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Das Schwesterchen bitte wieder abholen
In Engelskirchen gibt es ein spezielles Postamt: Hier landen Briefe mit Wunschzetteln für den Weihnachtsmann - und alle bekommen eine Antwort.
Wünsche an das Christkind, 51766 Engelskirchen
Ein Schloss, ein Kuscheltierpferd, eine Barbie-Puppe - das sind einige der Wünsche der fünfjährigen Lara. Ihren Wunschzettel hat sie fertig geschrieben und will ihn nun in den Christkind-Briefkasten werfen.
Der steht in Engelskirchen, einem kleinen Ort im oberbergischen Land, eine Stunde von Köln entfernt. Täglich wird er geleert. Die Briefe kommen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Japan, Australien, China, Brasilien und Russland. Britta Töllner von der Deutschen Post erzählt, dass die erste Karte an das Christkind bereits im Sommer ankam - und zwar aus Mallorca. Der Schreiber wollte wissen, was das Christkind eigentlich im Sommer so mache.
Auch wenn die Wunschzettelschreiber keine individuelle Antwort bekommen, so werden doch alle Briefe gelesen. Jeder erhält ein Antwortschreiben, in dem das Christkind für den Brief dankt, etwas von seiner Arbeit erzählt und auch darauf hinweist, dass nicht immer alle Wünsche in Erfüllung gehen können.
Auf den Wunschzetteln findet sich alles, was die moderne Spielzeugindustrie hergibt. Immer wieder wünschen sich Kinder aber auch, dass es genug zu essen und warme Kleidung für alle gibt, dass keine Kinder mehr auf der Straße schlafen müssen - oder einfach, dass Mama und Papa wieder zusammen kommen. Auch lustige Wünsche erreichen die Christkindhelferinnen. So bat zum Beispiel ein Kind darum, sein Schwesterchen, das es sich im vorigen Jahr so sehr gewünscht hatte, doch bitte wieder abzuholen.
Das Christkindbüro entstand vor 20 Jahren. Bis dahin waren um die Weihnachtszeit immer wieder Briefe an das Christkind verschickt worden, allerdings ohne konkrete Adresse. Die Post begann, diese Briefe an das Engelskirchener Postamt weiterzuleiten. Dort öffnete sie eine Mitarbeiterin und beantwortete auch den einen oder anderen Brief. Mit der Zeit entwickelte sich daraus ein Service, der immer mehr Zuspruch fand. Und so waren es im Jahr 2004 ganze 70.000 Briefe an das Christkind, die in Engelskirchen eintrafen.
Die meisten Wunschzettel kommen von den Sieben- bis Zwölfjährigen - und sind häufig sehr fantasievoll gestaltet. Auch Lara hat ihren Brief mit Aufklebern und Zeichnungen verziert. Außerdem hat sie Schokolade und Kekse in den Umschlag gesteckt, denn das Christkind hat schließlich auch mal Hunger. Da es bestimmt ein wenig Zeit braucht, um alle ihre Wünsche zu erfüllen, wirft Lara den Brief rasch in den großen gelben Briefkasten - je früher, denkt sie sich, desto besser.
GLOSSAR:
landen – hier: an einen Ort gelangen / an einem Ort ankommen
Weihnachtsmann, der – eine mythische Symbolfigur; dargestellt als ein freundlicher alter Mann mit langem weißem Bart, der den Kindern in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember Geschenke bringt
Kuscheltier, das – ein weiches Stofftier
Wunschzettel, der – eine Liste mit den Geschenkwünschen, die ein Kind zu Weihnachten hat
Christkind, das – hier: eine mythische Symbolfigur; eine Art Engel, der den Kindern an Weihnachten die Geschenke bringt
individuell – auf eine Einzelperson bezogen
Schreiben, das – ein Schriftstück / Brief
in Erfüllung gehen – wahr werden
etwas findet sich – hier: jemand findet etwas irgendwo (wieder)
etwas gibt etwas her – hier: etwas (z.B. die Spielzeugindustrie) bietet etwas Interessantes
konkret – hier: genau
Service, der – (engl.) für: Dienst / Dienstleistung
Zuspruch finden – beliebt sein / häufig genutzt werden
etwas gestalten – hier: etwas dekorieren / verzieren
Aufkleber, der – meist ein kleines Bild, das man auf etwas kleben kann