Unter seiner Führung ist Bogner zu einer international bekannten Marke geworden. Der Jahresumsatz liegt aktuell bei rund 250 Millionen Euro. Über den Gewinn schweigt das Multitalent. In den vergangenen fünf Jahren allerdings musste Bogner die Firma komplett umkrempeln. Die schwächelnde Konjunktur hierzulande ließ den Umsatz schrumpfen. Bogner verlagerte daraufhin die Produktion ins Ausland. Mehrere hundert Angestellte mussten gehen. Dieses Jahr soll es aber wieder aufwärts gehen, berichtet Milto Arsenopoulos, nicht zuletzt wegen der olympischen Winterspiele in Turin. Bogner rüstet die deutschen Athleten aus und erhofft sich einen kräftigen Nachfrageschub für seine Winter-Kollektionen.
-------------------------------------------------------------
"Gold für Deutschland!", "Gold für Deutschland!" Olympia-Begeisterung in den Bergen rund um Turin. Wenn die Emotionen wieder abgekühlt sind, sollten sich die Olympia-Fans im nahe gelegenen Sestriere einfinden - das zumindest wünscht der Chefdesigner der Modefirma Bogner.
Das Modelabel hat zum Start der Winterspiele eine eigene Olympia-Kollektion heraus gebracht. Die tragen auch die deutschen Olympioniken bei allen offiziellen Terminen, so wie diese Jacke. Dieses Recht hat sich seine Firma viel Geld kosten lassen. Olympia ist für das Image von Bogner unverzichtbar, so Bogner-Chefdesigner Gotthardin Thylmann: "Wenn wir über Business reden, ist es in erster Linie wichtig für die Glaubwürdigkeit, weil wir unsere Stärke sehen in einer hochwertigen und individuellen Sport-/Skibekleidung. Und da fragt sich der eine oder: Könnt Ihr auch den technischen Anforderungen stand halten? Und das beantwortet sich von selber, wenn wir die Profis ausstatten."
Die modeverwöhnten Italiener finden die Kleidung von Bogner eher praktisch als modisch: "Ich habe diese Jacke von Bogner seit zehn Jahren. Die Qualität ist wirklich gut, aber was das Design angeht, gibt es sicher schickere Modelle anderswo."
Ortswechsel - München. Hier wohnen viele der wohlhabenden Kunden Bogners, hier ist auch seine Firma zu Hause. Firmeninhaber Willy Bogner kämpfte jahrelange gegen sinkende Umsätze. In wirtschaftlich unsicheren Zeiten sparten die Deutschen besonders bei teurer Mode.
Um die Firma zu retten, entließ er 500 seiner 1.200 Mitarbeiter: "Das ist natürlich eine ganz schlimme Sache, dass gerade in einem Familienunternehmen, wo die Mitarbeiter viele Jahre teilweise bis zu 30 Jahre da sind, auch in Regionen, wo es nicht so viele Arbeitgeber gibt, ist so eine Maßnahme schon sehr, sehr schwierig."
Bogner läßt seine Kollektionen mittlerweile fast ausschließlich in Asien fertigen. Um den Verkauf wieder anzukurbeln, schlug der 64-jährige völlig neue Wege ein. Die Kollektion wird nicht nur über teure Boutiquen verkauft, sondern seit kurzem auch per Katalog. Einmalig für so eine teure Modemarke und auch riskant. Freunde und Berater rieten Bogner davon ab, weil das Luxus-Image darunter leiden könnte: "Das kommt darauf an, wie es gemacht ist. Wir haben eben auch ein sehr hochwertiges Magazin macht. Man ist das in Deutschland nicht gewöhnt. man hat Versandhandel mit billig oder preiswert assoziert. Und wir sind sehr hochwertig eingestiegen, wie ein Fashion-Magazin, das man auch kennt und insofern diese Kombination hat sehr gut funktioniert."
Der Verkauf zieht seit einigen Monaten wieder an - dank Versandhandel. Wasser- und winddicht, mit echtem Pelz und feinen Daunenfedern gefüttert. Preis ca. 2.000 Euro.
Beim Design blieb Willy Bogner trotz Krise seiner Linie treu. Bloß nicht auffallen ist das Motto. Unter Kennern gilt die Marke als konservativ und wenig modisch. Kritik, auf die Bogner empfindlich reagiert: "Wer ist schon seit 70 Jahren in seinem Gebiet Weltmarktführer, muß ich auch mal sagen. Wir sagen immer in Deutschland in der Mode sind die andere vorne. In dem Markt sind wir number one. Das müssen wir uns auch mal geben!"
Im deutschen Haus, dem Treffpunkt deutscher Olympioniken in Sestriere, gab es für die Marke Bogner einen Auftritt nach Maß. Der nordische Kombinierer Georg Hettich holte gleich am ersten Wettkampftag Gold. Und trat wie vereinbart im teuren Bogner-Outfit vor die Presse.