Sie müssen die Investoren überzeugen, dass die Pipeline langfristig rentabel ist. Manche Experten sagen, die Ostseepipeline und die Nabucco-Pipeline stünden in Konkurrenz trotz des steigenden Gasbedarfs.
Die Ostseepipeline sehe ich nicht als Konkurrenzpipeline. Wenn Sie sich die Prognosen ansehen, dann müssen wir bis ins Jahr 2020 400 Milliarden Kubikmeter mehr Erdgas aufbringen, um den Bedarf Europas zu decken. Auch wenn wir nur halb so viel, wie die Prognosen vorhersagen, letztendlich brauchen: Nabucco bringt etwa maximal 30 Milliarden Kubikmeter aus einem von Europa bislang nicht erschlossenen Raum, dem Mittleren Osten und dem Kaspischen Raum. Die Nordostseepipeline bringt maximal rund 55 Milliarden russisches Gas. So wären gerade mal 85 Milliarden Kubikmeter gedeckt. Das heißt, uns fehlt uns dann immer noch einiges. Die Infrastruktur ist notwendig in Zukunft.
Welche Gasfelder wollen Sie erschließen?
Den Mittleren Osten und den Kaspischen Raum. Die größten Gasreserven in diesem Gebiet liegen im Iran. Der sollte ein Hauptlieferant werden. Wir schauen aber auch nach Aserbaidschan und verschiedene arabische Länder. Europa braucht einen Zugang zu den zweitgrößten Gasreserven der Welt.
Aber Russland wird doch nicht gerade darüber erfreut sein, dass Sie nun Gasvorkommen erschließen, von denen Russland dann nicht profitieren wird, da es umgangen wird. So muss beispielsweise Gas aus Turkmenistan derzeit noch über russische Pipelines transportiert werden. Das wäre dann nicht mehr nötig..
Russland ist nicht erfreut über dieses Projekt. Daraus hat es nie einen Hehl gemacht. Wir sind aber mit den Russen in Kontakt. Doch für Russland besteht ja auch eine Möglichkeit die Nabucco-Pipeline mit zu nutzen. Es könnte ja Gas durch die Bluestream-Pipeline in die Türkei leiten und es dort in die Nabucco einspeisen. Die Bluestream-Leitung führt von Russland durch das schwarze Meer in die Türkei. Die ist fertig, aber sie ist nicht voll ausgelastet, da die Türkei nicht so viel Erdgas benötigt. Sie ist nur zu 25 Prozent ausgelastet.
Welche Rolle wird Flüssigerdgas in der Zukunft spielen? Ist es eine Alternative zum Pipeline-Gas?
Sicher wird Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas - LNG) eine wichtige Rolle spielen. Allerdings glaube ich nicht, dass man sich Infrastrukturprojekte wie die Nabucco-Pipeline ersparen kann. Das LNG transportiert man mit Schiffen und es wäre eine Unzahl von Terminals notwendig, um sich nur auf LNG zu verlassen. Europa wird aber sicher solche Terminals benötigen, um den Bedarf abdecken zu können. Die OMV will im Rahmen eines Konsortiums einen Anladehafen für verflüssigtes Erdgas in der nördlichen Adria errichten. Wir hatten das Projekt bereits vor einigen Jahren ins Leben gerufen. Damals war es nicht wirtschaftlich. Die Gaspreise waren zu niedrig und die Kosten der Schiffe und Anlangen zu hoch. Diese Kosten sind dramatisch gefallen und der Gaspreis gestiegen, was uns ermutigt hat, dieses Projekt wieder zu starten. Das Adria LNG-Terminal soll wie die Nabucco-Pipeline 2011 in Betrieb genommen werden.
Otto Musilek ist Geschäftsführer der OMV Gas GmbH
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