sie den Druck nicht mehr aushalten." Eine Gewerkschaft gibt es auch bei Molten nicht. Stattdessen ein von den Fabrikarbeitern gewähltes Komitee. Thailändische Gesetze schreiben vor, dass sich das japanische Management mindestens einmal im Vierteljahr mit dem Komitee zusammensetzen muss.

Während bei der WM 2006 noch der Ball "Teamgeist" rollt, laufen bereits die Planungen für den Ball des nächsten großen Turniers

Am Ende der Produktion wird der Ball geprüft. Sorgfältig tastet eine Kontrolleurin per Hand die Außenhülle ab. Anschließend kommt der Ball noch einmal in die Schussmaschine. Ist er 24 Stunden später noch immer fehlerfrei, wird der "Teamgeist" in alle Welt verteilt. Im Adidas-Testlabor im fränkischen Scheinfeld gibt es jetzt, nachdem die Produktion abgeschlossen ist, nicht mehr viel zu tun. Nur ein kleiner Teil der "Teamgeist"-Serie kommt am Ende seiner Reise noch mal zurück: Die Bälle, mit denen Ronaldinho, Lehmann und Nedved schließlich tatsächlich antreten. Sie werden hier mit Datum, Paarung und Spielstätte bedruckt - und noch mal gesondert kontrolliert.

Mittlerweile ist der WM-Ball längst im Einsatz. Jeweils 20 Spielbälle hat Adidas an die WM-Teilnehmer schon zu Trainingszwecken ausgeliefert. Und während in deutschen Stadien bereits mit "Teamgeist" gekickt wird, hat die Entwicklung des nächsten Balls längst begonnen - und der solle noch runder, noch akkurater und noch neuer sein, sagt Klaus Rolshoven, der Kommunikationsmanager der Ballentwickler: "Für uns als Abteilung im Innovationsteam ist die Weltmeisterschaft schon seit anderthalb Jahren vorbei, weil wir schon an den Bällen arbeiten, die in die nächsten Events gehen."

dw.de